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Die Kulturwoche: Klang der Länder

Unterm Strich – Die Kulturwoche : Der Klang der Länder

Bei der Europameisterschaft spielen Nationalhymnen einen wichtige Rolle.

Die Deutschen und ihre Nationalhymne: Irgendwer tritt, wenn es darum geht, immer mal ins Fettnäpfchen. Als Konrad Adenauer 1953 erstmals als Bundeskanzler die USA bereiste, wusste keiner in Amerika so recht, was man ihm zu Ehren intonieren sollte. Einer der Verantwortlichen für die Musikauswahl erinnerte sich wohl an eine schmissige Melodie, die irgendwie deutsch klang, und so spielte die Kapelle bei Adenauers Ankunft „Heidewitzka, Herr Kapitän“. Gar nicht so blöd eigentlich, schließlich hatte „Kapitän“ etwas mit „leader“, also Staatsoberhaupt, zu tun. Adenauer, obwohl Kölner, war, so reportieren Zeitzeugen, nicht gerade begeistert davon, als Fährmann auf dem Rhein gefeiert zu werden. Glücklicherweise war und ist es nicht Usus, dass bei Staatsbesuchen die dermaßen Geehrten mitsingen müssen, und so hielt er einfach den Mund. In ein weiteres Fettnäpfchen sind gerade die Holländer getreten: Während des EM-Spiels England gegen Deutschland hat der niederländische Fernsehsender NPO versehentlich den Text der ersten Strophe „Deutschland, Deutschland über alles“ eingeblendet. Ein bisschen Schwurbeln sei an dieser Stelle erlaubt: Vielleicht saß ja ein holländischer AfD-Fan am Regler, der die Abstiegsmannschaft ein bisschen aufmuntern wollte. Immerhin entschuldigte sich der Sender für den Fehler. Es handele sich um einen Irrtum. Echt jetzt? Auch wenn die deutsche Hymne richtig erklingt, das heißt, mit dem Text der dritten Strophe, stößt sie nicht überall auf Gegenliebe. Die britischen Football-Hooligans, den Krauts seit jeher in herzlicher Abneigung zugetan, buhten aus voller Kehle beim Abspielen der Haydn-Komposition. Auch der Jubel beim Anblick eines kleinen Mädchens, das bei der 0:2-Niederlage Deutschlands bei der Fußball-Europameisterschaft im Stadion weinte und zeitweise im Fokus der Kameras stand, stieß bei vielen auf Unverständnis. Wenigstens hatten die Hools die Rechnung ohne ihre Landsleute gemacht: Der Moderator des Frühstückfernsehens „BBC Breakfast“, Dan Walker, bezeichnete die Buhrufe als „erbärmlich“. Und der ehemalige Chefberater von Ex-Premierminister Tony Blair, Alistair Campbell, ärgerte sich über „erwachsene Männer“, die sich an dem Anblick eines weinenden deutschen Mädchens erfreuten. Demgegenüber stehe ein deutscher Nationaltrainer, eine deutsche Mannschaft, ein deutscher Botschafter und (BBC-Kommentator) Jürgen Klinsmann, die durch ihre Reaktion auf die Niederlage Deutschlands Klasse gezeigt hätten. „Größe in der Niederlage zu zeigen, ist eine ganz besondere Qualität. Größe im Triumph sollte sehr viel einfacher sein“, schwang Campbell sich zu nachgerade Shakespearscher Diktion auf.

  Deutsche Fans stehen vor dem Spiel auf der Tribüne in Wembley.
Deutsche Fans stehen vor dem Spiel auf der Tribüne in Wembley. Foto: picture alliance/dpa/Christian Charisius

Ein Vorschlag zur Güte: Bei Kickerschlachten sollten künftig neutrale Lieder erklingen, auf die sich die Fans in allen Stadien dieser Welt ohne patriotische oder nationale oder nationalistische Verrenkungen einigen können. Das Lied beginnt mit den unsterblichen Dichterworten „Ha! Ho! Heja heja he! Ha! Ho! Heja heja he! Ha! Ho! Heja heja he! Ha! Ho! Heja heja he!“, um in den ersten beiden Zeilen die ewige Wahrheit zwischen zwei Toren zu verkünden: „Fußball ist unser Leben, / Denn König Fußball regiert die Welt. / Wir kämpfen und geben Alles, / Dann ein Tor nach dem andern fällt.“ Rhythmisch und syntaktisch nicht gerade der Heuler, aber der Text ist wenigstens global einsetzbar und verletzt keinerlei Gefühle. Bis auf die ästhetischen vielleicht...
no/dpa