Die Kulturmacher Karsten Müller macht Theater und dreht Filme

Kulturmacher : Karsten Müller macht Theater und dreht Filme

Das Weltklima, die Ressourcen der Erde, eine tolerante Gesellschaft, Demokratie – Karsten Müller ist durchdrungen vom Idealismus. Der freie Theaterregisseur, Dokumentarfilmer und Eventmanager aus der Nähe von Trier steckt permanent in zahlreichen Kulturprojekten zugleich.

Mag sein, dass viele Karsten Müller unter seinem Namen nicht kennen, aber wenn man ihn als denjenigen benennt, der mit dem flotten Dreirad zwischen Trier und den Höhen über dem Ruwertal unterwegs ist, dann ist er bekannt wie ein bunter Hund. Faltrad, Liege-Dreirad, Liege-Zweirad, Tandem, E-Bike – das alles gehört zum Fuhrpark des freien Regisseurs, Autors und Kulturmanagers aus Gusterath (Kreis Trier-Saarburg), dessen jüngstes Stück „Heimatschuss“ kürzlich im Druckwerk in Trier-Euren über die Bühne ging. Der 53-Jährige hatte es selbst geschrieben, weil er die Idee zu der Geschichte hatte, aber kein passendes Drehbuch fand. Und wenn er demnächst in Trier einen Kulturerlebnisrundgang inszeniert, bei dem die Stadt zur Bühne wird und die Teilnehmer über Heimat („Meine liebe Scholle“) philosophieren, dann gehört zum Fuhrpark möglicherweise auch noch ein Lastenrad. „Das steht noch auf der Wunschliste.“

Fangen wir also mit dem Privaten an, das bei Karsten Müller so gar nicht privat erscheint. Autofahren lehnt er ab – es ist schließlich ein Grund für die Zerstörung der Umwelt, weltweit. Auch der Klimakiller Fleisch kommt bei dem Vater einer 15-jährigen Tochter nicht mehr auf den Tisch. Seit einem halben Jahrhundert ist er Vegetarier, seit zweieinhalb Jahren Veganer. „Meine Besorgnis wegen der Klimakatastrophe wächst von Tag zu Tag“, sagt Müller. Die beinahe tägichen Strecken zwischen Gusterath und Trier oder auf Reisen in ganz Europa legt er radelnd zurück, rund 10 000 Kilometer im Jahr.

Eben, als er zum Termin mit der TV-Reporterin radelte, ist neben ihm am Ruwertalradweg ein Baum umgekippt. „Die Bäume dort sind massiv geschädigt, wir haben schon länger gemutmaßt, dass die irgendwann umkippen könnten“, erzählt er. Ein Rennradfahrer habe ihn noch rechtzeitig gewarnt, bevor ein Baum, zack, einfach so, ohne Sturm, umfiel. „Meine Angst ist sehr groß vor dem, was auf uns zukommt“, erklärt Müller, weshalb er sich zu einem gewissen missionarischen Eifer bekenne. Der fließt auch ein in die vielfältigen Projekte, die er auf der Bühne, der Straße oder hinter den Kulissen realisiert. Der persönliche Lebensstil der Leute sei ihm sonst eher egal, versichert er, aber hier gehe es nun mal  um Gesamtzusammenhänge, die alle betreffen. „Deshalb hoffe ich, dass ich Leute mit meiner Lebensweise anstecken kann.“

„Es gibt keine Vielflieger-Bilder von mir“, ist Müller sich in Anspielung auf die Heuchelei-Debatten sicher, wenngleich er seinen eigenen ökologischen Fußabdruck immer noch kritisch sieht: „Da bin ich gar nicht so prickelnd dabei, meine Flotte an Fahrrädern wirkt sich aus. Da werden immer drei Fahrräder wie ein Auto gewertet.“ Es bleibt also noch Luft nach oben.

Der gebürtige Trierer, der zwischendurch ein Jahrzehnt in Saarbrücken und Marburg lebte und seit 2014 mit Film- und Theaterproduktionen in der Region engagiert ist, macht schon lange Theater. In den 1980er Jahren studierte er in Frankfurt Theater- und Filmwissenschaft mit Schwerpunkt Regie und Dramaturgie und arbeitete schon damals gleichzeitig am Trierer Stadttheater als Regieassistent, unter Intendant Rudolf Stromberg. Seit dem Examen 1993 ist er Freiberufler, ließ sich noch in Regensburg  zum staatlich anerkannten Eventmanager ausbilden und betreute unter anderem ein Kulturprojekt der evangelischen Kirche auf der Expo. Dann kam 2004 die Landesgartenschau nach Trier, und Karsten Müller wurde künstlerischer Leiter, Kulturchef auf dem Petrisberg. Das Kreative konnte er dabei perfekt mit dem Management verbinden.

Fürs Theater, gesteht der Freiberufler heute, brauche er viel Idealismus – es ist das eine Standbein des 53-Jährigen. Über den Verein Theater Frosch inszeniert Müller mit wechselnden Profi-Schauspielern an wechselnden Orten in der Region Bühnenstücke. Ursprüngich war es ein reines Kinder- und Jugendtheater, das vor langer Zeit in einem von der Stadt geerbten Gelenkbus seinen Anfang nahm. „Wir sind damit rumgefahren zu Schulen und Kindergärten, es war ein bisschen wie das feuerrote Spielmobil, nur dass wir keine Spielgeräte ausgepackt, sondern Kultur angeboten haben“, erinnert sich der Regisseur. „Alles, was wir brauchten, war ein Stellplatz von 20 Metern Länge und ’ne Stockdose.“ Vor drei Jahren weitete Frosch  das es seit rund 20 Jahren gibt, sein Angebot auf Theater für Erwachsene aus. Nachhaltigkeit und politische Themen bilden einen starken Schwerpunkt.  „Frosch kommt nicht von den Grimm’schen Märchen her, sondern von der Perspektive: Aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen wollen wir einen Blick auf die Welt ermöglichen.“ Toleranz, Weltoffenheit, Demokratie und gegen rechts sei die Ausrichtung des Theaters, dessen Mitglieder alle weitere Standbeine haben. Zu den Produktionen der vergangenen Jahre gehören „Tussy“ über das Leben der Marx-Tochter und „Das Schmackeduzchen“ über eine mutige Frau Anfang des 20. Jahrhunderts, die die Zensur austrickst.

Viel lukrativer als das Theater ist für Müller die Filmproduktion. Mit seiner Firma Elenovela erarbeitet er Dokumentationen, zeichnet Veranstaltungen auf oder macht Marketing für Projekte, hinter denen er auch politisch steht, zum Beispiel der Naturpark. Als seine Themengebiete dort  nennt er „Kultur, Soziales, Nachhaltigkeit und Regionalität“.

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