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Die Kunst der Anderen

Die Kunst der Anderen

Gudrun Landgrebe hat am Freitag bei den Eifel-Kulturtagen aus Katharina Hagenas Romandebüt "Der Geschmack von Apfelkernen" gelesen. Einen Blick hinter ihre wohl gehütete Fassade ließ die Grande Dame dabei nicht zu. Die 200 Gäste begnügten sich höflich mit dem akustischen Klangerlebnis ihrer Stimme.

Niederöfflingen. Es ist ein bisschen, als würden 200 Leute sich gemeinsam ein Hörbuch mit Gudrun Landgrebe als Sprecherin anhören. Bei der Lesung in der Wilhelm-Hees-Halle in Niederöfflingen nimmt sich die Schauspielerin so weit zurück, dass sie von ihrer Persönlichkeit nichts als die sanfte Stimme und einen schönen Anblick preisgibt. Ohne begrüßende Umschweife setzt sich die Schauspielerin, ganz in schwarze Eleganz gehüllt, liest eineinhalb Stunden und sagt kein eigenes Wort. Scheu wirkt sie in ihrer Zurückhaltung. Geheimnisvoll, stolz, von zarter Noblesse. Eine Grande Dame. Landgrebe dosiert jede Regung auf ein Minimum. Nicht mal eine Fliege, die sie drangsaliert, kann ihr eine Reaktion abnötigen.
Stimme mit rauchiger Note


Landgrebe liest aus Katharina Hagenas Bestseller von 2008, in dem die Hamburger Autorin die Geschichte einer Familie schildert. Erzählt wird aus der Perspektive der jungen Bibliothekarin Iris, die das Haus ihrer Großmutter geerbt hat und dadurch in Erinnerungen eintaucht. Gudrun Landgrebe hat aus den 250 Seiten zwei Handlungsstränge ausgewählt und die Textstellen so geschickt zusammengefügt, dass sie in eineinhalb Stunden Lesung ein ganzes Bild ergeben. Mit dem frühen, rätselhaften Tod der Kusine und einer tragischen Liebesgeschichte baut Landgrebe Spannung auf, die ihr Publikum aufmerksam zuhören lässt.
Ihre zarte, eher tiefe Stimme mit der rauchigen Note und dem leichten Hauch, mit dem sie die Wörter aus ihrem Mund entlässt, passen zur geheimnisvollen Familiensaga. Den Roman hat Rainer Laupichler, Leiter der Eifel Kulturtage, für ihre Lesung ausgesucht. Landgrebe kannte das Buch vorher nicht, aber es gefällt ihr als "fantasievoller, wunderbarer Roman mit autobiografischer Basis", verrät sie hinter der Bühne. Blieb auch zu vieles ungesagt, war Landgrebe doch die richtige Besetzung, um dem Buch Stimme zu verleihen, weil ihre Ausstrahlung der Zartheit und Sinnlichkeit des Romans entspricht. Nur etwas mehr Landgrebe hätte es für einen Bühnenauftritt mit ihrem Namen als Zugpferd schon sein dürfen.
Musikalisch begleitete das Trio Novalis mit Gertrud Parzen (Querflöte), Dörte Form (Klarinette) und Klaus Risch (Fagott) die Lesung.