Der Teufel und die Liebe

Der Teufel und die Liebe

Sie sind Kritiker-Lieblinge, gehören zu den wenigen deutschen Bands von internationalem Renommee - und doch sind "The Notwist" so manchem auch nach 20 Jahren Bandgeschichte noch unbekannt. Die bayerische Popband spielt am 13. Juli in Trier.

Trier. (AF) Wenn es eine Geschichte gibt, die "The Notwist" charakterisiert, ja, die ihre Besonderheit im deutschen Pop hervorhebt, dann ist es vielleicht diese: Vor ein paar Jahren soll ein Mobilfunk-Anbieter großes Interesse gehabt haben, "Pick up the Phone" für eine Werbung zu verwenden. Ein zartes, elegantes, sehnsuchtsvolles Stück. Großer Pop. Fast eine Million Euro hatte das Unternehmen dafür zahlen wollen, so war in der "Welt" zu lesen.

Dafür muss man viele Platten verkaufen, etliche Konzerte spielen. The Notwist lehnte dankend ab. Die freundliche Verweigerung, die Absage an das "Alles-machen-Müssen", das mag ein Grund dafür sein, dass die Band im Formatradio zwar praktisch nicht vorkommt, und dass sie dem ganz breiten Publikum wohl sogar unbekannt ist.

The Notwist verkaufen auch ohne die ganz große Öffentlichkeit weiterhin vergleichsweise viele CDs (und auch noch Schallplatten). Zwar wurde auch ihr aktuelles Album "The Devil, You and Me" illegal zum Runterladen ins Netz gestellt. "Aber das scheint bei uns nicht so viel ausgemacht zu haben", sagt Notwist-Sänger Markus Acher: "Die Verkäufe sind kaum geringer als beim vorigen Album." Verwundert ist Acher eher von einem anderen Internet-Phänomen: "Eine halbe Stunde nachdem das Album im Netz war, gab es schon die ersten Kritiken zu lesen. Das war anfangs schockierend. So nach dem Motto: ‚Die Enttäuschung ist groß: Ich habe gerade reingehört, ist langweilig'. Das ist eine Befassung mit Musik, die doch eher kontraproduktiv ist", sagt er.

Dazu muss man wissen, mit welcher Liebe zum Detail die berühmtesten Weilheimer (das liegt bei München) ihre Alben durchgehen. Platten, in denen man beim x-ten Durchhören noch Neues entdecken kann. Auch was die Live-Auftritte angeht, ist das Besondere der Standard. Erwarten darf man dabei, dass die Lieder längst nicht alle so klingen wie auf den Aufnahmen. "Es ist uns wichtig, dass sich Lieder entwickeln. Da ändern sich immer Kleinigkeiten. Und das Ausprobieren macht uns gerade sehr viel Spaß."

Die Vielseitigkeit gehört bei der vor 20 Jahren gegründeten Band (damals noch mit Hardcore-Faible!) ohnehin dazu. So hilft Markus Acher gelegentlich mit seinem Bruder und Bandkollegen Micha in der Dixieland-Gruppe des Vaters aus. Da hört man zwei der einflussreichsten deutschen Popmusiker auch mal Jazzstandards spielen. Oder einen Walzer bei einer Hochzeit. "Es ist gut zu sehen, dass Musik auch einfach mal Unterhaltung ist - es geht um das richtige im richtigen Moment", sagt Acher.

The Notwist spielt am 13. Juli auf der Sommerbühne Trier (Exhaus). Karten gibt es in den TV-Service-Centern Trier, Bitburg und Wittlich, unter der TV-Tickethotline 0651/7199-996 sowie unter www.volksfreund.de/tickets

Mehr von Volksfreund