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Der Zyklus rundet sich

Luxemburg. Zehn Spielzeiten lang hat Intendant Frank Feitler im Grand Théâtre einen Zyklus mit wichtigen Mozart-Opern entwickelt - und dabei nicht nur die bekannten Werke aufgeboten. Mit "La finta giardiniera" gibt es noch einmal einen veritablen Höhepunkt.

Luxemburg. Ein Abend mit sehr gemischten Gefühlen: Eine zauberhafte Aufführung von Mozarts Jugendwerk. Aber auch der Abschied von Gaby Stehres, die als Vertreterin des Intendanten das Programm des Grand Théâtres in der Ära Feitler maßgeblich mitgestaltet hat und wenige Tage vor der Finta-Premiere nach langer Krankheit starb.
Auf diese Koproduktion mit dem Festival Aix-en-Provence wäre sie sicher stolz gewesen. Ein exzellentes, außerordentlich frisch klingendes Orchester (Le cercle de l\'harmonie aus Paris), mit Andreas Spering ein souveräner, die Partitur ebenso sorgfältig wie schwungvoll auslotender Dirigent - und dazu sieben starke Solisten, die in ihrem sorgfältig abgestimmten ästhetischen Gleichklang stellenweise für höchstes Mozart-Glück sorgten. Vor allem in den Ensembles herrscht Wohlklang pur, bis hin zu den heiklen Septetten.
Vincent Boussard (Regie) und Vincent Lemaitre (Bühnenbild) haben für die (durchaus nicht nur lustige) Verwechslungskomödie eine Ausstattung geschaffen, die sich deutlich von der Freilicht-Aufführung im Wald von Aix unterscheidet. Statt der Natur als Kulisse gibt es abstrakte, aber sehr stimmungsvolle Videoprojektionen, ergänzt durch einige wenige Requisiten.
Regie und Szene lassen viel Platz für die Spielfreude und Kreativität der Akteure, die mit Lust an der (Selbst-)Ironie zur Sache gehen, aber ihren Charakteren durchaus Profil verleihen.
Die Stimmen lassen aufhorchen: der wandlungsfähige Koloratursopran von Sabine Devieilhe als "falsche Gärtnerin", die kernige Sandrina von Lucy Hall, der kultivierte Tenor von Nathan Vale als selbstverliebter Graf, Erzkomödiant Colin Balzer als aufgeblasener Bürgermeister. Aber der Star ist das Team. Ausgiebiger Beifall im Grand Théâtre. DiL
Für die zweite Vorstellung heute um 20 Uhr gibt es noch Karten an der Abendkasse.