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"Die Liebe ist überhaupt das Größte für mich"

"Die Liebe ist überhaupt das Größte für mich"

TRIER. Einem ihrer ältesten Mitglieder richtet die Gesellschaft für Bildende Kunst derzeit im Palais Walderdorff und in der Tufa eine gemeinsame Geburtstagsschau aus. Werner Persy, der morgen 80 Jahre alt wird, gehört auch sonst zu den bekanntesten Mitgliedern der hiesigen Kunstszene.

Ein bisschen ist er wie seine Propheten, wenn er so dasteht mit den wachen Augen über dem grauen Bart und mit unerschütterlicher Ruhe seinen Gesprächspartner anblickt. Seit mehr als 50 Jahren gehört Werner Persys Charakterkopf zur Trierer Kunstszene. In den Kirchen und Krankenhäusern der Region künden seine biblischen Gestalten vom lebendigen Glauben des Künstlers. Seine farbenprächtigen Aquarelle sind allerorts engagierte Botschafter seiner Lebens- und Sinnenfreude. "Ich habe mich immer bemüht, mir selbst treu zu bleiben", sagt der Maler und Grafiker, der morgen 80 Jahre alt wird.Wer sich die Bilder der beiden Ausstellungen ansieht, mit denen die Trierer Gesellschaft für Bildende Kunst ihr langjähriges Mitglied ehrt, findet in den Aquarellen und Handzeichnungen Persys Bekenntnis bestätigt. Der aufrechte künstlerische Gang des gebürtigen Trierers hat sich längst herumgesprochen. Wer einmal eine Persy-Vernissage erlebt hat, dem bleibt die große Fangemeinde im Gedächtnis, die sich im Lauf der Jahre um den Maler und Graphiker geschart hat. Kein Zweifel: Persy ist immer Persy geblieben.Auf den ersten Blick wird deutlich, wie sehr sich die Werkgruppen seiner künstlerischen Arbeit in Stil und Ausdrucksmitteln durchdringen. Seine leuchtenden, zerfließenden Aquarelle werden häufig durch zeichnerische Elemente in Form gehalten. Dafür bedient sich Persy bei der Tuschzeichnung gern einer Technik, die an seinen Umgang mit den Wasserfarben erinnert. Die Kraft und Entschlossenheit des Holzschnitts und ihre Körperlichkeit, auf die der Künstler seit seinen Studienjahren immer wieder zurückkommt, findet sich auch in so mancher Zeichnung und im malerischen Werk. Gemeinsam ist vielen seiner Arbeiten die Dynamik, die in Aufruhr geratene Linie, die Dramatik des Ausdrucks."Es geht um den Menschen in allen seinen Bezügen"

Das alles ist jedoch nicht mehr alstechnische Grundausstattung, ein Mittel zu Persys eigentlichem künstlerischen Zweck: "Mir geht es vor allem um den Menschen in allen seinen Bezügen." Den hat er viele Male ins Bild gesetzt: einsam und verlassen im schwarzen schroffen Strich der Federzeichnung, entfesselt im "Tanz des Lebens", als Liebenden in der sanften Glut der Aquarellfarben. "Die Liebe ist überhaupt das Größte für mich." Bis heute gilt, was der Künstler zu einem anderen Geburtstag bekannte.Neben der Liebe sind es die Landschaften, die Persy, dessen Schaffensfreude unerschöpflich scheint, bildnerisch umtreiben. Wobei auch dabei das eine viel mit dem anderen zu tun hat. Fast legendär sind seine Provence-Fahrten, ungezählt seine farbenprächtigen Bilder aus dem geliebten Süden. Dorthin ist er immer wieder zurückgekehrt, genauso wie zu den wenigen ausdrucksstarken Farben, auf die sich seine Bilder in der Regel beschränken. Als markante Flächen pflegt er sie gegeneinander zu setzen. Die Beschränkung gehört ebenso zu Persys Treue der eigenen Sache gegenüber, zur Ehrlichkeit seiner Bilder.Schon früh begann sein Streben nach künstlerischer Geradlinigkeit, schon damals, als der ehemalige Jagdflieger nach dem Krieg bei Otto Pankok an der Düsseldorfer Akademie studierte. "Pankok verdanke ich viel", erinnert sich der Künstler an den von Zeitgenossen gelegentlich als schwierig empfundenen Meister. "Mich hat gerade diese Kompromisslosigkeit, diese unbedingte Ehrlichkeit im Leben wie in der Kunst ungeheuer beeindruckt."Die machte sich denn auch der Student für die eigene Existenz zu eigen. Weshalb er sich auch kurzerhand in die Wüste Negev, nach Israel und Ägypten aufmachte. "Ich habe mich schließlich mit den Propheten des Alten Testaments beschäftigt. Da wollte ich einmal selbst die Erfahrung machen, wie es so ist, völlig auf sich selbst zurückgeworfen zu sein." In jener Wüsten-Einsamkeit entstand übrigens eine hinreißende "Mischtechnik", die jetzt in der Tufa hängt. Vor einem Horizont aus Sand und Leim treibt ein Nomadenkind seine Ziegen.Kunst war für Persy schon immer lebendiges Geben und Nehmen. "Was ich aus dem Leben empfange, versuche ich auf meine Weise wiederzugeben." Dass ihm das bis auf den heutigen Tag unverändert gelingt, macht den Künstler dankbar. "Für mich ist es das Schönste und auch künftig das Wichtigste, dass ich die Kraft behalte, mit meinen Mitteln zu sagen, was mir wichtig ist." Bisweilen quälen den mittlerweile ergrauten Maler Zweifel. "Die Leute wollen heute vor allem durch die Kunst unterhalten werden. Ich weiß manchmal nicht, ob ich da mit meinen traditionellen Arbeiten noch aktuell bin." Dass er es noch ist, hat ihm erst unlängst das Interesse an seinen Zeichnungen bewiesen. "Ich hätte nicht gedacht, dass so ein unterpriviligiertes Medium soviel Resonanz hat.""Es gibt immer einen Weg"

Persy ist ein Künstler des Klein- und Mittelformates. Bisweilen scheint es gar, als sei er da am intensivsten, wo er ganz eingeschränkt ist, konzentriert auf das enge Geviert eines kleinen Blattes. Eine selten gekannte Dichte erreicht jedenfalls sein winziges Aquarell "Landschaft in der Toskana", im Palais Walderdorff. Es ist ein absolutes Kleinod in dieser Geburtstagsschau. Für Persys Lebensmotto hingegen mag ein anderes Bild stehen: Mit beherztem Schritt durchquert ein Mensch den Bildraum in Richtung Zukunft: "Es gibt immer einen Weg" steht darunter.Ausstellungen: Palais Walderdorff, Aquarelle: di.-fr. 11 bis 13 u. 14 bis 17 Uhr, sa. u. so. 10 bis 13 Uhr; Tufa, Handzeichnungen: di.-fr. 14 bis 17 Uhr, sa. u. so. 11 bis 15 Uhr.