Der Tod kommt in Rosa - mit Borsten

Trier · In Zeiten von Wirtschaftskrise, Klimawandel und Schweinegrippe nicht in Panik davonzurennen, diese Philosophie predigt Dieter Nuhr mit seinem aktuellen Programm "Nuhr die Ruhe". Am Samstagabend war er in der Arena in Trier zu Gast.

 Nuhr die Ruhe: Dieter Nuhr wird nicht in Panik davonrennen, wenn die nächste „Katastrophe“ kommt. TV-Foto: Sven Eisenkrämer

Nuhr die Ruhe: Dieter Nuhr wird nicht in Panik davonrennen, wenn die nächste „Katastrophe“ kommt. TV-Foto: Sven Eisenkrämer

Er schafft's einfach nicht mehr. Dieter Nuhr hat in seinen 49 Lebensjahren schon zu viele Möchtegern-Katastrophen und -Weltuntergänge, Klima- und Wirtschaftskrisen erlebt, um in Panik davonzurennen, wenn das Chaos mal wieder ausbricht. "Wenn jemand ruft: ‚die Pest kommt, die Pest kommt', dann sage ich: ‚Die geht auch wieder!'" Mehr als ein schlichtes "oh" bekommt er nicht mehr über die Lippen.

Nachdenklich, trocken, sarkastisch bringt Dieter Nuhr seine Weltansichten auf der Bühne in der Arena in Trier rüber. 3000 Zuschauer (über die sich Nuhr sehr freut, denn es sind ja die letzten Überlebenden der teuflischen Schweinegrippe) füllen die Ränge und kommen aus dem Schmunzeln nur noch durch herzhafte, lang anhaltende Lacher heraus. Früher sei es eben die Pest gewesen, vor der man Angst hatte, "aber heute kommt der Tod in Rosa und mit Borsten."

Anekdoten und Metaphern zieren Nuhrs eingängiges Programm, das eine perfekte Symbiose zwischen dem klassischen Kabarett und der modernen Stand-Up-Comedy darstellt. "Nuhr die Ruhe" mahnt der Ratinger (nähe Düsseldorf).

Er untermauert seine Ansichten - in denen er sowohl Politik und Gesellschaft, Gesundheit, Alte und Junge, Frauen und Männer sowie Kölner aufs Korn nimmt - mit wissenschaftlichen und historischen Fakten und eigenen Interpretationen. Opel habe 1862 schließlich mit Nähmaschinen angefangen und irgendwann einfach Räder drunter geschraubt - "klar, dass das den Menschen irgendwann auffällt und Opel pleite geht."

Thema Autos: Statistisch bauten ältere Autofahrer übrigens die wenigsten Unfälle - "klar, wenn man es schonmal in einem Panzer bis nach Stalingrad geschafft hat, kommt man auch auf unseren Autobahnen klar."

Seiner Pflicht als männlicher Comedian kommt Dieter Nuhr natürlich auch nach. Auch wenn er - eher lieb gemeinte - Buh-Rufe einstecken muss: "Wenn es einen Gott gibt, bin ich sicher er ist männlich - sonst würde er zu uns sprechen."

Nach zwei Stunden Programm endet Nuhr mit einer improvisierten Zugabe: Die Frage aus dem Publikum nach dem Schal um seinen Hals beantwortet Nuhr natürlich spontan mit "Schweinegrippe - wie beim Kollegen Oliver Pocher". Ob er wisse wie es Pocher geht? "Ich telefoniere jetzt nicht persönlich mit ihm - auch ich habe meine Grenzen."

Dieter Nuhr wird wiederkommen: Am 11. Dezember 2010, in die Arena Trier.

Wer also Kabarett und Comedy im Einklang auf höchstem Niveau mag, sollte sich diesen Termin unbedingt merken.

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