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Die Illusion: Lennon in Luxemburg

Die Illusion: Lennon in Luxemburg

Willkommen in den 1960ern: Seit fast drei Jahrzehnten pflegen die Bootleg Beatles die Erinnerung an die legendären vier aus Liver pool. Die britische Tribute-Band spielte in der Rockhal Esch.

Esch. Donnerstagabend im kleinen Saal der Rockhal. Die große Illusion verträgt eine ironische Brechung: George Harrison greift zur Akustik-Gitarre, schrammelt drei Akkorde, schnoddert dazu halbherzig "Today is gonna be the day…". Ein paar Zuschauer in den vorderen Reihen pfeifen. Das ist beabsichtigt. Als dieses Lied geschrieben wurde - "Wonderwall" von Oasis -, waren die Beatles bereits ein Vierteljahrhundert lang Geschichte. Ein lebendiges Stück, zwar. Mit Hinterlassenschaften, die für ein Leben reichen. So einflussreich, so stilbildend war keine andere Popband vorher oder nachher. Aber das Hier und Jetzt bei der Show der Bootleg Beatles heißt: 60er. Auch wenn wohl die Hälfte der rund 500 Zuschauer das Jahrzehnt nur aus dem Fernseher oder von Papas oder Omas vergilbten Fotos kennt. Eine Gruppe von etwa 20-Jährigen posiert mit Lennon-Sonnenbrille und Sixties-Stirnband. "Peace" ist das Motto des Abends. Vielleicht sogar für länger.

Einem Handy-Fotografen im Publikum hält Harrison später vor: "Tut mir leid, aber Mobiltelefone sind noch nicht erfunden." Der echte George Harrison ist seit acht Jahren tot. Bei den britischen Epigonen schlüpft Andre Barreau in die Rolle. Man kann den "Bootleggern" nicht vorwerfen, auf den Tribut-Zug aufzuspringen. Als sich die Band vor knapp 30 Jahren gegründet hatte, lebte John Lennon noch.
Mit viel Liebe durchs Beatles-Jahrzehnt



Die nicht ganz so fabulösen vier sprechen sich auch mit Ringo, Paul, John und George an. Die Details müssen passen: Vox-Verstärker, Höfner-Bass, wechselnde Frisuren im Lauf der Jahre. So läuft das Spiel mit der Geschichte bei den Bootleg Beatles, die sich in gut anderthalb Stunden so liebevoll wie atemlos durch das Beatles-Jahrzehnt wühlen. Angefangen von der frühen "Beatlemania" bis zu Spätwerken wie "Ballad of John and Yoko" oder "Get Back". Stücke wie "I wanna hold your hand" oder "She loves you" mögen sich im 21. Jahrhundert für "Youporn"-aufgeklärte Siebtklässler kreuzbieder und brav anhören. Damals waren sie es nicht. So lässt sich die schiere Ekstase von damals über vier Jahrzehnte nach dem letzten Konzert der echten Beatles nicht mehr reproduzieren. Da ist Phantasie nötig, wenn das Langzeitgedächtnis nichts bereithält. Beim Klang und halbwegs auch bei der Optik funktioniert die Zeitreise aber. Die Show bietet mehr als nur einen lebendigen, mit Video-Einspielungen unterfütterten Geschichtsunterricht für die Nachgeborenen. Nicht jeder Beatles-Song hat die Dekaden völlig unbeschadet überstanden. Aber viele, verdammt viele schon.