Di-Mi-Do-Semesterticket: Unter der Woche Kultur für lau

Di-Mi-Do-Semesterticket: Unter der Woche Kultur für lau

Goldene Kulturzeiten für die rund 25.000 Studierenden in Trier: Ab dem Wintersemester können sie von Dienstag bis Donnerstag etliche Kulturangebote gratis wahrnehmen. Das Studierendenwerk macht's möglich.

Wer am Mittwochabend im Theater eine klassische Oper genießen will, findet sich oft in ungewöhnlicher Gesellschaft: Hundertschaften junger Zuschauer zwischen 20 und 30 bevölkern die Ränge, auch bei Verdi oder Strauss. Ein Wunschtraum? Falsch: Realität. Allerdings nicht in Trier. Sondern in Saarbrücken. Dort ist es seit Jahren Usus, dass Studenten unter der Woche kostenlos ins Theater dürfen, wenn es freie Plätze gibt.

In Trier gab es ähnliche Ideen schon vor drei Jahrzehnten. Aber es bedurfte eines beherzten Vorstoßes des Studierendenwerkes, um die Sache in die Tat umzusetzen. Und der umtriebige Studiwerk-Geschäftsführer Andreas Wagner setzt gleich noch einen drauf: Mit dem "Kultursemesterticket Di-Mi-Do" kann man das Angebot von gleich acht Trierer Kultur-Institutionen wahrnehmen: Theater, Tufa, Kulturbüro, Europäische Kunstakademie, Landesmuseum, Stadtmuseum, Dom-Museum, Karl-Marx-Haus.

Die Regeln sind klar: Die Karten werden 20 Minuten vor Vorstellungsbeginn gratis ausgegeben, vorausgesetzt, das Event ist nicht ausverkauft. Nur das Theater brät sich eine Extrawurst: Für jedes Ticket wird ein (allerdings eher symbolischer) Eigenbeitrag von einem Euro fällig.

Damit man sich nicht auf gut Glück ins Theater, die Tufa oder in den Brunnenhof begeben muss, soll eine aktuelle Homepage die Besucher informieren, wenn eine Veranstaltung ausverkauft ist - was in Trier eher eine Ausnahme darstellen dürfte. Auf www.dimido.de erfährt ab Oktober auch, ob die Wunschveranstaltung zur Agenda des Kultursemestertickets gehört - oder ob es sich um Gastspiele und Vermietungen handelt, bei denen es natürlich keinen Rabatt gibt. Aber auch das sind Ausnahmen.

Dass die Kulturanbieter bereitwillig mitmachen (Wagner: "Wir haben offene Türen eingerannt"), liegt auch daran, dass das Studierendenwerk die Kosten für die Einnahmenausfälle übernimmt. Man hat sich auf eine pauschale Abgeltung verständigt, zumindest für das erste Versuchsjahr. 80.000 Euro stellt das Studierendenwerk dafür bereit, eine spätere Aufstockung ist denkbar - aber keinesfalls mehr als fünf Euro pro Student und Jahr, wie Andreas Wagner versichert.

Kultur als Lebensmittel

Das Studierendenwerk ist eine öffentlich-rechtliche Organisation, die sich um das geistige und körperliche Wohlergehen der Studenten kümmert - die die Einrichtung wiederum mit Pflichtbeiträgen finanzieren. Das Studierendenwerk betreibt Mensen und Wohnheime, bietet Beratung und Hilfe. Und in der Satzung ist auch die Förderung des kulturellen studentischen Lebens vorgesehen. "Wir sind dazu quasi gesetzlich verpflichtet", sagt Wagner augenzwinkernd.

Das freut besonders Kulturdezernent Thomas Egger, dem die Initiative ("Die war in Trier längst überfällig") wie eine Art vorgezogenes Weihnachtsgeschenk erscheinen muss. Denn die Abwesenheit der Studenten bei vielen Trierer Kulturangeboten macht den Veranstaltern schwer zu schaffen. Die Studis vom Campus fremdeln mit der einheimischen Kulturszene. Egger spricht von einer "Man bleibt gern unter sich-Mentalität", die man "mit diesem guten Angebot torpedieren" wolle.

Dabei setzt Egger nicht nur auf den Faktor Geld. Wichtig sei, "dass die KulturCard hilft, Hemmschwellen zu überwinden". Darauf hofft auch Andreas Wagner. Und wenn die Studenten einfach nur desinteressiert und nicht zu begeistern sind? "Dann", sagt Wagner, "werden wir es im Laufe des Testjahres erfahren."Meinung

Geld ist keine Ausrede mehr

Dieter Lintz

Was das Studierendenwerk da mal so eben - in dieser Breite bundesweit einmalig - auf die Beine gestellt hat, ist ein Glücksfall für Trier. Nicht nur wegen der Hoffnung auf steigende Besucherzahlen bei Theater, Tufa und Co. Sondern auch, weil das Di-Mi-Do-Ticket ein Einfallstor sein könnte, um mit den einheimischen Kulturangeboten stärker an die Studierenden heranzukommen. Publikumsnachwuchs können alle gebrauchen.
Aber das neue Angebot ist auch eine Herausforderung für die Studierenden selbst. Denn die ziehen sich oft darauf zurück, dass sie ja gerne viel öfter ins Theater, Konzert oder Museum gehen würden - wenn' s denn nicht so teuer wäre. Diese Ausrede verfängt ab dem kommenden Wintersemester definitiv nicht mehr.
d.lintz@volksfreund.de