Der Sieg des Unentschiedens

Der Sieg des Unentschiedens

Aufstehen. Oder doch den Wecker an die Tür schmettern. Bausparen. Oder im Club die siebte Runde Tequila schmeißen. Krawattennadel. Oder lieber Nieten-Armband. Immer brav nicken oder nur "Fuck you" schreien.

Also mal konkret: Wollen wir Level 42 oder Slayer? "Lessons in Love" oder "Angel of Death"? Himmel oder Hölle, Sieg oder Niederlage? Ich entscheide mich spontan für die neue Eintracht-Frankfurt-Taktik... Unentschieden. Deshalb gibt es zwei erste Plätze. Tod dem "Oder"! 1. a) Slayer 8. November, Messepark Trier (mit In Flames & Children of the Bodom) Slayer steht für ungezügelte Aggression, ungezähmte Wut. Für das Rasante, Laute, Animalische, Düstere, Martialische - da sind die Kalifornier spätestens seit dem Thrash-Metal-Meilenstein "Reign in Blood" (1986) die erste Adresse. Mit einem Gitarristen wie dem glatzköpfigen Kerry King, der mit Ganzkörper-Tätowierung oder Halbmeter-Nieten-Armbändern für mehr Schaudern sorgen kann, als es jede Geisterbahn im Messepark sonst schafft. Aber Slayer steht auch für Toleranz, naja, ein bisschen: So soll Sänger und Bassist Tom Araya ein gläubiger Katholik sein. Trotzdem singt er klaglos die Texte von Gitarrist Jeff Hanneman, die nicht frommer sind als die letzten beiden Albentitel schon andeuten: "Christ Illusion" oder "God Hates Us All". 1. b) Level 42 16. November, Esch/Lux., Rockhalle Ewige Suche nach dem Sinn des Lebens. Ständiges Rattern im Kopf, Beben im Herzen. Dabei gibt es längst eine Antwort auf alle Fragen, laut Douglas Adams' "Per Anhalter durch die Galaxis" zumindest: 42. Das sei die Lösung. Danach haben sich Level 42 benannt. Auch die haben - wie Slayer - ihren King, nämlich Sänger und Bassist Mark King. Und auch die Engländer hatten 1986 ein herausragendes Jahr mit Hits wie "Running in the Family" oder eben "Lessons in Love". Neben King ist auch Gründungsmitglied Mike Lindup wieder dabei. 2. Randy Hansen 11. und 12. November, Freudenburg, Ducsaal Das Leben ist unfair. Da ist John Lennon längst im Pop-Olymp, Namensgeber für den Liverpooler Flughafen, eine Universal-Ikone. Und der Kollege Paul McCartney schmort hier in der profanen Scheidungshölle, angefeuert vom Boulevard. Von Leuten, die sich nicht für seine Musik interessieren, aber für den Rosenkrieg mit Heather Mills. Die Frühverblichenen bleiben immer zeitlos. Jimi Hendrix, James Morrison und Co. bekommen keine Falten mehr. Obwohl: Jimi Hendrix lebt ja noch. Er nennt sich eben nur Randy Hansen, ist zehn Jahre jünger geworden (also jetzt 53 statt 63) und spielt exakt so wie früher, mit praktisch allen Körperteilen. So gastiert er auch fast jedes Jahr im proppenvollen Ducsaal in Freudenburg. Sehr nett von ihm - und deshalb sollten Sie, liebe Voodoo-Kinder und Foxy Ladies, auch da hingehen. Es dürfte laut werden. Und vielleicht kommt ja auch Elvis auf ein Bier vorbei. 3. Dick Dale 17. November, Trier, Exhaus Doch! Sie kennen den. Bestimmt. Vielleicht nicht, weil der mittlerweile schon 69-jährige Dick Dale quasi der König des Surfrocks ist. Oder weil er in den frühen 60ern junge Gitarristen wie Jimi Hendrix oder Pete Townshend (The Who) mächtig beeindruckt hatte. Sondern eher, weil sein "Misirlou" die Titelmelodie des Kultfilms Pulp Fiction war. Und - für die weniger Kino-affinen: Auch eine, ähem, Perle der Fernseh-Aufklärung nutzte das Lied als Erkennungsmelodie: "Peep!" - die frühere Swingerclub-Parade mit Verona Feldbusch. 4. Fish 20. November, Merzig, Stadthalle Zurück zu 1986: Zwischen regnendem Blut, Opfer-Altaren und der wartenden Hölle (um mal ein paar Slayer-Titel zu zitieren) schien gelegentlich auch mal die Sonne. Für Sängerin Samantha Fox etwa. Der Sängerin war immer so heiß, dass sie wohl praktisch ganzjährig im roten Badeanzug durchs Land zog. Für die Jüngeren: sie war so etwas wie Tokio Hotel, nur für Jungs. Und die Jungs, die weder Pentagramme in den Musiksaal-Tisch ritzten noch sabbernd rote Badeanzüge fixierten, während sie vielleicht Cutting Crews "I Just Died in Your Arms" schmachteten (siehe "Zugabe"), hörten vielleicht Marillion: Die Art-Rocker um Sänger Fish hatten 1985 mit Misplaced Childhood ihr erfolgreichstes Album vorgelegt - dank der Single-Hits Kayleigh und Lavender. Nun bringt Fish das komplette Konzeptalbum wieder auf die Bühne. Vor einem Jahr überzeugte der Schotte damit in Luxemburg. In Merzig findet nun der letzte "Return to Childhood"-Auftritt in Deutschland statt.

Mehr von Volksfreund