Die Indierocker Foals zeigen in Luxemburg, wie gut sie live sind.

Konzert in Luxemburg : Der wilde Ritt der Fohlen - Foals spielen auch bei Rock am Ring

Foals in Luxemburg

Wie die britischen Indierocker Foals im ausverkauften Atelier die Vorfreude auf Rock am Ring befeuern.

Da steht er auf dem roten Geländer, umringt von den Fans auf der Empore im Luxemburger Atelier, er schaut noch einmal runter auf die Masse unter sich. Hände braucht Yannis Philippakis jetzt, viele Hände, die seinen Sprung aus der Höhe abfedern. Die ihn wieder zu seinen Bandkollegen bringen.

Ein Blick, Absprung, kleine Drehung zur Seite – und schon ist der Frontmann der Foals auf dem Weg zurück zur Bühne, wo die Bandkollegen gerade in der Zugabe die letzten Reserven mobilisieren. „Let’s swim this song“, so singt Yannis Philippakis in „Two Steps, twice“ – und das mit dem Trockenschwimmen übers Publikum funktioniert bestens. Okay, das mag ein gut trainierter Showeffekt sein: Yannis lässt sich gleich mehrfach während des Gitarrespielens vom Publikum tragen, er sucht die Nähe, bekommt Liebe zurück.

Das steht ihm auch besser als lange Ansagen, da hält er sich zurück. Auch wenn sich das mit der „schweißtreibenden Show“, die er schon zu Beginn verspricht, absolut erfüllt. So oder so: Der perfekt orchestrierte Geländersturz ist einfach ein stimmiges Ende eines – und bei Superlativen sollte man vorsichtig sein, schon klar – herausragenden Konzerts. Das mag daran liegen, dass das Publikum im ausverkauften Atelier vom Start weg auf Temperatur ist beim Auftritt der Indierocker aus Oxford. Die Band wurde auch schon 2016 und 2011 an gleicher Stelle gefeiert. Viele Jüngere sind da, kaum Teenies, aber reichlich Mittzwanziger.

Foals-Frontmann Yannis Philippakis spielt mitten im Luxemburger Publikum – auf Händen getragen. Foto: TV

Da gibt’s kein zartes Fremdeln mit den Songs des gerade erst erschienenen fünften Albums „Everything Not Saved Will Be Lost“: Die vereinen vieles, was die Band seit über zehn Jahren ausmacht. Foals sind tanzbar, für eine Rockband sogar sehr – rhythmisch war das vor allem beim Debüt „Antidotes“ stark an Minimal Music orientiert. Beim schon früh gespielten Hit „My Number“ geht’s eher Richtung Funk und Disco. Die Band schafft es aber auch in längeren Stücken, Spannung aufzubauen, Atmosphäre zu schaffen – etwa bei Spanish Sahara, das sich perfekt ins anderthalbstündige Set einfügt. Dass die Briten immer öfter als Headliner bei großen Festivals spielen – auch ohne ganz große Hits und trotz ihres durchaus gehobenen musikalischen Anspruchs – liegt an der Livequalität, an der Ausstrahlung auf der Bühne. Ein Band, die Feuer macht. Das wird auch im größeren Rahmen nicht anders sein, etwa bei Rock am Ring in knapp drei Wochen. Dort sollten Foals bereits 2016 spielen, aber ihr Auftritt in der Eifel fiel damals wegen eines Unwetters aus. Ring-Fans, die es sich nicht zu stumpf mögen, dürfen sich schon mal auf den Auftritt freuen. Nur eins wird es dort vermutlich nicht zu sehen geben: Von der Tribüne an der Seite der Centerstage wird sich Yannis Philippakis eher nicht ins Publikum stürzen – die dürfte selbst ihm ein paar Meter zu hoch sein.

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