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Der unbekannte Star

Trier. Es liest sich wie ein Drehbuch, wie eine Neufassung des amerikanischen Traums: Der in Kaiserslautern aufgewachsene Elektronik-Musiker und Produzent Anton Zaslavski ist in kürzester Zeit zur ersten Wahl für Pop-Weltstars geworden. Andreas Feichtner

Trier. Mai 2005 vor der Porta Nigra: Mit einem kleinen Gratis-Open-Air wird in Trier der Kultursommer eröffnet. Die Macher beweisen ein feines Gespür bei der Zusammenstellung. The BossHoss, den Headliner, kennen nur die Eingeweihten. Wochen später schießt das Debütalbum durch die Decke. Jupiter Jones ist noch eine Nischenband mit Heimspiel. Und zum Auftakt spielen Dioramic aus Kaiserslautern. Derber Metal, mit einem verdammt talentierten 15-Jährigen am Schlagzeug, der zudem ein gelernter Pianist ist: Anton Zaslavski.
Was sich seitdem verändert hat? Jupiter Jones und The BossHoss füllen längst die Hallen in ganz Deutschland. Aber der Aufstieg von Anton Zaslavski - inzwischen Elektronik-Künstler und -Produzent und besser bekannt als Zedd - ist spektakulärer, der amerikanische Traum 2.0. Falls er eine To-do-Liste auf dem Weg nach oben hatte, so ist die schon mal kleiner geworden: Eine Einladung in die Show von US-Talk-Legende Letterman? Check! Ein Auftritt vor 50 000 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion in Seoul? Check! Das neue Album eines Weltstars wie Lady Gaga produzieren? Check! Remix-Anfragen von Beyoncé und Rihanna bekommen - und sie dann ablehnen? Check! (Das hatte aber laut Zedd ausschließlich zeitliche Gründe). Einen festen Wohnsitz haben? Da hakt es noch. Auch knapp zwei Jahre nach seinem Abschied aus Kaiserslautern in Richtung USA. Für Alltag, Reflexion und Wohnungssuche sind gerade keine Termine frei. Zu schnell dreht sich die Welt. "Ich habe kaum Zeit darüber nachzudenken, was passiert ist. Das ist auch ganz gut so", sagt Zedd dem TV. "Seit ich Mitte 2011 in die USA gegangen bin, habe ich im Prinzip nicht aufgehört zu touren." Das erkläre auch, warum er noch keine Wohnung habe. "Ich schlafe ja fast nur in Hotels oder im Studio in Los Angeles."
Für ein paar Tage war Zedd wieder in Deutschland, seiner alten Heimat. Kurz heim zur Familie nach Kaiserslautern, dann ein paar DJ-Shows in München, Frankfurt, Köln. Berlin. Und schnell wieder zurück in die USA.
Dort sollte er gerade in den größten Arenen des Landes spielen, als Support für Lady Gaga, die er schon bei ihrer Asien-Tour im vergangenen Jahr begleitet hatte. Lady Gaga musste die US-Tour aber wegen einer Operation an der Hüfte kurzfristig absagen. "Ich habe mir wegen der Operation natürlich Sorgen um sie gemacht. Wir arbeiten ja nicht nur zusammen, sondern sind auch befreundet", sagt Zedd, der das neue - fast fertige - Lady-Gaga-Album "Artpop" zu großen Teilen produziert hat und auch schon mit Justin Bieber einen Song in die Charts hievte.
Zur elektronischen Musik kam der aus einer russischen Musikerfamilie stammende Anton Zaslavski vor fünf Jahren über das französische Duo Justice. Über den Kontakt zu US-Elektromusiker Skrillex ("Ich habe ihm einfach über seine Myspace-Seite einen Song geschickt") ging es innerhalb von Monaten nach oben.
An den Auftritt vor der Porta Nigra kann sich Anton Zaslavski nicht mehr wirklich erinnern: "Aber wir haben ja auch oft in Trier gespielt." So schnell dürfte sich das in Zukunft nicht wiederholen. Als Support von The BossHoss wird man ihn wohl nie wieder erleben.Extra

Zedd, bürgerlich Anton Zaslavski, kam als Dreijähriger mit seiner Familie aus Russland in die Pfalz. Auch seine Eltern und Bruder Arkadi sind Profimusiker. Im Netz finden sich viele Video-Fundstücke aus der Kindheit: Anton als Kirchenmusiker am Cembalo, später als Elfjähriger mit einer Jazzrock-Improvisation am Keyboard mit Vater und Bruder beim Kinderfest des damaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck. Seit 2011 lebt der 23-Jährige in den USA. Dort arbeitete er u.a. mit Justin Bieber, Lady Gaga und den Black-Eyed Peas. AF