Der Vater der 2000-Jahr-Feier

Der Vater der 2000-Jahr-Feier

TRIER. Seinen großen Traum von der Freilegung des Tempelbezirks wollen andere realisieren. Ein anderer Traum, der von der Öffnung des Frankenturms, wird bald wahr - weil er beharrlich daran glaubte und an der Verwirklichung der Idee mitarbeitete. Mit dem am Montag 75-jährig verstorbenen Heinz Cüppers hat Trier einen bedeutenden Archäologen mit Visionen verloren.

Was Trier an dem quirligen Heinz Cüppers hatte, zeigte sich bei seiner Verabschiedung als Direktor des Rheinischen Landesmuseums 1994. Viele der Mitarbeiter unter den 300 Gästen hatten Tränen in den Augen, als der Chef "Servus" sagte. Festredner würdigten ihn, der das Gesicht seiner Heimatstadt entscheiden mitgeprägt habe, als Institution. Cüppers betrachtete es als Berufung, in einem der bedeutendsten archäologischen Museen der Republik zu arbeiten. Sein Interesse an Triers ruhm- und glorreicher Vergangenheit war bereits früh geweckt worden.Aha-Erlebnis auf dem Kornmarkt

Die Entdeckung eines römischen Mosaiks beim Anlegen des Kornmarkt-Löschteichs im Zweiten Weltkrieg zog den damals 13-Jährigen nachhaltig in ihren Bann. Er studierte Klassische Archäologie und Geschichte; ein Stipendium des Deutschen Archäologischen Instituts führte ihn 1957/58 rund ums Mittelmeer. 1961 heuerte Cüppers im Landesmuseum an, 1977 löste er Reinhard Schindler als Direktor ab. "Reihenweise Glücksfälle" (Cüppers), aber auch eine motivierende Teamleitung prägten seine Amtszeit als Chef des Museums, das neben seiner Ausstellungs- und Forschungstätigkeit auch für Ausgrabungen auf dem Gebiet des ehemaligen Regierungsbezirks Trier plus des Landeskreises Birkenfeld zuständig ist. Ein solcher Glücksfall war der Nachweis des Gründungsdatums Triers. Die Eichenstämme, aus denen die erste Römerbrücke bestand, wurden 18 und 17 vor Christus gefällt. Diese Kenntnis machte den Weg frei zur 2000-Jahr-Feier 1984, die der in der Öffentlichkeit hoch angesehene Cüppers kräftig mitprägte. Cüppers und sein Team beteiligten sich unter anderem mit zwei Sonderausstellungen und zahlreichen Publikationen an dem Jubiläumsjahr, das Trier international ins Gespräch brachte und einen ungebrochenen Tourismus-Boom auslöste. 1987 förderten Cüppers und seine Leute unter dem Viehmarkt etwas zutage, mit dem niemand rechnete: Triers dritte monumentale Thermenanlage. Weiteres Highlight unter seiner Ägide: die Entdeckung des millionenschweren römischen Goldschatzes 1993 auf dem Mutterhaus-Gelände. Im Jahr darauf, mit 65, verabschiedete sich Cüppers vom Landesmuseum und nach 20-jähriger Zugehörigkeit zur CDU-Fraktion auch vom Stadtrat. In zahlreichen Ehrenämtern und in beratenden Funktionen engagierte er sich weiterhin für seine Heimatstadt. 13 Jahre leitete er die traditionsreiche Gesellschaft für nützliche Forschungen von 1802. Mit der Trier-Gesellschaft, deren Vorsitzender er seit der Gründung 1982 war, sammelte er weit über eine halbe Millionen Euro zur Restaurierung und Sanierung von Baudenkmälern.Noch viele Früchte zu ernten

Die jahrelangen Bemühungen von Cüppers und seinen Mitstreitern, endlich den mittelalterlichen Frankenturm für Publikum zugänglich zu machen, führen bald zum Erfolg. Weil der Stadt als Besitzer das Geld für einen Innenausbau fehlt, gibt die Trier-Gesellschaft 100 000 Euro Anschubfinanzierung und will mit Aktionen weitere Mittel auftreiben helfen. Auch ein anderes "Traumprojekt" von Cüppers kommt möglicherweise doch noch ins Rollen: die Freilegung des Tempelbezirks im Altbachtal, der einst größten Kultstätten-Ansammlung nördlich der Alpen. Mit dem Vorwurf, Trier zum "Freilichtmuseum" gemacht zu haben, konnte der Verfechter der Nutzung historischer Gemäuer stets gut leben: "Weshalb kommen denn die vielen Touristen hierher? Weil wir über 2000 Jahre sichtbare Historie bieten. Das ist ein Trumpf." Die Früchte von Cüppers, der Ehefrau Gudrun und drei Kinder hinterlässt, sind noch längst nicht alle reif.