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Die Kunst, mit Draht ehrlich zu sein

Die Kunst, mit Draht ehrlich zu sein

Als "Drahtkünstler" hat sich Werner Bitzigeio vielerorts einen Namen gemacht. Jetzt hat der Verlag Pi in Weißenseifen ein attraktives Werkverzeichnis des Künstlers aufgelegt. Als Anschub gibt es dort dazu eine Ausstellung

Weißenseifen. "Mir geht es um Ehrlichkeit" sagt er. Werner Bitzigeio steht in der "ehrlichen" Ausstellungshalle der Galerie am Pi in Weißenseifen (Eifelkreis Bitburg-Prüm), die ihre Dachkonstruktion nicht verbirgt und mit ihrem Holzpflaster und den Holzwänden nichts anderes zu sein vorgibt, als ein Stück überdachter, in Wänden eingefangener Natur.

Bitzigeios Eisendraht-Skulpturen, die gleichsam als Auftakt oder Kommentar zum neu erschienenen Werkverzeichnis gelten können, passen perfekt in diesen Raum. Auch sie sind ein Stück umfangener und in Form gebrachter Raum.

Freiraum gefordert



Wobei der Raum gleichermaßen wörtlich wie als Bild zu begreifen ist, das für den Freiraum des Geistes steht.

Mit seinem Anspruch an Ehrlichkeit meint der 1956 in Schönecken geborene Bildhauer die Sichtbarmachung seines Schaffens an der Skulptur, die Verbiegungen und Stauchungen, die Schweißstellen seiner Drahtgespinste, Körper und Kugeln.

Ehrlichkeit und die Forderung nach Freiraum verbinden sich aber auch bei diesen ausgesprochen schönen Drahtarbeiten in ihrer Durchlässigkeit und Transparenz, wobei der biegsame schmale Draht ein idealer Werkstoff ist.

Werner Bitzigeio, der in Köln und Freiburg studierte, lebt und arbeitet heute in Winterspelt, jenem rauen Dorf an der Grenze von Eifel und Ardennen, das dem Kriegsroman von Alfred Andersch den Titel gab. Schier endlos reicht der Blick von dort in die grandiose Landschaft.

Das tägliche Erlebnis Landschaft mag auch Bitzigeios permanenten Dialog zwischen Kunst und Natur fördern.

Viele seiner Arbeiten sind für den öffentlichen Raum gemacht, wie etwa die Skulptur am Fluss aus Betonstahlmatten für das Bildhauersymposion der Stadt Konz 2007.

Angefangen hat für den Bildhauer mit dem leicht skeptischen Blick alles vor Jahren mit Stein und Holz, bis er schließlich zum biegsamen Stahldraht fand. Mit dem geht er inzwischen virtuos um, sogar vergeistigt hat er ihn in feinen Bleistift- und Tuschstrichen, die wie dichte Reihen von Drähten aussehen.

Ein Philosoph, der die Welt beobachtet



Überhaupt ist der weit über die Region erfolgreiche Bildhauer auch sonst ein Philosoph, der die Welt genau beobachtet und sich immer wieder aus ihr in die Stille der Eifellandschaft zurückzieht.

Nicht ohne Grund nennt er eine seiner Werkreihen nach der fernöstlichen philosophischen Lehre "Zen". In dem neuen, schön aufgemachten Werkverzeichnis sind Bitzigeios Entwicklung und Werksgeschichte gut nachzuvollziehen und eindrucksvoll ins Bild gesetzt. Überhaupt macht das ansehnliche Buch Freude, für Kunstfreunde sicher auch als Ostergeschenk..

Info Buch: Christiane Hamann, Hrsg.: Werner Bitzigeio, Verlag Pi, Weißenseifen 2010, 136 S., 25 Euro

Ausstellung Weißenseifen, Galerie am Pi: bis 11.April, täglich 15-19 Uhr.