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Die Kirche lebt – bei der Jugend

Die Kirche lebt – bei der Jugend

Trier. Nach vier Jahren intensiver Arbeit erlebte das Kirchenmusical "Rachel" in der Trierer Arena eine beeindruckende Uraufführung. Unter Federführung von Johannes Maria Schatz (Text) und Thomas Gabriel (Musik) entstand ein Werk, das als eine Botschaft der Jugend aus der Euregio verstanden werden muss. Der Trierische Volksfreund präsentiert das Musical

Die Kirche lebt. Sie lebt da, wo man auch das meiste Leben erwarten sollte - bei der Jugend. Diesen Eindruck musste man bei der Uraufführung des Musicals "Rachel", dem Beitrag des Bistums Trier zum Weltjugendtag (WJT), in der Trierer Arena bekommen. Zugegeben: Der Besuch dieser Weltpremiere war längst nicht so gut, wie das Werk es verdient hätte. 124 Akteure aus der Region

Produzent und Texter Johannes Maria Schatz: "Es wäre schon schöner gewesen, wenn mehr Menschen den Weg in die Arena gefunden hätten. Sie wird aber noch voll werden, wenn die Aufführungen kommen, an denen die Teilnehmer des WJT kostenlos hier herein kommen. Da haben wir schon ein wenig Sorge, ob der Platz reichen wird." 124 Akteure führten das Musical aus der musikalischen Feder von Thomas Gabriel auf, ließen die Geschichte, die von Jugendlichen aus den sieben Bistümern der Euregio erdacht wurde, lebendig werden. Nachdem die jungen Leute aus Belgien, Deutschland, Frankreich und Luxemburg ihre Vorstellungen zu dem Kerntext der Bibelstelle "Wir sind gekommen, um ihn anzubeten" aus dem Matthäusevangelium zusammengetragen hatten, lag es in der Verantwortung von Schatz, daraus ein Libretto zu schaffen. Gabriel kleidete das Ganze in Musik. Insgesamt waren es vier Jahre harter Arbeit, die in knapp zwei Stunden in überaus beeindruckender Weise über die Bühne der Arena gingen. Man könnte verächtlich von einem klassischen, kitschigen Märchen sprechen, angefüllt von den typischen Schwärmereien von Jugendlichen, wie denn eine heile Welt zu schaffen sei, wie die brutale Weltherrschaft des Geldes durchbrochen und der Liebe zu ihrem Recht verholfen werden kann. Das Ganze beginnt mit einem Traum von der Geschichte der drei Weisen aus dem Morgenland und dem Kindermord des König Herodes, der die Hauptfigur Rachel, Tochter der reichen Familie van Delpt, aus dem Schlaf reißt. Daraus entspinnt sich eine Geschichte um Immobiliengeschäfte, Geld, rücksichtslosen Machtmissbrauch und Standesdünkel. Gut gegen Böse also, Liebe gegen Geld, das übliche Klischee. Wenn man das Happy End mit einbezieht, bei dem die Guten siegen, den Verblendeten die Augen geöffnet werden und der Böse ins Gefängnis geht, könnte man an Hedwig Courts-Mahler oder Rosamunde Pilcher denken. Was aber eine musikalisch überragende Tanja Hamleh in der Titelrolle und ihre Mitstreiter Liborio Conti als (guter) David, Kurosch Abbasi als (böser) Damian, Sophie Becker (Judit) und Kristin Oettinger (Jeanne) auf die Bühne bringen, ist mehr. In guter Kombination zwischen Text und Musik, wobei man Gabriel das Kompliment für eine durchdachte, anspruchsvolle Komposition nicht verwehren darf, kommt die Überzeugung von Jugendlichen herüber, dass sie die Welt verändern möchten. Sie wissen, den Finger in die Wunden ihrer Zeit zu legen, erkennen und zeigen auf, woran die Gesellschaft krankt. Mit diesem Musical, bei dem auch die anderen Akteure Bianca Spiegel, Barbara Bremm, Björn Hilmers und Bernd Hetjens eine beeindruckende Vorstellung lieferten, zeigen die Jugendlichen, dass sie eine Botschaft haben. Sie schwören dem Prunk und der Macht des Geldes ab, besinnen sich auf die eigentliche Kernaussage des Werkes, das Jesuszitat "Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan", die fast unauffällig im zweiten Bild auftaucht. Fest steht auf jeden Fall, das zeigte der ovationsartige Applaus am Ende der Aufführung, dass die Aussage von Rachel vom Publikum verstanden wurde. Die nächsten öffentlichen Aufführungen: Sonntag, 14. August, 15 und 20 Uhr in der Arena in Trier. Tickets gibt es in den Presse-Centern des Trierischen Volksfreunds in Trier, Bitburg und Wittlich.