Die Kulturwoche - betrachtet von Rainer Nolden

Unterm Strich – Die Kulturwoche : Die drei Seiten einer Sache

Spielen Sie gerade mit dem Gedanken, sich einen Rolls Royce zuzulegen? Mensch, haben Sie ein Glück. Die Gelegenheit ist günstig, ein ganz besonderes Exemplar dieser Spezies zu ergattern, um das Ihre Nachbarn Sie beneiden werden – vor allem, wenn die erfahren, wer die Vorbesitzerin der „Grünen Göttin“ war.

So nannte nämlich Elizabeth Taylor ihren fahrbaren Untersatz, dessen Lackierung zu ihrer Augenfarbe passte: ein Rolls-Royce Silver Cloud II Drophead Coupé aus dem Jahr 1961, den ihr einer ihrer zahlreichen Ehemänner – in diesem Fall war es der Schlagersänger Eddie Fisher – schenkte, als sie noch gemeinsam auf Wolke sieben dahinschwebten, was sie circa fünf Jahre lang taten, von 1959 bis 1964. Das Auto wurde den beiden vors „Pierre“ gestellt, einer New Yorker Luxusabsteige, in der sie standesgemäß wohnten, wenn sie nicht gerade auf der Arbeit waren. Genau dort, an der Ecke 61. Straße und Fifth Avenue, wird der Oldtimer, den in den späten Siebzigern ein gewisser Karl Kardel, seines Zeichens Bauunternehmer, erwarb, jetzt vom New Yorker Auktionshaus Guernsey’s versteigert. Die Veranstalter hoffen auf einen Erlös zwischen einer und zwei Millionen Dollar (der Originalpreis belief sich auf 700 000 Dollar). Aber die große Unbekannte in der Story ist die Geschichte des Wagens beziehungsweise die seiner berühmten Besitzerin. Von Promi-Auktionen im Hause Christie’s weiß man, dass ein Besitzstück, an dem ein berühmter Name klebt, oft bis zum 50-fachen des aufgerufenen Preises eingebracht hat. Also nehmen Sie lieber zur Sicherheit 35 Millionen Dollar mit nach New York, wenn Sie mitbieten und nicht vorzeitig ausgebootet werden wollen. Und am besten buchen Sie ein Zimmer am Ort des Geschehens: die läppischen 600 Dollar pro Nacht im „Pierre“ sollten bei so einem Objekt doch noch wohl drin sein.

„Bares für Rares“ gab es auch an einem Ort, der nicht ganz so weit weg ist von hier, aber viel geschichtsträchtiger (was ja auch keine Kunst ist, wenn man Europa mit Amerika vergleicht). Die eindrucksvolle Kulisse für die Trödel-Show war Schloss Drachenburg über den Dächern von Königswinter. Das in Windeseile erbaute (1882 bis 1884) Protzschloss im Stil des Historismus ist schon seit Längerem von Filmproduzenten als wirkmächtige Kulisse beliebt. Angefangen hatte es 1992 mit Helmut Dietls „Schtonk“, wo es für die Alt- und Neu-Nazis die rechte Kulisse für die Führer-Farce um dessen vermeintlich echte Tagebücher abgab; die letzte berühmte Produktion war der Mehrteiler „Berlin Babylon“. Und jetzt zieht erneut eine Filmcrew ins alte Gemäuer, um dort Sequenzen für „Oktoberfest – 1900“ zu drehen.

Produzent Michael Souvignier erzählt, dass für eine Geschichte aus jener Zeit Bauwerke genommen werden müssen, die deutlich älter seien. Ist ja logisch. Das wird die Bayern aber mächtig fuchsen: Da erzählt einer eine Ur-Münchner Geschichte – und um sie richtig zu bebildern, muss man zu den Saupreißn fahren. Tja, „jedes Ding hat drei Seiten. Eine positive, eine negative und eine komische.“ Wenigstens der Spruch ist von einem echten Münchner: Karl Valentin. Rainer Nolden

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