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Die eiserne Lady und jede Menge Bass

Die eiserne Lady und jede Menge Bass

Mehr Bass, mehr Licht, mehr Farbe "uff der Hütt": Im saarländischen Völklingen feierten 10 000 Zuschauer das zum dritten Mal ausgetragene Electro-Magnetic-Festival mit 40 Techno- und House-DJs.

Völklingen. Es gibt Mittelstädte in Deutschland, die haben so überhaupt nichts, was sie sich stolz auf den Briefkopf schreiben könnten. Städte, die noch nicht einmal Goethe gestreift hat auf dem langen Weg von A nach B. Völklingen ist anders. Die alte eiserne Lady des Saarlands galt mal als reichste Stadt weit und breit. Als Stadt ohne Himmel, gefangen im Staub, den das gigantische Eisenwerk ausspuckte. Jede Stunde eine Tonne, bis zur Schließung 1986. Jeder Eimer Außenfarbe? Eine Verschwendung! Heute bescheinigen manche der Stadt noch den weniger Briefkopf-geeigneten Superlativ "hässlichste Fußgängerzone Deutschlands". Aber die Hütte reißt\'s raus, sie macht Völklingen auch 2014 noch zu etwas Besonderem.
Kulturerbe wie die Pyramiden


Bei der Schließung hätten sich die Propheten viele Lacher verdient: Etwa mit der Voraussagung, dass die alte, nutzlos gewordene "Hütt" noch vor dem Kölner Dom Unesco-Welterbe wird (1994) und sie damit auf gleicher Stufe mit den Pyramiden in Ägypten oder den Angkor-Tempelanlagen in Kambodscha steht. Dass sie nicht nur als Filmkulisse herhalten und sich für Ausstellungen etablieren wird, sondern auch Heimat wird für ein ambitioniertes Electro-Festival. Auch wenn man sich darunter 1986 wenig vorstellen konnte.
Am Samstag und Sonntagmorgen ging die dritte Auflage des Electro Magnetic über die Bühnen. Mit 40 DJs - an der Spitze Szenegrößen wie Fritz Kalkbrenner, Marek Hemmann, Oliver Koletzki oder Moguai - auf fünf Floors, bei denen schon die Namen zeigen, dass der Bass durch reichlich Industriehistorie rummst: Die Hauptbühne am Erzplatz macht mit Lasershow, zwischenzeitlichem Konfettiregen und Feuerwerksraketen optisch am meisten her. Aber auch am Roheisenkanal (unter anderem mit dem Trierer DJ Oliver Neufang), dem Schrottgleis, der Handwerkergasse und unter dem Schrägaufzug wurde liebevoll dekoriert und bis in den frühen Sonntagmorgen getanzt - umgeben von Hochöfen und Winderhitzern. Erst nach 4 Uhr leerte es sich auf dem Gelände, was aber wohl weniger am heftigen Regen lag, sondern eher daran, dass das Programm auf der Hauptbühne nach dem Set von Kalkbrenner beendet war. Der Magnet wird zur Tradition. Schon die erste Auflage wurde als "bestes neues Musikfestival" geadelt. In diesem Jahr lief\'s noch runder als im Vorjahr: Trotz ausverkaufter Hütte gab es kaum Gedränge auf den Wegen. Das Gelände ist groß, ein gigantischer Abenteuer-Spielplatz. Und nur wer mit dem ersten Zug zurück nach Trier fährt, muss aufpassen, dass ihm kein müder 18-Jähriger vor die Füße kotzt. Aber dafür kann ja der Veranstalter nichts.