Die Alleskönner aus Trier-Nord: 20 Bands rocken bei "Bunker bebt"-Festival

Trier · Keine Langeweile und nur wenige ruhige Minuten hat es beim "Bunker bebt"-Festival im Exhaus gegeben: Die jährliche Leistungsschau der Nutzer des Proberaumbunkers in Trier-Nord überzeugte mit erdigem Blues, witzigem Balkan-Pop und hochmodernen Elektro-Klängen.

 Party bei „Bunker bebt“: Die Fans halten mit den Bands mit. TV-Foto: Frank Göbel

Party bei „Bunker bebt“: Die Fans halten mit den Bands mit. TV-Foto: Frank Göbel

Bei langen Konzertabenden mit vielen Bands brechen unter den Protagonisten eher selten Faustkämpfe darum aus, wer als Erster auftreten darf: Denn der Großteil des Publikums steht dann noch zu Hause unter der Dusche oder sitzt in der Kneipe. Die, die da sind, warten erst mal ab, bis andere auch tanzen.

Bei "Bunker bebt" im Exhaus war das am Samstag alles ganz anders. Großes und kleines Exil sowie der Balkensaal waren nicht nur von Anfang an ordentlich gefüllt, das Publikum feierte auch vom Start weg mit den Musikern.

Auf 750 Besucher schätzte Martin Schümmelfeder vom hauseigenen Kulturbüro gegen Mitternacht den Zustrom - und freute sich nicht nur über das Interesse, sondern auch über die "tolle, absolut friedliche Atmosphäre mit keinerlei Zwischenfällen".

Warum sollte es die auch geben - verbreiteten die Musiker doch nichts als gute Laune in ihrer Lust zu zeigen, was sie das Jahr über im vom Exhaus verwalteten Proberaumbunker einstudiert haben: Sie bewiesen sich als Alleskönner, die vom klassisch-erdigen Blues (Steff Becker, Colors Of Blues) über Hardrock (Trinity), schön abgehangenen Reggae (Ganjamba) und abgeklärten Postrock (Grindeye) bis zu ultramodernem Elektrogeblitze (Surface Sky, My First Robot) alles auf der Pfanne haben.

Beeindruckende Soundwände bauten Indierocker wie Candy Apple Grey oder Herr Berlin auf. In letzterer Combo brachte Frontmann Jimi Berlin als Derwisch am Mikrofon sich selbst und die Menge im großen Exil derartig zum Glühen, dass er sich schließlich wünschte, er wäre ein "Eisbär": Das fantastisch verdreckte Cover des im Original recht minimalistischen Grauzone-Klassikers lieferte eine gute Überleitung zum Duo Anderland, das zwar einen Livedrummer dabeihatte, Drumcomputer und Samplern deswegen aber ebenso wenig eine Pause gönnte wie den Leuten vor der Bühne: Der Bolide mit Elektro-Rock-Hybridantrieb bretterte durchgehend auf der linken Spur daher, doch das Publikum hielt das Tempo.

Ivan Ivanovich und seine Kreml Krauts ersetzten dann die Wärme der Maschinen durch die Hitze einer wilden Balkan-Pop-Punk-Party, Synthies durch Blechbläser, hippe Shirts durch Feinripp: Ihre so verschwitzte wie verschmitzte Aneinanderreihung von Osteuropa-Klischees brachte die Menge endgültig zum Überkochen.
Mit diesem 21. Festival hat die Bunkergemeischaft nicht nur erneut einen Teil ihrer Miete erspielt, sondern bewiesen, wie facettenreich die Musik ist, die in der ehemaligen Weltkriegs-Trutzburg entsteht.

Weitere Fotos vom Festival auf
volksfreund.de/fotos

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