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Die Kunst des kleinsten Übergangs

Die Kunst des kleinsten Übergangs

Wie eindringlich klingt die Fünfte von Jean Sibelius, wenn man sie so sensibel musiziert wie Wouter Padberg und die Trierer Philharmoniker! Im 3. Sinfoniekonzert wurde die Sibelius-Interpretation zum begeisternden Höhepunkt.

Trier. Es ist wie ein Geschenk. Da beschwört das Hornquartett im 3. Trierer Sinfoniekonzert ganz sacht und doch deutlich die Welt der Romantik, die Oboe setzt dazu eigene Akzente, und bei Oboen und Klarinetten klingt in tiefer Lage etwas Unwirkliches, etwas Obskures mit. Das Blech beschwört gedämpfte Festlichkeit. Und dann weitet sich der Orchesterklang zu jener scheu-zurückhaltenden Ausdrucksfülle, die für die 5. Sinfonie von Jean Sibelius so bezeichnend ist.
Minuziös und hoch sensibel


Dirigent Wouter Padberg und das Philharmonische Orchester Trier, haben die Tonsprache des finnischen Komponisten minuziös und hoch sensibel erarbeitet. Es war nicht nur die Vielfalt an ausgefeilten Klanggebungen, die in dieser Interpretation bestach. Padberg und seinem Orchester gelang es, die Organik dieser Komposition umzusetzen. Da wachsen neue Themen, neue Passagen bruchlos aus früheren heraus.
Padbergs weit ausholende und doch sachte Dirigiergestik spiegelte den epischen Zug dieser Musik und mit ihm die Kunst des kleinsten Übergangs, die Sibelius mit dem sonst grundverschiedenen Alban Berg gemeinsam hat. Darum klingt im Blech-Höhepunkt gegen Ende nichts Gewaltsames mit, sondern etwas Selbstverständliches, In-sich-Ruhendes, ein Abschluss einer musikalischen Erzählung.
Der erste Teil des Sinfoniekonzerts freilich zeigte auch: der Weg zu dieser exzellenten Sibelius-Interpretation war weit und voller Stolpersteine. In Carl Nielsens "Helios"-Ouvertüre gelang es Padberg und den Philharmonikern zwar die Stimmung der Tageszeiten einzufangen. Doch im Orchester gelang nicht alles wie erwartet. Dem Horn-Ensemble geriet der Einstieg in das Werk unstet und unsicher, und bei heiklen Holzbläser-Einwürfen, vor allem aber im Fugato der Streicher, erreichte man nur Näherungswerte.
Auch Beethovens G-Dur-Klavierkonzert (Nr. 4) gab den Interpreten Probleme auf. Solistin Nino Gvetadze bestach mit einem herrlich warmen, weichen Anschlag und demonstrierte in der Schumann-Zugabe ausgeprägte Sensibilität. Freilich vertieft sich die junge Pianistin noch zu sehr ins Detail, spielt Einzelheiten allzu liebevoll aus. Und weil Padberg und die Sinfoniker zu einseitig die Lyrik in diesem Konzert betonten, ging die große Linie verloren, es kam zu Temposchwankungen und in der Kopfsatz-Mitte zu einem Moment der Instabilität. Erst im straffen Finale fanden Solistin und Orchester zu Beethovens unvergleichlicher Tonsprache. Vielleicht hatte die eindringliche Sibelius-Interpretation zu viel musikalische Energie abgezogen.
Das Publikum jedenfalls war hellauf begeistert, das Trierer Theater mit gut 600 Plätzen voll besetzt.
Das nächste Sinfoniekonzert findet am Donnerstag, 19. Januar statt.