Die Jahre gehen, der Wahnsinn bleibt

Die Jahre gehen, der Wahnsinn bleibt

The Australian Pink Floyd Show ist seit Jahren regelmäßig zu Gast in der Region. In der Arena Trier feierten 2100 Zuschauer den Auftritt der australischen Coverband, die sich mit viel Liebe zum Detail und ohne eigene musikalische Interpretation die Werke von Pink Floyd vornimmt.

Trier. Der Junge hinten in der Arena-Kartenschlange ist nicht zu sehen, nur zu hören. Seiner Stimme nach hat er vom 20. Jahrhundert nicht mal die letzten Zuckungen erlebt, geschweige denn ein Pink-Floyd-Konzert. Er sagt: Pink Floyd wird es nie wieder geben. Und zählt die Toten auf. Syd Barrett, der Frontmann der psychedelischen Anfangstage, starb 2006. Keyboarder Rick Wright ist seit fast fünf Jahren tot. Und auch wenn Pink Floyd wohl kaum das heißeste Thema in der 8b sein wird: Junge Fans gibt es noch, wenn man nur sucht. Musik und Thematik geben das auch her. Denn wer bei Pink Floyd zuerst an bräsigen Altherren-Rock oder VW-Golf-Modelle denkt, muss schon sehr viel Musikgeschichte ausblenden. Die Ü40-Fraktion stellt in der Arena dennoch locker die absolute Mehrheit.
Kopieren, nicht interpretieren


Wer Pink-Floyd-Songs live im Jahr 2013 hören will, muss Kompromisse eingehen. Der kleinere davon ist die monumentale Show des Chef-Maurers Roger Waters, der "The Wall" derzeit in Fußballstadien baut und einreißt. Der größere Kompromiss sind die vielen Pink-Floyd-Coverbands. Die Aussie-Floyd-Variante gehört zu den erfolgreichsten. Seit 25 Jahren reproduzieren die Australier die Songs der britischen Band im Detail, sie wollen sie aber nicht interpretieren. Dazu gibt\'s eine - für eine Coverband! - sehr aufwendige Licht- und Lasershow. Nur beim Drumherum geben die Australier der Show eine eigene Note, wenn etwa bei "One of the Days" ein aufblasbares, sechs Meter großes rosa Känguru auf der Bühne hüpft. Die Videosequenzen der Australier sind im Lauf der Jahre zudem besser geworden. Vor einigen Jahren waren sie näher am Kitsch. In der Arena spielten sie das vor 40 Jahren erschienene "Dark Side of the Moon"-Album als ersten Teil der zweieinhalbstündigen Show.
I\'ve been mad for fucking years, wiederholt der Verrückte aus dem Off, noch bevor der erste Akkord erklingt. Der Wahnsinn hat sich seit Jahren eingenistet. Das Herz schlägt tapfer, eine Uhr tickt erbarmungslos, Registrierkassen klingeln. Schon "Speak to Me", das Intro, gibt die Richtung vor. Was Menschen in den Wahn treibt? Das hat sich seit 40 Jahren nicht geändert, "Dark Side of the Moon" bleibt thematisch zeitlos. Die ständigen Zwänge, die wiederkehrenden Gedanken, die immer gleichen Themen. Zeit und Geld. Zu wenig von beidem kann verrückt machen, zu viel auch. "Time" und "Money" sind gemeinhin die bekanntesten Stücke des Albums. Den größten Szenenapplaus gibt es aber bei der Todes-Hymne "The Great Gig in the Sky", samt Erinnerung an Komponist Rick Wright, die bei den drei Backgroundsängerinnen gut aufgehoben ist. Im zweiten Teil der Show verbinden die Australier alte Fan-Favoriten und die obligatorischen Hits wie "Ano ther Brick in the Wall" und "Comfortably Numb".
Pink Floyd war jahrelang Vorreiter, was Studio-Produktionen, aber auch Liveshows anging. Das können Australian Pink Floyd nicht fortführen, weil sie den Original-Sound konserviert haben und sich keine Weiterentwicklung anmaßen. So steht am Ende zwar ein Kompromiss, aber einer, den man sehr gelungen finden kann: Viele sind Aussie Pink Floyd extrem dankbar für die große Show und dafür, dass sie auch mal einen 23-Minuten-Klassiker wie "Echoes" komplett spielen - das ist ein Höhepunkt des Konzerts. Das macht Lust, sich die alten Alben aus dem CD- oder Plattenregal zu greifen. Mehr muss man nicht verlangen.
Weitere Termine: The Australian Pink Floyd gastieren am 19. März 2014 in der Rockhal Esch. Roger Waters\' "The Wall" wird am 9. August 2013 in Frankfurt und am 6. September in Düsseldorf aufgeführt.

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