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| 18:43 Uhr

Konzerte
Kelly Familiy in Trier: 4500 Zuschauer begeistert (Fotostrecke)

Comeback für die Liebe: Die Kelly Family ist in Trier auf „We Got Love“-Tour – und in der ausverkauften Arena Trier gibt’s für Patricia (links), Joey (hier auf der kleinen Bühne im Publikum, samt Pyrotechnik), Jimmy und Kathy (Foto rechts) sowie für Angelo, John und „Special Guest“ Paul jede Menge Liebe zurück. 
Comeback für die Liebe: Die Kelly Family ist in Trier auf „We Got Love“-Tour – und in der ausverkauften Arena Trier gibt’s für Patricia (links), Joey (hier auf der kleinen Bühne im Publikum, samt Pyrotechnik), Jimmy und Kathy (Foto rechts) sowie für Angelo, John und „Special Guest“ Paul jede Menge Liebe zurück.  FOTO: Hans Krämer / TV
Trier. Die Kelly Family ist zurück: Der Familienclan wird von den 4500 Zuschauern in der ausverkauften Arena mit Liebe überschüttet. Mit Nostalgie und 90er Hype allein ist das nicht erklärt. Von Andreas Feichtner
Andreas Feichtner

„Angeeeeloooo!“ Und noch, mal, mit mehr Sehnsucht in jeder Silbe: „An-ge-looooo!“ So schallt es irgendwo aus den hintersten Reihen durch die Arena. Wenn Sie jetzt spontan an eine hyperventilierende 13-Jährige denken, die zum ersten Mal im Leben von Amor den Arm ausgekugelt bekam, dann liegen Sie gehörig falsch. Welches Gesicht zur Stimme gehört? Das können aus der Entfernung weder die Kellys noch der Berichterstatter zuordnen. Aber das sonore Schmacht-Brummen, das sich an den Jüngsten der Kelly-Bande richtet, gehört mit ziemlicher Sicherheit einem mittelalten Mann, der das vermutlich zudem ironisch meint. „Oh, ich bin verheiratet und habe fünf Kinder“, kontert Angelo. Und später, natürlich nicht ernst gemeint: „Ach, ich will wieder die jungen Teenies.“ Diese kleine Randnotiz zeigt zweierlei. Zum einen, dass die Kelly Family immer noch gut improvisieren kann, wenn sie will. Auch wenn die letzte große Arena-Tour fast 20 Jahre her ist – das verlernt man nicht. Schon gar nicht, wenn man als Kind schon täglich auf der Bühne oder – vorher – auf den Marktplätzen und Straßenecken der Welt zu Hause war. Zum anderen zeigt sie, wie die Zeit vergangen ist. Als die Kelly Family 1995 vor 17 000 Zuschauern im Messepark spielten, bescherte das Trier einen „Teenies-mit-Schwächeanfall“-Rekord. 166-mal musste das DRK damals ran. Vor allem wegen der Teenie-Idole Angelo (damals 13) und Paddy, der bei der Comeback-Tour allerdings ebenso wie seine Schwestern Maite und Barby nicht dabei ist.

Und jetzt? Die Zeit der Ohnmacht ist vorbei, ist ja auch gut so. Aber die Euphorie ist bei den Fans geblieben. Beim zweieinhalbstündigen Konzert in Trier merkt man schon bei den ersten Songs, dass sich die sechs Kellys – Angelo, Jimmy, Joey, John, Kathy und Patricia – ihr Publikum heute nicht erarbeiten müssen. Hätte ja sein können: Schließlich ist die Arena komplett bestuhlt, abgesehen von einem kleinen Bereich direkt vor der Bühne. Aber schon bei „I Can’t Stop the Love“ und bei „Why Why Why“ – samt Feuerfontänen und Konfettikanonen – steht in der Arena praktisch jeder. Und nur die wenigsten von ihnen, weil sie ansonsten nichts sehen würden. Mit reiner Verklär-mir-die-Welt-Nostalgie ist das im Fall der Kelly Family nicht zu begründen. Der seit Jahren anhaltende 1990er Hype wird zwar nicht schaden. Wenn die Spice Girls aktuell ihr Comeback planen, dann sicher nicht, weil ihnen so viele noch ungesungene Herzenslieder auf der Seele brennen. Aber das treue Kelly-Family-Publikum setzt sich längst nicht nur aus Teenagern der 90er zusammen. In der Reihe vor dem Schreiber: Eine Gruppe von fünf Damen jenseits der 60 hat sichtlich Spaß – selbst nach einem Drum-Solo von Angelo, mit dem sich der Mann mit der wallenden Mähne auch bei einer Death-Metal-Band bewerben könnte: Die Dame rechts hebt anerkennend den Daumen. Die Freundinnen nicken. Auch viele Jüngere sind im Publikum, die die Kellys bei ihren bisherigen Konzerten in Trier noch nicht gesehen haben können.

Die Comeback-Show ist so ausgelegt, dass sie es fast jedem recht machen will. Das geht normalerweile nicht gut, hier schon: Wenn die Band am Ende minutenlang gefeiert wird, dann ist es das Ergebnis eines Knallbunt-Trips durch Jahrzehnte, Genres und Länder. Mit Traditionals und einem Hauch von Gospel, mit Songs auf Englisch, Spanisch, Französisch, mit den eigenen Hits wie „An Angel“ oder „Nanana“. Und samt jeder Menge Familien-Folklore. Etwa, wenn „Special Guest“ Paul Kelly (53), der die Band lange vor dem großen Durchbruch 1994 verlassen hatte, allein auf der Bühne zur Drehleier „Loch Lomond“ spielt. Diejenigen, die die Kellys wegen ihrer braven Schunkeligkeit und ihres Pathos ablehnen oder die sie schlicht wegen ihres Lebensstils oder Outfits belachten, die sind natürlich ohnehin nicht da. Hier leuchten nicht nur die Plastikherzen vom Merchandising-Stand. Hier kommt die Liebe von allen Seiten. Und das muss man erst mal schaffen. Der Blick auf die LED-Leinwand lohnt sich immer wieder mal – wenn alte Videoaufnahmen aus den 1970ern, -80ern und -90ern flimmern, und mancher Kelly mit seinem jüngeren Ich im Duett singt. Der rot-grüne Doppeldecker-Bus,  jahrelange Heimat, schafft es auch als (Papp-)Requisit auf die Bühne. Patricia erinnert sich in einer Ansage an die schwerste Zeit, kurz nach dem Krebs-Tod der Mutter in den 1980ern – Vater Dan Kelly erzog die Kinder mit eiserner Hand alleine. „Damals haben wir jeden Tag in Paris in der Metro gespielt, um zu überleben.“ Ihr Traum, ziemlich amerikanisch: Einmal die Arenen und  Stadien zu füllen. Das klappt auch noch nach der langen Pause: Die Arena war die bislang kleinste Halle. Auch die größeren sind ausverkauft.

FOTO: Hans Krämer / TV
FOTO: Hans Krämer / TV
Konzert: Kelly Family tritt in Trier auf FOTO: Von Hans Krämer