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Der Verführer aus der Hölle

Der Verführer aus der Hölle

Letzte Premiere der diesjährigen Opern-Saison im Trierer Theater: Mozarts Don Giovanni, der größte Lover des Musiktheaters, treibt ab Sonntag sein Unwesen. Dem Trie rer Publikum beschert die Neuproduktion die erste Begegnung mit einem erfahrenen Regisseur und mit einem jungen Sänger.

Trier. Das ist so eine Sache mit Don Giovanni. In der einen Inszenierung ist er eine düstere Ausgeburt der Hölle, in der anderen ein sympathisch-unkonventioneller Womanizer. Mal skrupelloser Frauenschänder, mal verzweifelt Liebender. Todernst oder superkomisch. Mozarts Musik lässt viel Interpretationsspielraum. "Jeder Takt bei ihm bietet tausend Möglichkeiten", sagt Regisseur Thomas Münstermann. Nur eines scheint klar: Mit der Titelrolle und ihrem Sänger steht und fällt die ganze Oper.Wenn es danach geht, müsste in Trier der große Verführer auf der Tagesordnung stehen. Der Brasilianer Amadeu Tasca gibt sein Debüt in der Hauptrolle, 32 Jahre jung, Typ "Latin Lover". Sein Auftritt im Theatercafé hinterließ strahlende Augen, zumindest beim weiblichen Publikum. Seit drei Jahren lebt er in Deutschland, war nach Abschluss seines Master-Studiengangs am Theater Heidelberg engagiert. Zuvor hatte er in seiner Heimat ein Schauspielstudium absolviert und erste Opern-Erfahrungen gesammelt. Eine Riesenrolle wie der Giovanni war aber bislang noch nicht in seinem Repertoire. "Das ist einerseits ein Traum, andererseits eine große Verantwortung", bekennt er in bemerkenswert gutem Deutsch.Ein Neuling in der Hauptrolle - das bedeutet auch für die Regie eine besondere Herausforderung. Thomas Münstermann sieht Don Giovanni als Mann, der süchtig ist, andere zu besitzen, der Frauen aussaugt wie ein Vampir. Aber ein dunkles Nachtstück erkennt er in dieser Oper keineswegs: "Don Giovanni ist wie ein Kaleidoskop, wer die Farben rausnimmt, wird der Oper nicht gerecht."Ungewöhnliche Karriere

Mit Farben auf der Bühne kennt sich Münstermann aus. Seine Karriere verlief für einen "Klassiker" ausgesprochen ungewöhnlich. 20 Jahre als Opernregisseur und -direktor an etlichen Häusern - dann wechselte er 2004 als künstlerischer Direktor zum Friedrichstadtpalast nach Berlin. Drei Jahre versuchte er, das alte Revue-Schlachtschiff fürs 21. Jahrhundert fit zu machen - doch das Publikum war selbst für behutsame Neuerungen nicht zu haben.Münstermann kehrte zur Oper zurück. Ob die große Showbühne auf seinen Stil abgefärbt hat? "Eher im Gegenteil", sagt der 56-Jährige, "früher habe ich revuehafter inszeniert als heute". Wenn etwas seinen Stil beeinflusst habe, dann eher die langfristige Projektarbeit mit jugendlichen Arbeitslosen, die er im niedersächsischen Nordhorn betreibt. Genau hinsehen, kleine Psychogramme erstellen, die Beziehungen zwischen Personen ausloten: So sieht er seine Aufgabe, auch bei "Don Giovanni". "Spannend, überraschend, schnell", so will er die Geschichte erzählen. "Man weiß in keinem Moment, was ich in meiner Rolle jetzt tue", ergänzt Amadeu Tasca.Der junge Brasilianer bleibt übrigens auch in der kommenden Spielzeit im Trierer Ensemble, als Nachfolger für den begabten Carlos Aguirre, der ins Tenorfach wechselt. So bestreitet das Haus die "Don Giovanni"-Produktion wieder komplett mit eigenen Kräften. In weiteren Hauptrollen: Alexander Trauth, Joana Caspar, Claudia-Denise Beck, Evelyn Czesla, Svetislav Stojanovic, Pawel Czekala. Die musikalische Leitung übernimmt Valtteri Rauhalammi.Termine: 20., 25., 29. Mai; 1., 8., 16., 23., 27. Juni; 1., 7. Juli. Karten: Theaterkasse, Telefon 0651/7181818, und im Internet www.theater-trier.deExtra

Zum 150. Geburtstag des Schriftstellers Arthur Schnitzler gibt es am Donnerstag, 17. Mai, um 11.15 Uhr eine Matinee im Theaterfoyer. Barbara Ullmann, Alina Wolff, Daniel Kröhnert, Christian Miedreich, Michael Ophelders und Klaus-Michael Nix lesen Auszüge aus Schnitzlers Werken. red