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Die Liebe, der Sex und der Tod: Jane Birkin singt Gainsbourg

Die Liebe, der Sex und der Tod: Jane Birkin singt Gainsbourg

Als grandioser Provokateur bleibt Serge Gainsbourg (1928-1991) ebenso unvergessen wie als einflussreicher Chansonnier: Exfrau Jane Birkin sang in Luxemburg seine Lieder vor etwa 1500 Zuhörern.

Luxemburg. "Dies war das letzte Lied, das Serge Gainsbourg für mich geschrieben hat", sagt Jane Birkin im ausverkauften großen Saal der Philharmonie. Aus dem folgenden "Amour des Faintes" von 1991 eine düstere Vorahnung herauszuhören, wäre aber wohl kein Kunststück - waren Eros und Tod doch die Pole, zwischen denen der französische Chansonnier, Filmschauspieler, Komponist und Schriftsteller seine Werke bevorzugt ansiedelte. Selbst sein wohl bekanntestes Lied, der musikalische Softporno "Je t\'aime ... moi non plus" entpuppt sich bei genauerem Hinhören als existenzialistischer Abgesang auf die Freuden des Leibes: "Die körperliche Liebe führt nirgendwo hin", stellte Gainsbourg 1969 klar, während Birkin sich Richtung (natürlich vorgetäuschtem) Höhepunkt und auf den Index unzähliger Radiostationen stöhnte.
Solidarität mit Japan


Birkin, die selbst auf eine erfolgreiche Karriere als Sängerin und Schauspielerin zurückblicken kann, hat die Kompositionen des Mannes, mit dem sie von 1969 bis 1981 zusammen war, nicht nur auf etliche Alben gebannt, sondern auch in immer neuen Variationen aufgeführt: Poppig, klassisch, arabesk, akustisch, opulent. Nach einem Solidaritätskonzert im durch Erdbeben und Supergau traumatisierten Japan entschloss sich die vielfältig engagierte 65-Jährige, mit einer erneuten Tour Spenden zu sammeln. Dazu reihte sie vier fantastische japanische Musiker um sich: Hoshiko Yamane (Violine), Takuma Yakamoto (Trompete), Ichiro Onoe (Schlagzeug) und Nobuyuki Nakajima (Piano) untermalen Gainsbourgs Lieder mit mal frickeligem, mal sphärischem Jazz.
Zwar ist es Birkin selbst, deren Virtuosität gegenüber den Musikern abfällt und die sich etwa um manch hohe Note mogelt. Solche rein technischen Maßstäbe gehen aber am Kern, ach was, am Herz der Sache vorbei: Dass die Zuhörer in der Philharmonie eine warmherzige, authentische, in Würde gereifte Künstlerin erleben, die jede ausgedrückte Emotion erlebt hat und die keine der dann gar nicht so zahlreichen Schwächen hinter irgendeinem grellen Effekt versteckt. Die uns teilhaben lässt an der andauernden Trauer über den Verlust des Mannes, mit dem sie auch nach der Trennung in Freundschaft verbunden war, - und der Freude darüber, dass es ihn gegeben hat. fgg