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Der weite Weg zur neuen Orgel

Kultur : Der weite Weg zur neuen Orgel

Das kleine Büro in den Arkaden neben der Trierer Konstantin-Basilika sieht deutlich nach Arbeit aus. Auf dem schmalen Schreibtisch liegen Noten von Georg Schmitt und dazu die Schmitt-Biografie von Wolfgang Grandjean.

Und rundherum zieren Plakate den kleinen Raum, als wären sie so etwas wie musikalische Trophäen. Ist das nur Dekoration oder doch mehr: wirklich substanzielle Erinnerungen an künstlerische Höhepunkte? Martin Bambauer (Foto: Martin Möller) zeigt sich da eher vorsichtig. Nein, sagt der Musiker der evangelischen Kirche Trier, der sich seit 2017 mit dem undotierten Titel „Kirchenmusikdirektor“ schmücken darf – nein, reine Dekoration sei das nun doch nicht. Zum Teil jedenfalls dokumentieren die Plakate künstlerische Höhepunkte. Der „Gerontius“ von Edward Elgar im Jahr 2003 beispielsweise. Oder einige Jahre früher das „Weihnachtsoratorium“ gemeinsam mit dem Domchor, aufgeführt in Dom und Basilika. Der komplette Bach-Zyklus 2010, noch an der Schuke-Orgel aus den 1960er Jahren gehört dazu, Mendelssohns „Elias“  zum 40-Jahre-Jubilälum des Bach-Chors, gleichfalls.

Und dann natürlich die neue Orgel. Als sie im Dezember 2014 zum ersten Mal öffentlich erklang, war für Martin Bambauer ein Weg über 13 Jahre hinweg zu Ende. Eine neue Orgel stand schon unter Bambauers Vorgänger Ekkehard Schneck ganz oben auf der Agenda. Die Schuke-Orgel vom Beginn der 1960er Jahre klingt zwar sehr schön, ist aber für sinfonische Orgelmusik praktisch ungeeignet. Er habe sich zeitweise regelrecht eingeengt gefühlt,  gab Schneck zu verstehen. Unter Martin Bambauer ist der große Sprung dann gelungen. Ein Instrument, nicht nur gewaltig in seinen Ausmaßen, in seiner Klanggröße und Klangvielfalt, sondern auch gut für leise, für intime Klänge – etwa zur Chor-Begleitung. Es war wohl der zweite große Sprung im Künstlerleben von Martin Bambauer. Der erste war der Wechsel von einer kleinen Teilzeit-Orgelstelle auf die führende Musiker-Position im Trierer evangelischen Kirchenkreis. Wie Domorganist Josef Still zählte auch Bambauer zu den Musikern, die Trier nur vom Hörensagen kannten und dann an der Mosel heimisch wurden. Vom Beginn seiner Trierer Zeit im Jahr 1999 war Bambauers Arbeit denn von Kontinuität geprägt. Den Orgelzyklus, den Ekkehard Schneck in den 1960er Jahren als ersten Zyklus dieser Art in Trier etablierte, hat er bruchlos weitergeführt. Wobei im Unterschied zum Dom-Orgelzyklus auch zahlreiche Transkriptionen in die Programme aufgenommen wurden.  Was allerdings auch bedeutet, dass die alte Schuke-Orgel immer weniger passt ins orgelsinfonische Konzept. Im diesjährigen Zyklus ist sie nicht mehr dabei – sehr wahrscheinlich jedenfalls.

Im ersten Konzert, traditionell mit Bambauer, steht unter anderem das Finale aus der „Orgelsinfonie“ von Saint-Saens an, in einer Orgelfassung von David Briggs, der seinerseits am 10. Juni in Himmerod spielte. So klein ist die Orgelwelt! Am 1. August nimmt sich der tschechische Organist Pavel Kohout sogar Dvoraks Neunte komplett vor.  Die Integration weltlicher Musik gehört eindeutig zu einer Tendenz, die Bambauer als „Öffnung der Kirchengemeinde nach außen“ beschreibt. Eine Aufführung der Matthäuspassion mitten im Sommer wie jetzt zur Eröffnung des Mosel-Musikfestivals mag er freilich nicht unterstützen. „Wir führen ja im Sommer auch kein Weihnachtsoratorium auf“. Tatsächlich: Die Wiederaufführung der Passion unter Felix Mendelssohn Bartholdy, deren damalige Fassung  jetzt am 13. Juli in St. Maximin zu hören ist, fand im März 1829 statt, also eindeutig in der Passionszeit.