800 Zuschauer Die Amigos in Trier - Vom Eiffelturm über San Francisco nach Babylon

Trier · Die Amigos gehen bei ihrem Konzert in Trier mit 800 Besuchern auf Weltreise. Für zwei Gäste haben die Schlager-Brüder besondere Glückwünsche im Gepäck.

 Die Amigos: Karl-Heinz (links) und Bernd Ulrich bei ihrem Auftritt in der Trierer Europahalle.

Die Amigos: Karl-Heinz (links) und Bernd Ulrich bei ihrem Auftritt in der Trierer Europahalle.

Foto: Daniel John

„Das singende Reisebüro“ hat Entertainer Harald Schmidt die Flippers einmal genannt. Mittlerweile haben sich Die Amigos dasselbe Prädikat verdient. Die Lieder, mit denen die Brüder Bernd und Karl-Heinz Ulrich das Publikum in der Trierer Europahalle mit auf Weltreise nehmen, heißen zum Beispiel „Hoch auf dem Eiffelturm“, „San Francisco“, „Rio Grande“ oder „Die Legende von Babylon“. Doch während Bruce Low in seinem Boney-M.-Cover noch vom Turmbau zu Babel erzählte und Lena Valaitis ein menschliches Schicksal im Freiheitskampf am mexikanisch-amerikanischen Grenzfluss besang, stehen die Orte bei den Amigos nur noch als Symbole: Paris für die Stadt der Liebe, San Francisco für die Hippie-Bewegung, Babylon für die Wiege der Zivilisation. Deswegen rät Bernd Ulrich dem Publikum auch davon ab, in die gerade ins Weltkulturerbe aufgenommene Stadt im heutigen, nicht immer friedlichen Irak zu reisen. „Bleibt lieber im schönen Trier – oder fahrt nach Wasserbillig Kaffee holen!“

Alle Sehnsuchtsorte haben mit einer Frau zu tun, die wahlweise als Engel oder als Wunder bezeichnet, in jedem Fall aber fast mythisch überhöht wird. Engel und Wunder, Flammen und Feuer, Sterne und Mond, das sind die Begriffe, mit denen Die Amigos Bilder in den Köpfen und Herzen der Zuhörer erzeugen. Das ist gewiss nicht neu – aber muss es das denn immer sein? Erklärtes Ziel der Amigos ist es nämlich, den Menschen ein paar Stunden Auszeit vom Alltag zu ermöglichen – nicht mehr, aber vor allem auch nicht weniger. Dabei ist sich Bernd Ulrich angesichts so vieler zufriedener Gesichter im Saal sicher: „Alltagssorgen habt ihr ja gar nicht“. Als Hommage an die Flippers, mit denen die Amigos befreundet sind oder waren (Schlagzeuger Manfred Durban starb vor drei Jahren), gibt es später noch deren Lied „Mexiko“.

Eines der Markenzeichen der Amigos ist, dass sie nicht nur eine idealisierte heile Schlagerwelt besingen, sondern sich auch ernsten Themen wie Obdachlosigkeit oder Kindesmissbrauch widmen. Diesmal handeln einige Lieder von Trennung oder Tod. So zum Beispiel „Ein weißes Kreuz“, das am Straßenrand daran erinnert, dass hier ein kleines Mädchen seine Eltern bei einem Verkehrsunfall verloren hat. „Der Tod gehört zum Leben“, sagt Bernd Ulrich, und deswegen habe er auch in den Liedern der Amigos seinen Platz. Meist aber ist die Moderation kurz und kurzweilig gehalten, die Texte und Melodien sprechen für sich. Produzent Michael Dorth hat es in den letzten Jahren geschafft, den Sound der Amigos behutsam zu modernisieren. Aus der Zeit, als die beiden Brüder noch Brauer und Kraftfahrer waren und ihr Tonstudio in der eigenen Garage hatten, stammt beispielsweise noch der Titel „Elvis lebt in meinen Träumen“.

Mehrfach geht der Blick zurück in die Vergangenheit: „Da waren die meisten von Euch ja noch gar nicht geboren“, vermuten Die Amigos vor dem Lied vom „Sommer 65“. Das Gelächter, das durch den Saal geht, zeigt, dass die meisten Gäste im Publikum ebenso viele Jahre zählen wie Bernd (69) und Karl-Heinz (72) Ulrich. Oder sogar noch ein paar mehr. So wie Helga (79) und Helmut (84) Zock aus Trier-Ruwer. Im Sommer 65 waren die beiden nämlich schon fast sechs Jahre verheiratet. Kürzlich haben sie ihren 60. Hochzeitstag gefeiert, dazu gibt es von den Amigos nicht nur Glückwünsche, sondern obendrein noch das Lied „Zwei goldene Ringe“. Bei den Hit-Medleys zum Abschluss – als die Boxen noch einmal richtig aufgedreht werden und die Lichter immer heller strahlen und blitzen – klatscht und feiert das Publikum dann so ausgelassen mit, als wäre der Altersschnitt im Laufe des Abends um ein paar Jahrzehnte gesunken. Das könnte noch eine ganze Weile so weitergehen, aber einmal muss eben doch Schluss sein, denn – so die Amigos: „Wir müssen noch nach Wasserbillig, Kaffee holen.“ Aber sie werden wiederkommen. Spätestens zum 70. Hochzeitstag.

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