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Die graue Eminenz des deutschen Films - Begegnung mit einer Legende

Die graue Eminenz des deutschen Films - Begegnung mit einer Legende

Mario Adorf war bereits mehrmals beim Eifel Literaturfestival als Gastleser. Josef Zierden aus Prüm, der Macher de s Festivals, erinnert sich an seine erste Begegnung mit dem Schauspieler. Er ist so etwas wie die graue Eminenz des deutschen Films: Mario Adorf hat mehr als 120 Film- und Fernsehrollen gespielt und ist einer der wenigen von der deutschen Filmbranche hervorgebrachten Weltstars. Mit jetzt 80 Jahren sagt er aber: "Die Show muss mal zu Ende sein."

Mayen, 9. September 2001. Mit dem PKW schlängele ich mich dem Parkhotel in Mayen entgegen. Es liegt tief im Wald, parkähnlich umrahmt. Wo sich sonst die Motorsportszene vom nahen Nürburgring trifft, wartet Mario Adorf auf mich. Tags zuvor, an seinem 71. Geburtstag, hat man ihm die Ehrenbürgerschaft verliehen. Mehr als 600 Mayener hatten auf dem Marktplatz mit ihm gefeiert. Sogar Gotthilf Fischer war herbeigeeilt, um ein vielstimmiges "Happy Birthday" zu dirigieren. Dieses September-Wochenende hatte ich schon viele Monat vorher im Auge.

Wann, wenn nicht jetzt sollte man den Weltstar aus der Eifel für das Festival gewinnen.

Und es klappte. Adorfs Okay folgte schon bald die Bitte, ihn in Mayen abzuholen. Letzte Hektik in Speisesaal und Küche, Abschiedsszenen tönen herüber. Und wenig später fahre ich mit Adorf durch das Mayener Land, vorbei an düsteren Natursteinhäusern aus Basalt. Rede mit ihm über seine Kindheit und Jugend in der Eifel. Als seine Mutter sich als Näherin durchschlagen musste. Als er im Waisenhaus aufwuchs. Als er das Basaltgrubenfeld erkundete, "die Ley".

Die Genovevaburg, der schiefe Kirchturm, der erste Kuss, Nazizeit und 2.Weltkrieg: auf gemächlicher Fahrt durch das Mayener Land wird alles lebendig, wovon Adorf im "Mäusetöter" erzählt. Auf immer neuen Umwegen durch die Eifel zu schweifen, vom Nürburgring über Monreal und die Vulkaneifel bis in die Südeifel: das ist Adorf an diesem Sonntag wichtig. Immer wieder nickt er ein

Unvergesslich, wie die Fußgänger am Stausee Biersdorf erstarrten, als vor ihnen der Weltstar aus dem Auto stieg. "Ein begnadeter Erzähler: Mario Adorf begeistert in Bitburg" titelte der Trierische Volksfreund nach Adorfs Lesung in Haus Beda. Das Publikum hatte sogar ein "Happy Birthday" angestimmt.

Mit Adorf begann 2001 die "neue Dimension" des Festivals. 2004 startete das Festival sogar mit Adorf, in der Europahalle in Trier. Da erhielt er den Eifel-Literatur-Preis für sein Erzählwerk. Adorf noch einmal beim Festival? In Mayen ist das ein starker Wunsch - und für 2012 sogar schon ins Auge gefasst.Josef Zierden