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Der Spaß gibt den Ton an

Der Spaß gibt den Ton an

Das sinfonische Orchester der Stadt Trier geht anlässlich seines 95. Geburtstags neue Wege beim Werben um Publikums- und Künstlernachwuchs. Am Sonntag steigt ein großes Orchesterfest im Theater - im Mittelpunkt steht ein gemeinsames Konzert der Profis mit 84 Schülern aus zwölf Schulen der gesamten Region.

Trier. Es wird ein außergewöhnliches Bild sein, das sich dem Publikum im Großen Haus zum großen Finale am Sonntag gegen 18 Uhr bietet: 130 kleine und große Musiker werden die Bühne bevölkern und unter der Leitung von Victor Puhl "Kracher" wie Bizets Carmen-Suite oder den ersten Satz "Aus der neuen Welt" von Dvorak intonieren - und sogar ein kleines Violinkonzert mit Chefgeiger Petar Entchev.
Es ist mehr als ein Jahrzehnt her, dass anlässlich der Eröffnung der Arena Trier ein ähnliches Projekt gestartet wurde. Seither hat sich viel getan, die städtischen Philharmoniker haben etliche neue Angebote für Kinder entwickelt, laden zu Familienkonzerten ein, sind präsent in Schulen und organisieren Kinderkonzerte in ihrem Probenraum in Trier-West.
Aber für das ganz große Spektakel bedurfte es eines besonderen Anstoßes. Es waren die Protestaktionen zum Erhalt des Trierer Theaters im vergangenen Jahr, die den Orchestervorstand und die Trierer Sektion des Verbandes deutscher Schulmusiker an einen Tisch brachten. Schnell stellte man fest, dass die Idee eines gemeinsamen Konzertes von Schülern und Profis auf beiden Seiten durch die Köpfe spukte.
Im September 2013 setzte man sich erstmals zusammen. Bald stellte sich heraus, dass die Aussicht auf einen Auftritt mit den Philharmonikern fast eine Hundertschaft Schüler von Trier bis Biesdorf anlockte. Weil darunter mehr Bläser waren, als ein Sinfonie-Orchester braucht, ergänzte man das Programm um James-Bond-Filmmusik und Bigband-Klassiker von Louis Armstrong - so dass alle Interessenten eine Chance haben, mitzuspielen.
In die Probenarbeiten waren viele Musiklehrer, aber auch Orchestermusiker eingebunden. "Es ist für die Kollegen superschön, mit jungen Leuten zu arbeiten", schwärmt Ursula Heckmann vom Orchestervorstand. Auch wenn Andreas Wagner vom Musiklehrerverband feststellt, "dass da manchmal unterschiedliche Welten zusammentreffen" - vor allem, wenn es um Fragen wie Pünktlichkeit oder gründliche Vorbereitung geht. Man habe das Programm "nach der Machbarkeit für die Schüler zusammengestellt", erklärt Generalmusikdirektor (GMD) Victor Puhl.
Seit Monaten laufen die Probenarbeiten, in dieser Woche bekommt die Sache den letzten Schliff. Und das gilt nicht nur für das Hauptkonzert: Ab 14 Uhr sind im Foyer und im Großen Haus Mitmachkonzerte, Musikspiele, eine Bilder-Ausstellung, Kaffee und Kuchen oder Kinderschminken im Angebot. Und natürlich jede Menge Musik, mit dem Saxophon-Quartett Reed Bulls, dem Odeon Jazz Quartett und Sängerin Conny Hain.
Der Aufbau eines zukünftigen Publikums hat beim Trierer Orchester einen hohen Stellenwert. Allerdings sind die Möglichkeiten der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen beschränkt. Die Hauptlast liegt beim freiwilligen Engagement der Musiker.
Wunschtraum Musikpädagoge


Anderswo hat man längst die Notwendigkeit personeller Ressourcen erkannt. In der Luxemburger Philharmonie etwa kümmert sich eine ganze Abteilung um die jungen Zuhörer, mit riesigem Erfolg. In Trier wäre ein einzelner professioneller Musikpädagoge schon ein Wunschtraum, daran lassen Heckmann und Puhl keinen Zweifel.
Aber das hängt von den Prioritäten des künftigen Intendanten ab. Der hat zwar keinen unmittelbaren Einfluss auf die Philharmoniker und ihren GMD, wohl aber auf das künstlerische Personal rund ums Orchester, auf Konzertdramaturgen, Kapellmeister, Studienleiter. Da scheinen noch viele Fragen offen zu sein. Schwer vorstellbar, dass der Neue das Team rund um den außergewöhnlich erfolgreichen Victor Puhl demontiert.
Orchesterfest im Theater Trier, Sonntag, 29. Juni, 14 bis 20 Uhr. Große und kleine Musik-Fans sind eingeladen, Eintritt frei.