Der Trend bei Ophüls: Dass es keinen Trend gibt

Der Trend bei Ophüls: Dass es keinen Trend gibt

Das 35. Filmfestival Max Ophüls Preis beginnt am Montag, 20. Januar, in Saarbrücken. Mit welchen Filmen und welchen Prominenten kann man dieses Mal rechnen?

Saarbrücken. Wenn es denn einen Trend gibt in diesem Jahr, dann den, dass es keinen gibt, sagt Philipp Bräuer. Für den Leiter des Filmfestivals Max Ophüls Preis (zusammen mit Gabriella Bandel) ist am Spielfilmwettbewerb 2014 vor allem eines auffällig: "Dass sich die jungen Filmemacher freimachen von dem, was dem Nachwuchsfilm so oft anhängt" - was bedeutet, dass es diesmal weniger Selbstfindungsdramen und "Coming of Age"-Erwachsenwerdgeschichten gebe.
"Breiter gefächert" sei das Programm, mit einer Literaturverfilmung wie "Fräulein Else" nach Arthur Schnitzler, mit einer Komödie wie "Love steaks", Horrorkino wie "Blutgletscher" und auch einem Film, der man der kargen "Berliner Schule" zurechnen könne: "Die Geschichte vom Astronauten".
Stark vertreten sind Hochschul-Abschlussfilme: fünf von 16 Produktionen im Spielfilmwettbewerb. Zwischen dem 20. und 26. Januar sind 160 Filme zu sehen, davon 70 in den Wettbewerben Spielfilm (16), Dokumentation (13), Mittellanger Film (14) und Kurzfilm (27).
Corinna Harfouch ist Ehrengast


Ehrengast Corinna Harfouch wird am Festivaldienstag einige ihrer Filme präsentieren (sechs laufen insgesamt), auch sonst gibt es manche Prominenz: Ronald Zehrfeld (Christian Petzolds "Barbara") gehört ebenso der Hauptjury an wie Götz Otto ("Iron Sky") , der seinen Durchbruch 1997 als teutonischer Bösewicht im James-Bond-Film "Der Morgen stirbt nie" erlebte. Christopher Buchholz und Heiner Lauterbach besuchen das Festival erneut, auch "Lindenstraße"-Architekt Hans W. Geißendörfer reist an. Noch nicht ganz sicher ist das Kommen von Nicolette Krebitz, Esther Schweins und August Zirner.
Sicher ist dagegen Benno Führmann: Er reist als Darsteller im Film "Der blinde Fleck" über den Bombenanschlag auf das Oktoberfest 1980 an und für eine Lesung zum Thema. Zusammen mit dem Journalist Ulrich Chaussy stellt er dessen Buch "Oktober. Das Attentat. Wie die Verdrängung des Rechts terrors begann" vor.
Keine Studentenfilme


Eine Hommage an den Regisseur und Festival-Namensgeber Max Ophüls gibt es 2014 nicht, aber eine Veranstaltung zu Ehren eines anderen Saarbrücker Filmemachers: Wolfgang Staudte (1906-1984). Das Festival zeigt seinen 1964er Film "Herrenpartie" und hat dazu einen besonderen Gast eingeladen: Regisseurin Helma Sanders-Brahms ("Deutschland, bleiche Mutter").
Eine kleine Enttäuschung ist, dass beim Festival nun doch nicht die Filme laufen, die Regisseur Fred Kelemen, Gastprofessor der Kunsthochschule, mit den Saarbrücker Studenten gedreht hat - laut Festival wurden die Werke nicht rechtzeitig fertig.
Im Rahmenprogramm bleibt das meiste wie gehabt: Eröffnet wird das Festival im Saarbrücker Cinestar mit der Komödie "Zweisitzrakete", vergeben werden die insgesamt 14 Preise am Festivalsamstag, 25. Januar, im E-Werk. Die Party danach beschallt ein Jurymitglied von 2011, das damals aber schon vor der Preisverleihung abreiste: Cosma Shiva Hagen - unter dem vollmundigen Künstlernamen DJane Cosmic Sista. NP

Karten für die Filme, Eröffnung und Abschlussfeier gibt es auf www.max-ophuels-preis.de
Extra

Die Tickets für die Wettbewerbe werden traditionell am schnellsten knapp, deshalb hier schon mal ein paar Tipps: Wettbewerbsfilme, die wir vorab sehen konnten und weiterempfehlen wollen. Da ist etwa "Love steaks", ein tragikomischer Film über die Arbeitswelt, Alkohol und die Liebe zwischen dem Masseur Clemens und der Köchin Lara. Bei der Arbeit in einem Luxushotel finden sie sich, aber leicht haben sie es nicht miteinander. Regisseur Jacob Lass inszeniert mit leichter Hand, setzt auf die Improvisationslust seiner famosen Hauptdarsteller und verbindet Komik mit schweren Themen, an denen er sich nicht verhebt. Ähnlich filmisch lässig und improvisiert wirkt die Odyssee einer Regisseurin und ihres nur halbkompetenten Produzenten beim Filmfestival in Cannes - "Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste" von Isabell Suba. Marvin Kren ist mit "Blutgletscher" ein cleveres Öko-Horrorstück gelungen: Spannend, schwarzhumorig und bisweilen blutig erzählt er von merkwürdigen Vorgängen in den Alpen, bei denen auch eine Umweltministerin mit Schlagbohrer eine prägnante Rolle spielt. Zuletzt ein Tipp aus dem Dokumentarfilm-Wettbewerb: Warum werden junge Menschen freiwillig Bestatter? Martin Rieck porträtiert in "Das Leben nach dem Tod am Meer" ein Pärchen, das sich für das Geschäft mit dem Tod entschieden hat. Sensibel ergründet er, warum die beiden das tun - und zu welchem Preis. NP

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