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Kultur
Sie beflügelt kulturell

Tiere standen im Mittelpunkt der Ausstellung, die bis Anfang Dezember im Haus Beda zu sehen war.
Tiere standen im Mittelpunkt der Ausstellung, die bis Anfang Dezember im Haus Beda zu sehen war. FOTO: TV / Dagmar Schommer
Bitburg. Die Dr.-Hanns-Simon-Stiftung in Bitburg wird 50 Jahre alt.

Sie ist längst eine tragende Säule im kulturellen Leben der Region. Seit einem halben Jahrhundert fördert die Dr.-Hanns-Simon-Stiftung Kulturprojekte. Am Wochenende feiert die gemeinnützige Stiftung ihren 50. Geburtstag. Auch wenn sich ihre Aktivitäten auf Bitburg konzentrieren, reicht die Strahlkraft der Stiftung doch weit über die Eifelstadt hinaus. Nicht nur, dass auch der Eifelkreis Bitburg-Prüm profitiert. Ihre 17 Musik-und Gesangsstipendiaten machen die Stadt über die Region hinaus bekannt.

Im stiftungseigenen Kulturzentrum Haus Beda treffen sich regelmäßig internationale Künstler, deren Gastspiele und Auftritte der Region Fenster öffnen, Bitburg als Kulturstadt ausweisen und Besucher von weither anziehen.

Die Unterstützung von Kunst, Kultur, Heimatpflege und Heimatkunde hatte der Stifter als Stiftungszweck bestimmt –  zur Förderung des Gemeinwohls. Dass dieses auch von der Qualität der Kulturgesellschaft abhängt, hat Hanns Simon beizeiten erkannt. Bereits 1948 hatte der Brauereibesitzer in seiner Heimatstadt eine Kulturgemeinschaft gegründet, die bis heute als Verein aktiv ist. Dabei beließ er es nicht. Zwei Jahrzehnte später, zu seinem 60.Geburtstag 1968,  errichtete  der promovierte Chemiker die nach ihm benannte Stiftung. Er habe sich damit einen Jugendtraum erfüllt, wird er zitiert. Aber nicht nur das. Der 1908 in Bitburg  geborene Sohn des Brauereibesitzers Bertrand Simon war sich auch  seiner gesellschaftlichen Verantwortung als Unternehmer bewusst. Er hoffe, dass seine Stiftung einen kleinen Beitrag „zur moralischen Aufbesserung, zu Heiterkeit, Frohsinn, Sonne, vielleicht auch etwas Liebe in unserer Stadt“ leisten könne, schrieb der kunstsinnige Stifter, der bis zu seinem Tod 1989 seiner Heimatstadt tief verbunden blieb, die ihn mit der Ehrenbürgerwürde auszeichnete.

Um das Vermögen der Stiftung zu sichern, übertrug Simon ihr einen Teil seiner Brauerei-Anteile im Wert von einer Million DM. Damit war sie unabhängig von schwankenden Zinsen und profitierte als (nicht stimmberechtigte) Gesellschafterin von den Dividenden. Eine hellsichtige Entscheidung angesichts der aktuellen Null-Prozent-Zinspolitik. Stolze 15 Millionen Euro hat die Stiftung in den letzten 15  Jahren in Kulturprojekte investiert. Dabei ließ sie sich stets vom „Wir-Gedanken“ des Stifters leiten. „Uns geht es darum, die ganze Vielfalt der Kultur hier zu fördern und alle Bevölkerungsgruppen einzubeziehen“, erklärt Michael Dietzsch. Der promovierte Volkswirt und langjährige Vorstand der Brauerei ist seit 1995 Vorsitzender des Stiftungsrats. Unterstützt wird der Satzung gemäß die ganze kulturelle Palette vom anspruchsvollen Bildungsprojekt, literarischen  Ereignis und  klassischen Konzert  bis zu Musikvereinen, Chören und Volkstanzgruppen. Nicht zu vergessen das Engagement bei der Gestaltung des öffentlichen Raums. „Es macht besondere Freude, mit unserer Hilfe kulturelle Projekte zu ermöglichen, die sonst nicht realisierbar wären“, sagt Geschäftsführer Norbert Golumbeck. Das 1976 errichtete Haus Beda mit der städtischen Bibliothek in der Trägerschaft der Stiftung  ist ihr Herzstück und sichtbares Zeichen. Längst haben es die Bitburger als ihre „gute Stube“ in Besitz genommen. Das Haus beherbergt  im 2008 neu gestalteten gleichnamigen Museum eine prominente Sammlung von 80 Werken des Eifel-Malers Fritz von Wille, zudem eine wertvolle Skulpturensammlung. Im prächtigen Konzertsaal treffen sich internationale Solisten und Ensembles.

Mit einem Aufwand von rund 300 000 Euro wurde im Erdgeschoss die Neue Galerie eingerichtet, die Werke der internationalen zeitgenössischen wie traditionellen Kunst zeigt. Zu Vorträgen, Übungsstunden, Volkshochschul- oder  Ballettkursen treffen sich Bitburger aller Altersklassen und Interessen im Haus am Bedaplatz oder besuchen seine Bibliothek mit ihren etwa 50 000 Medien, wie Diplom-Bibliothekar Manfred Kottmann berichtet, der Leiter des Kulturzentrums.

Ein Ort der Begegnung ist der 2012 neu gestaltete Garten mit seinem Skulpturenschmuck, in dem im Sommer Jazzkonzerte und Freilichttheater präsentiert werden. Die Stiftung finanzierte neben anderen eine Sandstein-Skulptur des Bildhauers Roger Delleré am Rathaus und förderte 2003 ein internationales Bildhauersymposion.

Eine Schenkung der Stiftung  an Bitburg war 2016 das Bronze-Stadtmodell des Bildhauers Egbert Broerken, bei dem auch Blinde  mit Hilfe ihrer Fingerkuppen durch die Stadt spazieren können. Einen besonderen Gast konnte die Stiftung 2011 bei der Verleihung ihres 5. Kulturpreises an den Regionalhistoriker Peter Neu mit Herzog Leopold von Arbenberg begrüßen. Ein weiterer Höhepunkt war die Ausstellung des vom Aufenthalt im Konzentrationslager Mauthausen geprägten Luxemburger Malers Edmond Goergen.

Dankbarkeit gegenüber seinem Schicksal und seiner Heimat hatte Hanns Simon als Motiv für  die Errichtung seiner Stiftung angegeben. Die wirkt bis heute nach. So hat  die Stiftung  anlässlich des 200-jährigen Gründungsjubiläums der Bitburger Braugruppe der Stadt und dem Eifelkreis 2017 je 250 000 Euro für herausragende gemeinnützige Projekte zur Verfügung gestellt. Die enge Bindung an die Stadt und ihr kulturelles Leben stellt sich auch in der Zusammensetzung des Stiftungsrates dar, dem neben dem Bürgermeister und einem Stadtrat auch ein Mitglied der örtlichen Kulturgemeinschaft angehören.

Die Förderung der Kultur ist dem Stiftungsvorsitzenden wie seinen Kollegen in der Geschäftsführung und im Stiftungsrat, die allesamt ehrenamtlich arbeiten, eine Herzensangelegenheit. „Schon als Schüler und Student war mir klar, dass man etwas von seinem Lebenserfolg an die Gesellschaft zurückgeben muss“, erklärt Dietzsch.

Veranstaltungen zum Jubiläum im Haus Beda: 23. Februar, Konzert der Stipendiaten der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung. 24. Februar bis 23. Juni, Skulpturenausstellung Gips, Bronze, Kunst.