Die Frauen und die Ironie

Die Frauen und die Ironie

Ironie, man weiß es, ist eine heikle Sache. Selbst, wer sie versteht, will sie oft nicht verstehen, um den Ironiker in die Bredouille zu bringen - warum auch immer.

Da macht Andrea Nahles mal auf Trump und verspricht als frischgebackene SPD-Fraktionschefin der Opposition "eins auf die Fresse" - und die Medien heulen auf. Dass die Frau das nicht halb so ernst gemeint hat wie der amerikanische Berserker, wenn der seinen Mund aufmacht, um irgendeinen Schwachsinn heraustropfen zu lassen, war eigentlich unverkennbar. Gut, Frau Nahles hat eine robuste Aussage getätigt, und das passt ja auch zu ihr - irgendwie. Schließlich hat sie in den letzten Jahren auch erfolgreich robuste Politik gemacht. Von "Hinterhof-Jargon" ist die Rede, von der "Verrohung der Sitten" und vom "Tiefpunkt in der SPD" - meine Güte, Leute, nun macht mal halblang! Da reißt eine Frau, die ihren Grips durchaus beisammen hat, was man beileibe nicht von allen Politikern sagen kann, einen Witz. Und ganz Deutschland sitzt auf dem Sofa und nimmt übel. Derweil tun die Berufspolitiker so, als würden sie einander ausnahmslos mit Samthandschuhen anfassen und miteinander kuscheln, wenn sie beisammen sind. Glaubt doch kein Mensch! Bleiben wir bei den Frauen: Barbara Bestor, Regine Leibinger, Alison Brooks, Dagmar Richter, Regina Dahmen-Ingenhoven - was haben diese Frauen gemeinsam? Keine Ahnung? Kein Wunder! Neuer Versuch: Le Corbusier, Frank Lloyd Wright, Norman Foster, Oscar Niemeyer, Egon Eiermann, Hans Scharoun - kennt man, nicht wahr? Allesamt Architekten, weltberühmte zumal. Sechs von insgesamt mehr als 50, die in einer Bilderleiste erscheinen, wenn man eine Liste im Internet abruft. Und was fällt dabei auf? Richtig, sie sind alle männlich. Übrigens: Die eingangs genannten Damen sind ebenfalls Architektinnen. Aber von ihnen taucht keine einzige in der Liste auf, die man im Internet aufruft, wenn man sich über namhafte Bauherrinnen informieren möchte - abgesehen von einer einzigen Frau, immerhin: Zaha Hadid, ausgerechnet eine aus dem Irak stammende Architektin, denn das Land ist nicht gerade für seine emanzipatorischen Bemühungen berühmt. Ihre Gebäude stehen in aller Welt: von Hongkong über Peking und Wien bis nach Wolfsburg, wo sie das Wissenschaftszentrum phæno entworfen hat. Was sagt uns das? Frauen, die bauen, sind in der Minderheit. Laut einer aktuellen Meldung liegt der Anteil der Studentinnen im Fach Architektur an Deutschlands Hochschulen inzwischen zwar bei mehr als 50 Prozent. Doch immer noch gründen nur wenige Frauen eigene Büros oder machen sich einen großen Namen. Im Frankfurter Deutschen Architekturmuseum haben vom 30. September bis 8. März nun die Bauherrinnen den Zirkel in der Hand. Und das ganz ohne ironische Hintergedanken! no/dpa Unterm Strich - Die Kulturwoche