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Die CD von Laila Biali: "Out of Dust" - Rezension von Jörg Lehn

Neue CD : Silberstreif am Horizont

Out of Dust“ – diese Worte, die sie aus einem Song der indischen Band Gangor übernommen hat, sollen mehr Lebensmut und Zuversicht verbreiten, sagt die Kanadierin Laila Biali zum Titel ihres zweiten Albums beim deutschen Jazzlabel ACT.

Und diese neue Lust am Leben – die wir alle in diesen schwierigen Zeiten sehr gut gebrauchen können – hat auch Laila  (geboren 1980) mit diesem Werk zurückzugewinnen versucht, da sie in der jüngeren Vergangenheit harte Schicksalsschläge zu verarbeiten hatte.

Mehrere Todesfälle im Familien- und Freundeskreis sowie eine eigene schwerwiegende Krankheit versucht Laila Biali mit ihrer Mischung aus Jazz, Soul, Pop, Blues und auch Latin hinter sich zu lassen: „Das Album entstand in einer ziemlich traurigen Zeit. Aber ich neige dazu, an den Silberstreifen am Horizont zu glauben. Deshalb habe ich in diese Songs auch eine Art Hoffnungsfaden eingewebt“, sagt sie zum Entstehen der CD.

Insgesamt elf Songs – bei einer Spielzeit von mehr als 51 Minuten – finden sich auf dem rundum beeindruckenden Album. Darunter ist lediglich eine Coverversion anzutreffen, und zwar Gregory Porters „Take Me To The Alley“ (8) aus dem Jahr 2016. Hier wie auch auf der gesamten CD besticht Bialis beindruckende Gesangstechnik. Ihr vibrierendes Timbre, ihre klare Stimme. Damit einher geht ihr virtuoses Pianospiel.

Ihre Kreativität, die sie bei einem mehrjährigen Aufenthalt in New York gewonnen hat, wird sofort beim Einsteiger „Revival“ (1) deutlich, einer packenden Soul-Nummer. Dies „Wiedererwachen“ ist der rund um die Erde wiederkehrende Mut, für die Natur auf die Straße zu gehen, zu demonstrieren. Die persönliche Botschaft Bialis weitet sich aus zu einer politischen.

Diese gezeigte Leidenschaft manifestiert sich auch in den ruhigeren, langsameren Titeln des Albums. So etwa bei dem auf einen Selbstmord zurückgehenden „Glass House“ (3) oder auch in „Wendy‘s Song“  (4), der an eine Freundin erinnert, die einem Krebsleiden erlag.

Eine besonders interessante, mutmachende Geschichte aus der Metropole New York verbirgt sich hinter dem Song „Monolith“ (2): Lailas Kusine Gwyneth ist Malerin und hat ihr Atelier in New York. Eines Tages wird ihr ein Hochhaus vor ihr Fenster gesetzt, und Gwyneth ist zunächst natürlich geschockt. Aber dann setzt sich ihre künstlerische Ader durch – sie verfolgt das Wachsen des „Monolith“ als Malerin und fertigt Gemälde von den einzelnen Bauphasen an: So erschafft Gwyneth eine umfangreiche Bilderserie. Aus Hässlichem entsteht Schönes.

Doch auch Humor beweist Laila, so etwa im Slow Funk „Sugar“ (5). „Ich bin total zuckersüchtig. In einer Selbsthilfegruppe scheiterte ich kläglich. Einmal las ich dann ein Gedicht, das nur von Zucker handelte. Es regte mich zu diesem Lied an.“

Die meisten Stücke hat die oft extravagant gekleidete Biali gemeinsam mit ihrem Mann und Schlagzeuger Ben Wittman geschrieben. Zu ihrem eigentlichen Trio kommen noch ein Streichquartett, Backgroundsänger und sich abwechselnde Grammy-Nominierte sowie -Preisträger aus der New Yorker Jazzszene dazu. Glanzlichter setzt immer wieder Sopransaxofonist Godwin Louis. Anspieltipp: das langsame Chanson „Au pays de Cocagne“  (7) mit sehr einfühlsamem Gesang.

Insgesamt ein sehr gelungenes Album von Laila Biali, die vor allem mit ihrer Stimme zu überzeugen weiß. Sie setzt die Tradition großer kanadischer Folk- und Jazz-Interpreten sowie -Songwriter wie Joni Mitchell, Diana Krall oder Michael Bublé fort. Jörg Lehn

Laila Biali: Out of Dust, ACT Music & Visions, ACT 9050-2, München 2020.















Die Tournee 2020 mit mehreren Konzerten auch in Deutschland ist wegen der Corona-Pandemie abgesagt.