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Die Ausstellung „La Mode et la Mort“ in der Tufa

Ausstellung : Ausstellung in der Tufa: Über das enge Verhältnis von Mode und Tod

Eine Ausstellung der Hochschule Trier, die wegen der Pandemie erst jetzt gezeigt werden kann, setzt sich im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Tod, Sterben und Trauer in Kultur und Gesellschaft“ mit dem Thema Trauerkleidung auseinander.

Der Tod ist dieser Tage in aller Munde. Nicht allein wegen der Opfer der Pandemie. Kaum einen Monat ist es her, dass ein hochprominenter Trauerfall die Welt bewegte. Prinz Philip, der Ehemann der englischen Königin, war im hohen Alter von 99 Jahren gestorben. Was werden die Trauergäste zur Beerdigung tragen? Die Frage hielt nicht nur den Boulevard in Atem. Auch die gesamte Qualitätspresse war in Erregung und entspannte sich erst, als der Palast namens der Königin den Dresscode bekannt gab. Die Herren wurden um Zivilkleidung und Cut gebeten, die Damen um schlichte schwarze Kleidung.

Wie alle offiziellen Ereignisse unterliegen auch Tod und Trauer einer Kleiderordnung, die entsprechend ihrem Kulturkreis unterschiedlich ausfällt. Im Rahmen der Tufa Veranstaltungsreihe „Tod, Sterben und Trauer in Kultur und Gesellschaft“, einer Kooperation des Kulturzentrums mit dem Hospiz Verein Trier, beschäftigt sich dort auch eine Ausstellung mit dem Thema der Trauerkleidung. „La Mode et la Mort“ heißt die Schau, deren Ausstellungsstücke von einem Erstsemester des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Trier im Fach Modedesign unter Leitung der Diplom Designerin Elvira Kempf gestaltet wurden.

Der Titel erinnert an das gleichnamige Gedicht von Giacomo Leopardi, in dem sich die Mode als die Schwester des Todes vorstellt. „Unser Wesen und unsere Gewohnheit ist es, ständig die Welt zu erneuern“, wird die geschwisterliche Nähe begründet. Tatsächlich unterliegt die Mode und somit auch die Trauerkleidung stetem Wandel. So ist etwa die Farbe Schwarz als Trauerfarbe erst seit dem 19. Jahrhundert in Europa etabliert. Gewandelt hat sich auch der Zeitraum, in dem Trauerkleidung getragen wird. Aus Trauer um ihren Mann Prinz Albert soll Königin Victoria von England, die Ururgroßmutter der amtierenden Queen, noch zeitlebens ihre Trauerkleidung anbehalten haben, so wie ein paar Jahrhunderte vor ihr Kaiserin Maria Theresia. Bis vor nicht allzu langer Zeit galt es zudem als angemessen, dass Witwen ein Jahr lang Trauerkleidung zu tragen hatten. Als verbindlich gilt weiterhin, dass bei Beerdigungen und Trauerfeiern die Kleidung schwarz oder zumindest dunkel sein sollte, falls der Verstorbene nicht ausdrücklich etwas anderes gewünscht hat. Grundsätzlich gilt für die Trauer-Mode, was für alle Mode gilt: Sie ist Ausdruck von Persönlichkeit, individuellem Geschmack und Status. Auch die durchweg schwarzen Trauerkleider der Trierer Ausstellung zeichnet eine Vielfalt an Individualität aus. Sie erzählen von dem ganz unterschiedlichen Zugriff der 17 künftigen Modedesigner auf ihr Thema. „Ich war überrascht, wie positiv die Studierenden das Projekt aufgenommen haben“, berichtet Elvira Kempf. 

Allerdings beschränkte sich die Aufgabenstellung nicht auf Trauerkleidung generell. Auseinandersetzen sollten sich die Studierenden bei ihren Entwürfen überdies speziell mit der Faltentechnik. Eine Technik, die gleichermaßen in der Mode wie für die Papierskulpturen des Origami und nicht zuletzt in der Bildhauerei eine große Rolle spielt. Der Faltenwurf verleiht einem Stoff nicht nur Dynamik. „Falten stehen für die Höhen und Tiefen des Lebens, für Licht und Schatten“, sagt Kempf. In der Trierer Schau ist eine Vielfalt an interessanten gestalterischen Ideen zu erleben – vom feinen Plissee, über Faltungen, die an die japanische Papierkunst des Origami erinnern, bis zum großzügigen Wurf. Als Hinweis auf den Zusammenhang von Schlaf, Traum und Leben hat eine Studentin in ihr Kleid ein Zitat aus Shakespeares Drama „Der Sturm“ eingearbeitet. Ein anderes Kleid zieren arabische Schriftzeichen. Etwas weiter schmückt ein Kreuz das Oberteil eines Kleidungsstücks.

Ein wenig zu kurz kommt bei der ansonsten einfallsreichen Kleiderschau in einigen Fällen allerdings das soziale Ritual, dessen Teil die Trauerkleidung ist. Im Unterschied etwa zur festlichen Kleidung dient Trauer-Mode nicht der Selbstinszenierung. Stattdessen nimmt sie die Person der Träger zurück und ist einzig Ausdruck von Empathie. Respekt und Ehrerbietung gegenüber den Toten. Dafür stehen die hier gezeigten schicken kurzen Pumphosen, schulterfreien Oberteile und durchsichtigen Stoffe allerdings nicht. Sie wären dagegen bestens geeignet, ihren Trägerinnen zu einer eindrucksvollen Performance bei einer Party oder einem Disco Besuch zu verhelfen. Schnell kann sonst wahr werden, was Katja Eichinger in ihrem Buch „Mode und andere Neurosen“ der Kleidung neben anderen Funktionen attestiert. „Gleichzeitig ist sie ein soziales Ritual, das auch zur Aufregung führt, zu Ausschluss oder Einschluss“.

  In der Schau „La Mode et la Mort“  stellen Erstsemester  der Hochschule Trier im Fach Modedesign ihre gestalteten Kleider aus. Die Künstlerinnen (von links): Sophia Habscheid, Kim-Laura Breier und Paula Geserich.
In der Schau „La Mode et la Mort“  stellen Erstsemester der Hochschule Trier im Fach Modedesign ihre gestalteten Kleider aus. Die Künstlerinnen (von links): Sophia Habscheid, Kim-Laura Breier und Paula Geserich. Foto: Eva-Maria Reuther
 Kleid von Paula Geserich
Kleid von Paula Geserich Foto: Eva-Maria Reuther

Die Ausstellung ist bis 17. Juni geöffnet, dienstags, mittwochs und freitags: 14 bis 17 Uhr, donnerstags: 17 bis 20 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen: 11bis 17 Uhr. Zur Ausstellung gibt es eine Publikumsabstimmung über den gelungensten Entwurf. Für den Ausstellungsbesuch ist die Buchung eines vorherigen Termins über www.ticket-regional.de erforderlich.