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"Die frechste Sitzung"

"Die frechste Sitzung"

Die Chansonsängerin Annika von Trier hat beim vierten Konzert der Kulturellen Tage Wawern einen frechen Mix aus besinnlichen und humorvollen Melodien geboten.

Wawern. Ein bisschen frech, ein wenig kess, aber auch nachdenklich und besinnlich: Die Sängerin Annika von Trier zeigt sich vor 50 Zuschauern in der Synagoge in Wawern mit ihrem Programm "Gerade jetzt" äußerst vielseitig.
Zu den Melodien, die sie auf ihrem grünen Akkordeon anstimmt, singt sie Chansons, die zumeist aus ihrer eigenen Feder stammen. Immer wieder baut Annika von Trier kleine Details in ihr Programm ein. Mal verweist sie auf eine Minibüste von Karl Marx oder setzt eine Miniatur des Berliner Fernsehturms auf ihr Akkordeon, dann sind es eine kleine Pfeife oder ein Glockenspiel, mit denen sie ihre Chansons würzt. Diese handeln oft vom Leben in ihrer Wahlheimat Berlin, wo die gebürtige Triererin seit 20 Jahren lebt. Bei den Stücken von Annika von Trier ist man vor Überraschungen nie gefeit. Mal ist es ein bewusst schräg oder ein in dem Moment unerwartet laut gespielter Ton auf dem Akkordeon, dann durchsetzt die Sängerin ihre Stücke mit kessen Sprüchen oder beendet ihre Chansons mit einem lauten Ruf.
Besinnliche Momente setzt die Chansonsängerin auch, wenn sie mit einem Augenzwinkern Joseph Beuys mit seiner Anleitung zum guten Leben zitiert oder mit "Der Moment" in der ehemaligen Wawerner Synagoge den Opfern des Holocaust ein Lied widmet.
Melodien von Kinderliedern setzt sie kunstvoll im eigenen Stil fort, und mit ihren schauspielerischen Einlagen trifft sie den Nerv der Zuschauer, wenn sie diese mit Schmetterlingsnamen von Admiral bis Prachtmotte tituliert oder eine Melodie mit einem schelmischen Augenzwinkern so lange wiederholt, bis in der ersten Reihe ein Zuschauer endlich aufsteht und sie auf die Wange küsst.
"Das ist die frechste Sitzung unserer Kulturellen Tage", sagt Hans Greis vom Förderverein ehemalige Synagoge in Wawern. cst