1. Region
  2. Kultur

Der Spezialist für Sakralbauten

Der Spezialist für Sakralbauten

TRIER. (rm.) Er zählt zu den ganz Großen der Gilde der Trierer Planer: Architekt Peter van Stipelen feiert heute seinen 80. Geburtstag. Insgesamt mehr als 250 Kirchen und andere Bauten, große und kleine, hat er seit 1970 in eigener Verantwortlichkeit betreut.

Aus Trierer Sicht war Peter van Stipelen zur rechten Zeit an der richtigen Stelle: Nach seinem Studium in Höxter, Trier und Darmstadt heuerte der gebürtige Dinslakener 1945 im Architekturbüro Baurat Heinrich Otto Vogel an. Es war der Beginn einer äußerst fruchtbaren Zusammenarbeit, die der Region zahlreiche neue katholische und evangelische Kirchenbauten bescherte. Auch machten sich Vogel und seine rechte Hand van Stipelen um denkmalgerechte Restaurierung, Erweiterung und Umnutzung historischer Baudenkmäler, insbesondere Sakralbauten, verdient. "Die Lehrjahre bei Heinrich Otto Vogel brachten die Grundlage zur eigenen Arbeit, die wohl immer noch Geist und Handschrift des Lehrers erkennen lässt", sagte Peter van Stipelen 1984. Damals war er schon seit 14 Jahre selbstständiger Architekt mit Büro im Haus Bitburger Straße 32 in Trier. War es am Anfang der durch den Krieg bedingte Wiederaufbau - auch mit schöpferischen Ergänzungen unter behutsamer Schonung vorhandener Bausubstanz -, so kamen später die Umgestaltungen von Kirchenräumen im Sinn der geänderten Liturgieordnung hinzu. Dabei ergaben sich oftmals erstaunliche Befunde, die zu Neuentdeckungen und Neubewertungen vor allem der Architektur des 19. Jahrhunderts führten.Arbeit als Lebenselixier

Peter van Stipelens Werkverzeichnis sprengt den Rahmen eines Zeitungsartikels. Als Beispiele re-staurierter Objekte aus verschiedenen Epochen seien stellvertretend genannt der einzige erhaltene romanische Chorturm im Moseltal in Zell-Merl (12. Jahrhundert), die Burgruine Sommerau (13. Jahrhundert), die Pfarrkirche St. Antonius Trier (15. Jahrhundert), die Kirche des ehemaligen Klosters Helenenberg und die Stiftskirche St. Irminen Trier (beide 18. Jahrhundert). Die Trierer Kirchen Liebfrauen und Herz Jesu, beide zurzeit wegen Außenrenovierung eingerüstet, betreut von Stipelen zum wiederholten Mal. In den 60er und 70er Jahren lagen die Schwerpunkte seiner Arbeit auf Kirchenneubauten (zum Beispiel Densborn, Daun, Oberemmel und Mertesdorf). Zahlreiche Pfarrheime und Kindergärten (Neubauten und Umbauten) sowie Wohnhäuser und Gewerbe- und Industriebauten runden das Spektrum eines unermüdlichen Schaffens ab. Nach dem Tod seiner geliebten Frau Lucie, die nach 55 Ehejahren im Mai starb, ist erst recht die Arbeit Lebenselixier des bescheidenen Idealisten. Peter van Stipelens Herz hängt an Liebfrauen: Die fällige Innenrenovierung würde er gerne in Angriff nehmen. Die vier Kinder (zwei Söhne, zwei Töchter), acht Enkel und die übrigen Angehörigen und Freunde hoffen, dass der frisch gebackene 80-Jährige erneut dem Vorbild seines Lehrmeisters folgen möge: Heinrich Otto Vogel (Jahrgang 1898) wurde 96 Jahre alt.