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Die Heilig-Rock-Wallfahrt ins Bild gesetzt

In ihrer Serie „Gesichter des Glaubens“ zeigt Sandra Boulanger Pilger in dem Moment, in dem sie den Heiligen Rock erblicken. Foto: Sandra Boulanger
In ihrer Serie „Gesichter des Glaubens“ zeigt Sandra Boulanger Pilger in dem Moment, in dem sie den Heiligen Rock erblicken. Foto: Sandra Boulanger
Trier. Das Trierer Museum am Dom ist einmal mehr zum Gewandhaus geworden. Dort wird bildkünstlerisch auf den Heiligen Rock und die zugehörige Wallfahrt zurückgeblickt und die Bedeutung des menschlichen Gewandes mal mehr, mal weniger eindrücklich erörtert. Eva-Maria Reuther

Trier. Was bleibt vom Gewand? Mit einer Ausstellung zeitgenössischer Kunst blickt das Dommuseum auf die Heilig-Rock-Wallfahrt im vergangenen Jahr zurück. Die bildkünstlerische Nachlese ist ein Mix aus Kunstwerken, die bereits zur Wallfahrt in verschiedenen Ausstellungen gezeigt wurden, und anderen Arbeiten. Über die Reliquie hinaus thematisieren sie die Wallfahrt sowie die Frage nach der Bedeutung des Gewandes im menschlichen Leben.
Gut ein Dutzend Positionen zeigt die Ausstellung "500+1. Das Gewand als Motiv in der zeitgenössischen Kunst". Im Zen trum steht Sandra Boulangers großformatige, wandfüllende Serie "Gesichter des Glaubens". Die Fotoarbeiten der zur Heilig-Rock Wallfahrt eingeladenen bolivianischen Künstlerin sind gleichermaßen Schaubilder wie eindrucksvolle poetische Erzählungen von der christlichen Glaubenswirklichkeit. Wie in einem traditionellen Kirchenfenster hat die Südamerikanerin die Teile ihrer Arbeit an der Seitenwand des Museumsfoyers gefasst. Statt biblischer Erzählungen oder christlicher Farbsymbolik füllen hier Szenen aus der Feier der Liturgie die "Fensteröffnungen". Eindringlicher noch in ihrer Bildhaftigkeit sind Boulangers Fotos der Menschenschlange, die auf die Begegnung mit der Reliquie wartet. Geradezu altmeisterlich wirken die Bilder in ihrer Beleuchtung. Mittels Lichtführung greift Boulanger aus der anonymen Menschenmenge Gesichter heraus und setzt sie gemäß dem Bibelwort "Ecce homo - Siehe, der Mensch" gleichsam ins Licht.
Zu den stärksten Arbeiten gehört Jiri Keuthens "Malerhemd", das eindrücklich vom existenziellen Ringen des Künstlers ums rechte Bild erzählt. Auch Francesca Cataldis gläsernes Gewand-Mobile im Wechselraum ist ein treffendes Sinnbild für die fragile, flüchtige Existenz des Menschens. Allerdings wäre das Werk im luftigen Foyer besser aufgehoben.
Im Vorfeld der Wallfahrt hatte der Schreibroboter der Gruppe robotlab über mehrere Wochen in einem Schaukasten vor dem Dom Bibeltexte in gotischer Schrift abgeschrieben. Was er zu Papier gebracht hat, liegt in der Ausstellung vor. Trotz rosa Einband, der mit Daten des Programms illustriert ist, dem der Automat seine Fähigkeiten verdankt, bleibt die Aktion ein vordergründiges - wenn auch publikumswirksames - Spektakel. Wenn schon Bibelkopie per Automat sein soll, wäre ein zeitgenössischer Schrifttyp viel bildstärker gewesen als nostalgische Gotik.
Eine Dokumentation, die nur annähernd die Wirkung des Originals wiedergibt, sind auch Katarina Veldhues\' und Gottfried Schumachers Fotos ihrer Lichtinstallation am Dom. Das Thema Gewand beschäftigt seit jeher die Wienerin Lena Knilli. In der Trie rer Schau hat sie die Rundungen von Kirchengrundrissen mit den Oberteilen weiblicher Kleidungsstücke kombiniert - ein formal eher schlichtes Konzept. Trotz einiger weniger überzeugender Beiträge: Sehenswert ist die Schau allemal.
Die Ausstellung ist bis 13. Oktober zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis samstags 9 bis 17 Uhr, sonntags und an Feiertagen: 13 bis 17 Uhr, Kontakt: Telefon 0651/7105255, www.museum-am-dom-trier.de
Extra

Alle im Museum gezeigten 45 Aufnahmen der Fotografin Sandra Boulanger sind als Fotoband erschienen. Das Buch wird im Museum am Dom zusammen mit dem Ausstellungskatalog zum Sonderpreis angeboten, aber auch einzeln. red