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Die mit dem Hirsch röhrt

Die mit dem Hirsch röhrt

TRIER. In den Niederlanden sind sie Rockstars, in Deutschland eher unbekannt: Krezip beendeten am Dienstagabend ihre Club-Tour im vollen Trierer Exhaus. Eine Premiere, bei der höchstens die gelegentlich aufgesetzte Softporno-Attitüde störte.

Der Exhaus-Parkplatz bestätigt die Vermutung: Es regiert "Gelb" an den Stoßstangen oder Frontspoilern. Reichlich Luxemburger Kennzeichen, vereinzelt niederländische. Das passt. Krezip ist in den Benelux-Staaten eine richtig große Nummer. Seit sechs Jahren schon. Mit Platin-Alben. Voller Radio-Unterstützung. Und mit einer Menge Hits wie "Won't Cry", der Ballade "I Would Stay" oder dem neueren "Out of my Bed". Jenseits der Grenzen sind die drei Mädels und Jungs aus Tilburg - alle so Mitte 20 - trotz regelmäßiger Touren eher unbekannt. Eine Etage tiefer. Im Exhaus-Keller mischen sich Schweiß, Rauch und Adrenalin. Es sind - wie man hört - doch mehr Trierer da als erwartet. Vor allem Schüler, die Parkplatzsuchen bisher nur vom Beifahrersitz aus kennen. "Das ist unser letzter Auftritt für lange Zeit", sagt Sängerin Jacqueline Govaert und wischt die Perlen von der Stirn. Mit dem ersten Konzert in Trier endet die Club-Tour. Ein besonderer Auftritt, wie sie findet. "Es ist so heiß hier. So viel habe ich bei einem Auftritt noch nie geschwitzt", ächzt sie. Es liegt nicht nur am Sauna-Klima im "Exil". Die Sängerin hetzt über die kleine Bühne, röhrt mal, säuselt wieder. Spielt mit ihrer kraftvollen, rauchigen Stimme, die man der zierlichen Blonden nicht unbedingt zutrauen würde. Sie steht im Rampenlicht. Immer. Selbst wenn Gitarrist Jan-Peter Hoekstra halb gebückt ein Solo spielt. Jacqueline reibt sich lasziv an seinem Rücken, erobert die Blicke. Unschuld war gestern. Frühere Schülerband, Rockpreis-Gewinner, das ganze Image eben. Krezip sind anders als vor vier, fünf Jahren. Spielerisch besser. Dichter, dynamischer, wuchtiger. Damals gaben sich die Niederländer - Stammgäste in Luxemburg - aber auch reservierter. Das war nicht unbedingt schlechter: Denn wenn Jacqueline heute am Dekollete nestelt, mit der Zunge über die Oberlippe leckt oder ihr "Arschgeweih", pardon! - Steißbein-Tattoo mit Hirsch-Anleihen - ausstellt, sieht das eher nach RTL 2-Spätfilm-Casting aus. Nötig wäre es nicht. Vor Krezip hatte Peilomat für gute Stimmung bei den vielen jungen Fans gesorgt. Es war fast ein Heimspiel für die Gewinner des Deutschen Rockpreises 2005: Bassist Sebi Wagner ist Bitburger./bru Peilomat spielt am 7. Oktober bei "Rock am Schloss" in Bekond.