Die Liebe zum Lied

DUDELANGE. Paul McCartney oder Elton John zählen zu seinen Fans: Der Kanadier Ron Sexsmith zeigte beim Songwriter-Festival im luxemburgischen Dudelange, warum das so ist.

Nach ein paar Stücken rutscht es ihm so raus. "Was für ein seltsamer Konzertsaal", sagt Ron Sexsmith und hält kurz inne: "Sieht aus wie ein Wahllokal. Aber wir machen das Beste daraus." Sein Blick streift wuchtige Designer-Lampen im Plastik-Look, die in den 70ern ziemlich teuer gewesen sein müssen. Vielleicht erspäht der Sänger auch das kleine Bild von Großherzog Henri und Ehefrau Maria-Theresa, das über der Tür des "Festsaals" hängt. An den Tagen zuvor spielte der Kanadier in Rockclubs wie dem Münchner Atomic oder der Stuttgarter Röhre. Nun findet er sich wieder im Rathaus-Saal in Dudelange im Luxemburger Süden, Gattung "großes Wohnzimmer", mit Trink- und Rauchverbot. Der Auftritt von Sexsmith ist einer der Höhepunkte des Liedermacher-Festivals "The Singer and the Song". Schon vor ihm hat mit Claudine Muno & the Luna Boots eine Luxemburger Band gespielt, die man guten Gewissens jedem mit Herz für Songwriting empfehlen kann. Am Tag darauf spielten Julia Neigel (früher Jule genannt) und der Ire Andy White. Das Publikum sitzt. Bis auf diejenigen, die keinen Stuhl mehr abbekommen haben und gleich vor Sexsmith auf dem Boden hocken. Es hat fast was Lagerfeuermäßiges. Der Sänger und Akustik-Gitarrist weiß, dass es nicht ums Image geht. Nicht um den Schein oder Rock'n'Roll-Klischees. Schließlich ist er vom coolen Rocker so weit entfernt wie Otti Fischer vom Idealgewicht. Von daher ist es auch egal, ob der Saal nun nach Wahllokal ausschaut oder die Musiker nach Erdkunde-Lehrern - wenn man mal den streifenhosigen E-Gitarristen außen vor lässt. Man kann sich Rundgesicht Ron nicht in einem Musikvideo vorstellen, vielleicht gar rumspringend: Es geht ihm um die Musik, die zarten Melodien, die sich doch festbeißen. Es geht sicher auch um die Texte über große Momente oder kleine Tragödien. Nicht um Marginalien wie das eigene Aussehen. Das Sakko sitzt eher schlecht als recht. Die Haare, die man nur wenn man nett ist, "Frisur" nennen kann, stehen in alle Richtungen ab. Sexsmith entschuldigt sich dafür: "Ich habe den ganzen Tag einen Hut getragen." Sexsmith steht auf der Bühne, die Akustik-Gitarre umgehängt. Es ist sein erster Auftritt in Luxemburg. Er tut ein bisschen verwundert, dass die Zuschauer so langsam seine Lieder kennen. Als ewiger Geheimtipp galt er, geliebt von Paul McCartney, Elvis Costello, Coldplay oder der Musik-Journaille. Ignoriert vom Rest. Das ist nun ein bisschen anders: Sexsmiths warme Stimme, die unkomplizierten, aber leidenschaftlichen Kompositionen werden zwar nie massenkompatibel. Aber immerhin lohnt sich nach Alben wie "Retriever" oder "Time Being" auch mal eine Europa-Tour. Das ist doch schon mal ein Anfang.