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Die Bandbreite des Gesangs macht's

Die Bandbreite des Gesangs macht's

"Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder", heißt ein altes Sprichwort. In der Eifel wird es offensichtlich beherzigt. Rund 150 Chormitglieder sind alleine an der Prümer Basilika in drei Chören beheimatet.

Prüm. Von vielen Seiten wird immer wieder laut, Chöre hätten Nachwuchsprobleme. Im Auftaktartikel zu dieser Serie stellten die Dommusiker Stephan Rommelspacher und Thomas Kiefer sowie der Leiter des Trierer Konzertchores, Manfred May, ihre Konzepte der Nachwuchsförderung vor. Wie aber sieht es beispielsweise in der Eifel aus? In der Stadt Trier mit ihren 100 000 Einwohnern und den umliegenden Gemeinden kann man noch relativ komfortabel aus dem Vollen schöpfen. Eine Stadt wie Prüm aber hat gerade einmal knapp 6000 Einwohner.

"Nicht wirklich schlecht", sagt Christoph Schömig, Regionalkantor und Organist an der Salvator-Basilika, zur Situation. Er leitet insgesamt drei Chöre, die zusammen auf eine Mitgliederstärke von ungefähr 150 Sänger kommen. Da ist zunächst der Basilikachor, der die Gottesdienste im Prümer Gotteshaus gestaltet. Dazu wurde 2005 der junge Chor Con Spirito gegründet. Ein Ensemble, das seine Mitglieder eher in der jüngeren Generation sucht.

Während der Basilikachor sein Repertoire recht breit gestreut hat, spezialisiert sich Con Spirito auf Gospel, Spirituals, das neue Geistliche Lied oder auch auf größere Werke dieser Gattung wie das Jazz-Oratorium "Sacred Concert" von Duke Ellington, das dieses Jahr beim Rheinland-Pfalz-Tag in Prüm aufgeführt wird. Hinzu kommt der "Kammerchor Westeifel", ein Projektensemble, das Schömig 1997 gründete - ein Jahr, nachdem er nach Prüm kam.

"Der Kammerchor", sagt Schömig, "ist ein Projektchor. Die Mitglieder erarbeiten das Notenmaterial zu Hause. Die Proben sind dann musikalische Feinarbeit. Hier ist viel Engagement von Dirigent und Chor gefragt, dessen Mitglieder aus der ganzen Westeifel und darüber hinaus zu Proben und Konzerten anreisen. Da sie alle die große Leidenschaft für gute Chormusik verbindet, ist die Fluktuation der Mitglieder gering." Dank eines guten Zusammengehörigkeitsgefühls hat sich eine Chorkultur entwickelt, die das Klangideal Schömigs - eine Mischung aus skandinavischer Homogenität und mitteleuropäischer Expressivität - verfolgt. "Darin und in der stilistischen Bandbreite liegt sicher eines der Erfolgsgeheimnisse des Ensembles. In diesem Jahr stehen unter anderem Bachkantaten und das ,Gloria' von Poulenc auf dem Programm."

Dieses Profil strahlt weit in die Region aus. Schömig: "Etliche meiner Kammerchormitglieder, die nicht aus Prüm stammen, singen in ihren Heimatgemeinden in Chören mit. Sie haben aber das Bedürfnis nach mehr, als ihnen die normale Chorarbeit bieten kann. Diese Lücke kann der Kammerchor schließen."

Mit dieser breitgefächerten Palette hat Schömig offensichtlich einen erfolgreichen Weg eingeschlagen. Das Angebot in der Westeifel ist sehr reichhaltig und erreicht alle Altersschichten. Vom Jugendlichen bis zum Rentner sind sie in seinen Ensembles vertreten.

Dreiteilung schafft Angebot für Viele



Schömig: "Die Chorarbeit in unseren Kirchen kann nur dann Erfolg haben, wenn wir ein breites Angebot offerieren. Die Zeiten, wo es zum guten Ton gehörte, dass man Mitglied im Kirchenchor ist, sind vorbei. Die Dreiteilung hier in Prüm ist ein Angebot für viele, das eine Wechselwirkung hat: Es kommt durchaus vor, dass sich Mitglieder eines Chores, die zu Anfang eigentlich nur in einem Chor mitsingen wollten, doch entscheiden, auch in einem anderen mitzumachen."

Extra

Die Chöre in Kürze: Der Basilikachor: 47 Mitglieder, Proben sind an jedem Donnerstag von 20 bis 22 Uhr im Pfarrheim St. Salvator in Prüm. Con Spirito: gegründet 2005 als Gospel- und Spiritualchor, 55 Mitglieder, Proben sind dienstags von 19.30 bis 20.15 Uhr (Männerstimmen) und anschließend bis 21.45 Uhr als Gesamtprobe. Kammerchor Westeifel: 1997 gegründet als Projektchor, 48 Mitglieder, die Proben finden projektbezogen nach Absprache oft als Probenwochenenden statt. Von den Mitgliedern werden Notenkenntnisse erwartet. Kontakt für alle drei Chöre über Regionalkantor Christoph Schömig: Telefon 06551/7447, E-Mail: christoph.schoemig@t-online.de