Die Kinokolumne

"Die Ironie der Geschichte will, dass sowohl die deutschen Juden als auch die deutschen Nazis in Argentinien ähnliche Wohnorte bevorzugten, ähnliche architektonische Vorlieben hatten und ähnliche Ferienorte aufsuchten", sagt Jeanine Meerapfel über ihren jüngsten Film. In "Der deutsche Freund" erzählt die Tochter deutsch-jüdischer Einwanderer die Geschichte der Jüdin Sulamit (Celeste Cid), die sich in einem Vorort von Buenos Aires in den Nachbarsjungen Friedrich (Max Riemelt) verliebt.

Als Friedrich erfährt, dass sein Vater vor Kriegsende SS-Obersturmbannführer war, kehrt er seiner Familie den Rücken. Er geht nach Deutschland und stellt die junge Liebe auf eine harte Probe. Während Sulamit mit ihrer Vergangenheit abschließen will, stürzt sich Friedrich in die studentische Protestbewegung, was - zurück in Argentinien - in den Foltergefängnissen der Militärdiktatur endet. Meerapfel, die in den 1960ern in Ulm bei Edgar Reitz studierte, setzt eine Kontinente und Jahrzehnte überspannende Liebe mit ruhigen, klar durchkomponierten Bildern in Szene. Wenn die Protagonisten am Ende dem Flug des Condors zusehen, ist ihre Beziehung so offen wie zu Beginn. Falk Straub Der Film läuft am Donnerstag um 19.45 Uhr und um 22.30 Uhr, am Freitag um 19.30 Uhr im Broadway-Kino in Trier.