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Der Untergang des Römischen Reiches Festakt Basilika

Der Untergang des Römischen Reiches : „Viele Momente zum Staunen“ – Landesausstellung feierlich eröffnet (Fotos)

Bei der festlichen Eröffnung der Landesausstellung „Der Untergang des Römischen Reiches“ in der Konstantinbasilika sind am Freitagabend vor allem Erleichterung und Feierlaune zu spüren. Auch ein echter Römer und eine schnippische Barbarix mischen sich unter unters Volk.

„Delirant isti Romani!“ Wer‘s nicht wusste, glaubt‘s nun umso lieber: „Die spinnen, die Römer!“ Es tut auch mal gut, sich über sie lustig zu machen, diese dekadenten, eingebildeten Herrschaften, deren zerfallendes Riesenreich in den nächsten fünf Monaten 100.000 Besucher in die Museen in Trier locken soll!

Die 540 geladenen Gäste in der Konstantinbasilika, das regionale Who is Who aus Politik, Kultur und Wirtschaft sowie hochrangige Vertreter des Landes, nehmen die witzigen Einlagen der Theater-Schauspieler Giovanni Rupp und Barbara Ullmann, wenn auch akustisch schwer verständlich, bei der Eröffnung der Landesausstellung am Freitagabend dankbar auf. In ihre Lacher mischt sich die riesige Erleichterung darüber, dass nach fast vier Jahren Vorbereitung und der Verunsicherung durch die Corona-Pandemie erneut und nun zum vierten Mal eine große Landesausstellung in der einstigen Römer-Metropole stattfinden kann.

Ausstellung Untergang des Römischen Reiches: Ein Prachtstück kommt im Landesmuseum in Trier an

Vor der Orgie (O-Ton Rupp) ist erstmal die Orgel dran. Kirchenmusikdirektor Martin Bambauer zieht alle Register, als wollte er demonstrieren, was das noch junge Eule-Instrument – 2014 überwiegend vom Land Rheinland-Pfalz bezahlt – an monumentalen Klängen zu bieten hat. Seine Improvisationen, etwa über die Melodie von „Christ ist erstanden“, unterstreichen musikalisch, was Jörg Weber, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises, im Namen des Hausherrn betont: Die Audienzhalle des römischen Kaisers gehört nun der Kirche, sei vertraglich „auf ewige Zeiten“ der evangelischen Gemeinde zur Nutzung überlassen.

Weit in die Zukunft blicken auch Ministerpräsidentin und Schirmherrin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz. Trier habe sich als internationales Zentrum der Antike etabliert, nicht nur durch sein Welterbe, sondern auch die großen Ausstellungen, sagte Dreyer und sieht in ihnen „schon fast so etwas wie eine Tradition“. Was Oberbürgermeister Wolfram Leibe und die Vertreter der Stadt sicherlich gerne gehört haben, klingt doch die Absicht durch, nach dem „Untergang“ gleich die nächste große Antiken-Ausstellung zu planen. „Wenn Sie in Pompeji oder Neapel sagen, Sie kommen aus Trier, dann gehen überall die Türen auf“, erzählt Lewenz über seine Reisen nach Italien und zum Hadrianswall, wo er seit einem Jahr dabei ist, „ein Netzwerk zu knüpfen“. „Trier ist das Rom des Nordens“, sagte Lewentz. „Wir wollen diesem Anspruch gerecht werden.“

Welche der mehr als 200 Theorien über den Zerfall des Römerreiches denn nun die wahre ist, das versuchte Professor Christian Witschel aus Heidelberg dem Publikum nahezubringen. Aus der akustisch schwer verständlichen Rede ließ sich jedenfalls heraushören, dass die Impotenz der Männer durch Bleivergiftung infolge der römischen Wasserversorgung nicht zu den Hauptfaktoren des Untergangs zählt.

Exklusive Einblicke in die Schau im Rheinischen Landesmuseum gewährt dessen Direktor Marcus Reuter der Ministerpräsidentin, ihrem Mann Klaus Jensen und einem kleinen Tross an Vertrauten und Gästen. Entsprechend gelöst geht es zu. Da wird gefrotzelt über die Sitte des Kaisers, seinen Hofbeamten üppige Geschenke zu machen und am Hof eigene Verwalter für Kleidung oder Wein zu beschäftigen. Was Dreyer Lewentz lachend zuflüstert, ist für die Umstehenden nicht zu verstehen, im Gegensatz zu Ausrufen wie „toll“ oder „Wahnsinn“ zu besonders eindrucksvollen Exponaten. Beim vergoldeten Paradehelm von Berkasovo darf der zehnjährige Sohn von Heike Otto, Generaldirektorin Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, staunend in die erste Reihe. Das Highlight der Schau kam als letztes Exponat in Trier an, „heute um 14.30 Uhr per Eilkurier“, verrät Reuter über die Anspannung, die bis kurz vor Ausstellungsbeginn hinter den Kulissen herrschte. Bischof Stefan Ackermann vermisst bei der Völkerwanderung die alten Karten mit den Pfeilen, die als wissenschaftlich überholt gelten: „Die waren aber so schön.“ Und dass am Schluss bei der Mindmap über die Untergangsfaktoren das Christentum neben den Naturkatastrophen und Seuchen angesiedelt wird, amüsiert den Kirchenchef sichtlich. Dreyer bittet ihren Mann, doch mal ein Mindmap-Blatt vom Block abzureißen und mitzunehmen. Ins Gästebuch schreibt sie als den ersten Eintrag: „Eine sehr beeindruckende Ausstellung, die sehr viel Anregungen zum Nachdenken gibt und viele Momente zum Staunen.“

Als der Promi-Tross im Innenhof des Museums ankommt, sind schon etliche Liter Wein verkostet und Häppchen verspeist. Hinter vorgehaltener Hand fänden manche Trierer es gar nicht schlimm, wenn das Land die Replik der Igeler Säule so schnell nicht ersetzen wird, die Anfang des Jahres wegen Einsturzgefahr abgebaut wurde – oder am liebsten gleich einen anderen Standort dafür wählt. Sie hinterließ nämlich einen freien, hellen, wunderbarer Ort zum Verweilen und Feiern. Offenbar werden hier schon Konzerte geplant.

Exklusiv-Führung durch die Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum: Direktor Marcus Reuter zeigt Ministerpräsidentin Malu Dreyer, ihrem Mann und einem kleinen Tross von Vertrauten und Gästen die historische Schau „Der Untergang des Römischen Reiches“.
Exklusiv-Führung durch die Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum: Direktor Marcus Reuter zeigt Ministerpräsidentin Malu Dreyer, ihrem Mann und einem kleinen Tross von Vertrauten und Gästen die historische Schau „Der Untergang des Römischen Reiches“. Foto: Anne Heucher

Zum offiziellen Schluss der Feier um 23 Uhr sind immer noch mehr als 100 Gäste da, trotz des einsetzenden Regens. Manfred Langner verrät, wie sehr er mit den Schauspielern wegen fehlender Tontechnik in der Basilka gelitten habe. Das nächste Mal, sagt der Theaterintendant, bringe er selbst einen professionellen Tontechniker mit. Das nächste Mal? Die Landesausstellung Nummer 5 ist zur Eröffnung von Nummer 4 schon sehr präsent.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Exklusiv-Führung durch die Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum