Die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden

Die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden : Gespritzte Lyoner und gefälschte Locken

S’Annegret aus Püttlingen, besser bekannt als AKK, hat ja schon öfter bewiesen, dass sie zu skurrilem Humor fähig ist. Als Putzfrau Gretel brachte sie das ganze Saarland zum Toben, und ihre umwerfenden Bemerkungen über die Toiletten fürs dritte Geschlecht – na ja, gerade eine Putzfrau ist schon von Berufs wegen nicht gefeit vor einem gelegentlichen Griff ins Klo.

Aber bei ihrer jüngsten Büttenrede anlässlich der Deutsch-Amerikanischen Konferenz in Berlin fragte man sich dann doch: Was hat man der Frau in die Lyoner gespritzt? Da nimmt sie doch tatsächlich den unzurechnungsfähigen Berserker aus dem Weißen Haus in Schutz. Man dürfe ihn nicht mit Putin und Erdogan in einen Topf werfen, sagte sie (TV von gestern). Klar, in Amerika werden die Journalisten nur als Staatsfeinde angepöbelt – das wird man doch wohl noch tun dürfen, wenn die zu blöd sind, das Richtige zu schreiben. Doch was AKK am meisten zu schaffen macht: Durch den Trampel im Weißen Haus würden wieder „antiamerikanische Reflexe“ zutage gefördert, die es schon immer gegeben habe. Was sagt eigentlich Mutti dazu? Die hat ja demnach aus AKKs Perspektive jüngst voll in die „antiamerikanische“ Kerbe gehauen – wahrscheinlich nur, um von den Studenten in Harvard das zu kriegen, was ihr zu Hause schon lange verwehrt wird: Standing Ovations. Vielleicht liebäugelt s’Annegret auch nur mit der Möglichkeit, dass das mal deutsche, mal französische, dann wieder deutsche Saarland der 51. US-Bundesstaat werden könnte. Da schadet es nix, sich schon mal prophylaktisch lieb Kind zu machen.

Zurück vom Kleinklein zum wirklich Großen: In London ist eine Locke Ludwig van Beethovens versteigert worden. Der Bonner soll sie sich selbst abgeschnitten und seinem Freund Anton Halm gegeben haben. Der Haarpuschel hat nun einen neuen Besitzer gefunden: Er wurde vom Londoner Auktionshaus Sotheby‘s für 35 000 Pfund (mehr als 39 000 Euro) versteigert. Halm soll den Musiker um eine Locke für seine Frau Maria gebeten haben. Dieser hat, so will es die Legende, seinem Freund zunächst einen Streich gespielt und Haare einer Ziege zugeschickt. Das hat der Anton aber rasch spitzgekriegt. Der Luggi war eben auch ein witziger Typ. Er und AKK hätten sich bestimmt gut verstanden.  no/dpa

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