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Der Wunsch nach einer besseren Welt - mit Lama und ohne Spießer

Trier. Ein Ausssteiger kämpft gegen den Rest der Welt und verzaubert nebenbei sein Publikum. Das Löhle-Stück "Genannt Gospodin" hat am Donnerstag seine Trier-Premiere gefeiert. Verantwortlich zeichnet das Studentenensemble Bühne 1.

Trier. Gospodin (Michael Gubenko) schläft. Das tut der Aussteiger, der den Kapitalismus bei den Eiern packen will, immer dann, wenn er sich ganz besonders aufregt. Und er regt sich häufig auf. Wenn Greenpeace sein Lama wegnimmt. Oder wenn die Frau vom Supermarkt ihm einen Job andrehen will. Nur einmal schläft Gospodin wie ein Baby, weil er sich gut fühlt. Weil er seine Dogmen aufgestellt hat - die Dogmen für ein antikapitalistisches Leben in einer kapitalistischen Gesellschaft. Dass ihn keiner so recht versteht, macht ihm nichts.
Philipp Löhle stellt mit "Genannt Gospodin" den verzweifelten Versuch eines jungen Mannes dar, seinen eigenen Weg zu gehen. Das kostet zwar kein Geld - denn Gospodin lebt ohne Geld. Doch es kostet ihn den Kontakt zu seinen Mitmenschen. Gospodin verliert den Bezug zu seiner Partnerin Annette (stark: Diana Beatrice Bercht) und zum Rest seiner Freunde - die er nach und nach als Spießer deklariert.
Die Bühne 1 ist ein aus Studenten zusammengesetztes Ensemble. Theater ist ihr Hobby. Doch mit Unterstützung vom Theater-Dramaturgen Peter Oppermann und mit Sprechtraining bei Schauspielerin Angelika Schmid haben die jungen Amateure eine ganz und gar nicht amateurhafte Vorstellung hingelegt. Die schauspielerische Leistung, allen voran die von Hauptdarsteller Gubenko, überzeugt ebenso wie das stimmige, weil genial einfach konzipierte Bühnenbild. "Genannt Gospodin" ist ein kleines Zuckerstück, das zeigt, dass Theater nicht immer professionell sein muss, um gut zu sein.
Weitere Termine: 25. und 31. Mai, 1., 8. und 14. Juni, jeweils um 20 Uhr, Studiobühne des Theaters Trier. slg