Die Künstlerin Patricia Kranz arbeitet mit Plastiktüten

Ausstellung : Die Metamorphose der Plastiktüte

Patricia Kranz nutzt für ihre Kunst den politisch unkorrekten Umweltschädling.

  Die eigentliche Brisanz dieser Ausstellung rührt nicht allein von der künstlerischen Gestaltung. In Zeiten, da alle Welt die Plastiktüte als Umweltschädling ächtet, Buchhändler Anti-Plastiktüten-Konventionen unterschreiben und unsereins nur noch mit gesenktem Kopf um das politisch unkorrekte Teil bittet, hat Patricia Kranz die synthetische Tragetasche quasi rehabilitiert. Die gebürtige Rheinland-Pfälzerin, die heute in Magdeburg lebt, hat den Konsummüll aus seinen alltäglichen Verstrickungen gelöst und ihn kunstfähig gemacht.

Kunst als Recycling-Verfahren ist seit der Pop Art mit ihrer Konsumkritik und ihren Schrottplastiken eigentlich als Idee nichts Besonderes, nicht einmal bei Plastiktüten, seit die Aldi-Tüte Kult wurde. Dafür sind die Metamorphosen, die Kranz’ Tüten mittels künstlerischer Einwirkung durchmachen, umso reizvoller. Den Galerieraum dominiert eine fragile Installation aus schwarzen Tüten-Streifen, die sich als ein dynamisches Netzwerk aus Linien über die Wand zieht und deren Weiß Kranz als Leerstellen nutzt. Manch einer mag da an Dschungel und exotische Lianen-Geflechte denken. An organische Formen erinnert auch die kompakte farbige Wandplastik mit ihrer malerischen reliefartigen Oberfläche, für die Kranz Tüten zusammengeschweißt hat. Dabei schafft das Schweißverfahren seine ganz eigene Ästhetik. Die gleichermaßen in Malerei und Bildhauerei ausgebildete Künstlerin pendelt in ihrer gestalterischen Arbeit zwischen Fläche und Raum. Wie Blumen hat sie in ihren „Herbarien“ die Tüten auf die Fläche zu Bildern gepresst. Nichts behält bekanntlich nach dem Römer Ovid seine Gestalt. In Patricia Kranz’ poetischer künstlerischer Überformung ist die neue Gestalt der Plastiktüten auf jeden Fall ein Fortschritt.

Bis 25. November. Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung, als Schaufenstergalerie täglich. Telefon: 0651/97 63 840.

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