Die Damen unter sich

Bitburg · Wenn Kerstin Gier aus ihren Frauenromanen liest, finden sich im Publikum kaum männliche Zuhörer. Wer Frau oder Freundin trotzdem nach Bitburg begleitete, wurde knapp zwei Stunden lang mit amüsanten Buchauszügen und witzigen Anekdoten belohnt.

 Kerstin Gier las in Bitburg aus ihrem Buch „In Wahrheit wird viel mehr gelogen“. TV-Foto: Jens Klein

Kerstin Gier las in Bitburg aus ihrem Buch „In Wahrheit wird viel mehr gelogen“. TV-Foto: Jens Klein

Lässt sich das Schicksal einer jungen Witwe, die den Verlust ihres Mannes verkraften und sich mit Erbstreitigkeiten herumschlagen muss, zu einer Komödie verarbeiten? Wenn die Autorin Kerstin Gier heißt, scheint es zu funktionieren. Denn die Protagonistin der Geschichte, Carolin, spielt virtuos Mandoline, spricht sechs Fremdsprachen und hat diverse andere ungewöhnliche Fähigkeiten - wie das bei Hochbegabten eben so ist. Besonders pikant wird der Roman dadurch, dass Carolins verstorbener Ehemann gleichzeitig der Vater ihres Exfreundes ist. Dass es nach dessen Tod beinahe zwangsläufig zu Streit kommen muss, erklärt sich damit von selbst.

Auch wenn die Lektüre ihres Romans unterhaltsam genug sein könnte, hatte Kerstin Giers Besuch in Bitburg mit einer trockenen Lesung wenig zu tun. Ihr Buch "In Wahrheit wird viel mehr gelogen" bildete eigentlich bloß die Klammer der Veranstaltung, zu der die Buchhandlung Logos ins Simonbräu eingeladen hatte.

Immer wieder unterbrach die Blondine ihre Lesung und brachte die rund 80 Zuhörer zum Lachen, indem sie Kinder oder Betrunkene imitierte und kleine Anekdoten aus ihrem Privatleben erzählte. Außerdem erläuterte Gier die Hintergründe einiger Textstellen. So basiert etwa das letzte Telefonat zwischen Carolin und ihrem kurz darauf an einem Herzinfarkt gestorbenen Mann Karl auf dem Gespräch einer Mitarbeiterin ihres Verlags mit einer Kollegin. Während einer Zugfahrt habe sie ein Passwort diktieren wollen, das aus den Anfangsbuchstaben eines Karnevalslieds bestand. Weil die Kollegin am Telefon offenbar nichts verstand, wurde der ganze Waggon mit dem Lied beschallt. "So Erlebnisse muss man einfach verarbeiten", erzählte Gier.

Im wahren Leben hat es die Autorin dagegen nicht leicht: Sie lebe ziemlich isoliert auf dem Land und habe als Schriftstellerin ein schweres Schicksal, erklärte sie augenzwinkernd. "Und in letzter Zeit ertappe ich mich dabei, dass ich bei den Lesungen abends immer Dinge erzähle, die ich mal wieder loswerden wollte. Sie müssen mir das verzeihen." Das Publikum zeigte sich gnädig und dankte ihr die Offenheit mit viel Applaus und reichlich Autogrammwünschen.

Extra

Die Autorin: Kerstin Gier, Jahrgang 1966, ist Diplom-Pädagogin und veröffentliche 1996 ihren ersten Frauenroman "Männer und andere Katastrophen". Danach erschienen zahlreiche weitere Bücher, 2009 der Frauenroman "In Wahrheit wird viel mehr gelogen". Für Furore sorgte auch ihre Fantasy-Trilogie Rubinrot, Saphirblau und Smaragdgrün (erscheint im Dezember). Insgesamt gingen mehr als 2,5 Millionen Exemplare ihrer Romane über die Ladentheke. (jk)

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