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Der Solist war gut drauf

Der Solist war gut drauf

Dietrich, oder richtiger Dieterich Buxtehude: Als er im Jahre 1707 starb, war er 39 Jahre lang Organist an der Lübecker Marienkirche gewesen und hatte ein gewaltiges {OElig}uvre an Kompositionen hinterlassen. Speziell die Orgelwerke haben bis heute nichts an ihrer Aktualität verloren, wie Martin Bambauer bei der Eröffnung der sommerlichen Orgelkonzerte in der Konstantin-Basilika unter Beweis stellte.

Trier. Manch einer mag erstaunt gewesen sein, als er das Programm zum ersten Konzert der sommerlichen Serie in der Basilika las, die in diesem Jahr erstmals auch zu den Mosel Festwochen gehören. Das war, auf den ersten Blick, ein bisschen Kraut und Rüben. Am Anfang mit Flor Peeters ein Zeitgenosse, dann scheinbar wahllos einige Werke von Buxtehude, gefolgt von einer Improvisation und dann auch noch Johann Sebastian Bach. Kein Konzept? Eine wild zusammengewürfelte Abfolge von Kompositionen? Ganz im Gegenteil. Martin Bambauer nutzte hier Chancen, die manch ein Konzertorganist ungenutzt an sich vorbeiziehen lässt. Der Geist von Buxtehude

DasKonzertstück, Opus 52 a, von Peeters atmet fast aus jeder Note den Geist von Buxtehude, ist eine Hommage an den großen Lübecker Meister. Dramaturgisch war es sehr geschickt, dass Bambauer dem Schlussakkord dieses Werkes fast nahtlos das Präludium D-Dur, BuxWV 139, folgen ließ.Mit dem Choralvorspiel "Ein feste Burg", der Canzonetta in G-Dur, und der Toccata d-Moll, BuxWV 184, 171 und 155, ließ er sein zahlreiches Publikum ganz eintauchen in den farbenreichen Kosmos der norddeutschen Orgelmusik, in die Vielfältigkeit, die man sonst kaum irgendwo findet. Als nahezu genial muss man die anschließende fünfteilige, auf Themen des Meisters basierende Improvisation Bambauers bezeichnen, in der er nicht nur seine tiefe Ehrfurcht zeigte, sondern auch sein überragendes Können auf diesem Gebiet. Selbst mit der - wenn auch gemäßigt - modernen Tonsprache ließ sich der geistige Vater doch nirgendwo leugnen.Der Geist von Buxtehude ist energiegeladen, entwickelt, wenn man sich darauf einlässt, eine gewaltige Eigendynamik, die auch Bambauer ergriff und die er auch in Bachs Pastorale F-Dur, BWV 590, nicht verlor. Die Gefahr der Grenzwertigkeit

Virtuosität prägte sein Spiel, brachte ihn aber auch in die Gefahr der Grenzwertigkeit bei der Wahl der Tempi, die Akustik, Kompositionen und Können vertragen konnten. Zeitgemäß könnte man sagen: der Solist war unheimlich gut drauf. Davon profitierten auch die vier Sätze aus dem Werk "Fiesta" des 1977 geborenen Briten Ian Farrington. Ein Feuerwerk an Brillanz, überschäumend, ebenso energiegeladen, wie die 300 Jahre ältere Musik. Und wieder einmal konnte man sich nur über die Klangfarben wundern, die in der Basilikaorgel stecken. War es wirklich keine Hammondorgel, die im "Stride dance" erklang? Was man selten erlebt bei Orgelkonzerten: Bravorufe beim heftigen Schlussapplaus.