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Die Liebe zum Menschen und zum Tier

Die Liebe zum Menschen und zum Tier

Der Sommer vor 50 Jahren war, temperaturmäßig, nicht der Rede wert. Zwar gab es im Juni in Deutschland eine Hitzewelle (mit läppischen 35 Grad), aber die endete rasch und - abgesehen von elf Hitzeopfern in München - eher unspektakulär.

Wäre es vor einem halben Jahrhundert so heiß gewesen wie derzeit - wer weiß, ob es tatsächlich einen Sommer der Liebe gegeben hätte, denn schon Cole Porter wusste - knapp 20 Jahre früher -, dass zumindest der Sex auf der Strecke bleibt, wenn es "Too darn hot - viel zu heiß" ist, wie ein Song aus "Kiss Me Kate" so treffend beschreibt. Trotzdem war 1967 der "Summer of Love" - will sagen, der Höhepunkt der Hippie-Bewegung in San Francisco. Vor dem Hintergrund schwerer Rassenunruhen, dem Vietnamkrieg und einer konsumorientierten Gesellschaft entwickelte sich in San Francisco der 1960er Jahre eine Gegenkultur, die nach neuen Wegen im Zusammenleben von Menschen und Staaten suchte. Bands wie Jefferson Airplaine, The Grateful Dead, The Doors oder Solisten wie Jimi Hendrix und Janis Joplin waren tonangebend, und in der Kunst gewann das "psychedelische Plakat", geprägt durch einen Formen- und Farbenrausch, kurzzeitig eine stilbildende Oberhand. Das Halbjahrhundert-Jubiläum dieser weltumspannenden Friedensbewegung nimmt das Essener Museum Folkwang zum Anlass, 246 Plakate (und damit die bisher größte Plakatausstellung zum Summer of Love in Europa überhaupt) aus jener Zeit zu zeigen - zusätzlich zu Theaterzetteln, Konzerttickets, Schallplattencovern, Soundeffekten und der Installation originalen "Joshua Light Show" von 1967. Im Fokus von "San Francisco 1967", so der schlichte Titel der Schau, stehen Vietnamkrieg, Musikkultur, afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung, sexuelle Befreiung und Alltagskultur. Zu sehen ist sie bis zum 3. September. Einer Liebe ganz anderer Art widmet sich eine weitere Ausstellung - ebenfalls ganz anderer Art. Das Kunstmuseum Ravensburg behauptet "We love Animals" - und will das mit rund 100 Kunstwerken beweisen. Nun liebt jeder Tiere auf seine Weise. Die einen als Kuschelprodukt und gegebenenfalls auch als Kindersatz, die anderen gut durchgebraten auf dem Teller. Letztgenannter Aspekt wird aus verständlichen Gründen in der Schau eher am Rande behandelt; dafür wird bilderreich die Beziehung zwischen Zwei- und (meistens) Vierbeinern präsentiert. Das wohl älteste Werk stellt Albrecht Dürers "Rhinozeros" aus dem 16. Jahrhundert dar. Obwohl als Haustier eher ungeeignet, wurde ein Exemplar 1515 dem portugiesischen König Dom Manuel I. geschenkt. Afonso de Albuquerque, Vertreter der portugiesischen Krone in Indien, hatte das raumgreifende Präsent 1514 von Sultan Muzafar II. erhalten und beschlossen, es seinem Boss im fernen Portugal als Morgengabe weiterzuleiten. Dürer hatte das Viech übrigens nie zu Gesicht bekommen und es nach der Beschreibung eines Zeitgenossen zu Papier gebracht. Fragt sich, wem mehr Ruhm gebührt: dem Künstler mit dem Zeichenstift oder dem Beschreiber mit dem fotografischen Auge. Dürers jüngere Kollegen haben dem Tier auf ihre Weise Reverenz erwiesen: der Maler Max Slevogt unter anderem mit seinem Bild der Katze Nini (1897), das exemplarisch für die Wandlung des Hausgenossen vom Nutz- zum Haustier steht und zum Spielkameraden für (adlige) Kinder wurden. Franz Marc und RenéeSintenis idealisierten das Tier zu Beginn des 20. Jahrhunderts als "Träger vitaler Naturkräfte". Und 1967 gründete Joseph Beuys eine Partei für Tiere, während Harald Naegeli als Sprayer von Zürich gegen die Ausgrenzung des Animalischen mit seinen Tier-Graffiti im öffentlichen Raum protestierte. Echt tierisch also, diese Ravensburger Ausstellung, die am 1. Juli beginnt und bis 15. Oktober dauert. no Unterm Strich - Die Kulturwoche