Die Monty Pythons der Blasmusik

Die Monty Pythons der Blasmusik

Trier und Open Air: Das bleiben getrennte Welten. Angesichts 70 Prozent Regenwahrscheinlichkeit verlegte Intendant Hermann Lewen das Konzert der Mnozil Brass in die Europahalle - was dem Kult um die Österreicher keinen Abbruch tat. Das Publikum war in feucht-fröhlicher Jubelstimmung. Draußen blieb\'s übrigens trocken.

Trier. Beim dritten Trier-Gastspiel der sieben schrägen Bläser aus Wien reichte schon die Ankündigung, um alle 1000 Tickets binnen kurzer Zeit loszuwerden. Der Mix aus Musik und Comedy macht das Publikum zwischen 15 und 75 offenbar süchtig.
Das funkelnagelneue Mnozil-Programm bietet auf der Bühne weniger durchchoreographierte Show und mehr fröhlichen Anarcho-Humor im Geist der Monty Pythons. Es heißt "Blofeld", nach dem stets katzenkraulenden James-Bond-Bösewicht, der zum Auftakt über die ansonsten gänzlich kahle Bühne schleicht.
Der Name hält, was er verspricht: Es gibt jede Menge Filmmusik und jede Menge Bosheiten. Da wird nach Herzenslust gemeuchelt, gewürgt, abgemurkst und vergiftet, als hätte die Combo das Programm auf dem Wiener Zentralfriedhof einstudiert.
Mnozil-Auftritte sind auch ein Rätselspiel. Es gibt kein Programm, keine Titelliste, keine Auskunft - und so stellt sich immer wieder die Frage, was da eigentlich im unverkennbaren Sound aus drei Trompeten, drei Posaunen und einer Tuba (allesamt unverstärkt) verballhornt wird. Das beginnt mit den unheimlichen Klängen aus Hitchcocks "Psycho", findet mit Schostakowitschs Walzer aus "Eyes wide shut" einen ersten musikalischen Höhepunkt, schaut aber auch mal bei österreichischen Landsleuten wie Schönberg oder dem Jazzer Joe Zawinul vorbei.
Dabei weiß man oft nicht, worüber man mehr staunen soll: Die Virtuosität der Instrumentalisten oder ihre brüllend komische Art, die Musik mit ironischen Faxen aller Art zu verbinden.
Beim James-Bond-Medley drückt Mister Goldfinger persönlich die Trompetenventile, und der Schmackes von "Live and let die" könnte Tote aufwecken. Zur Hymne "Chariots of fire" inszenieren die Mnozils im Sportteil ein herrlich unfaires 100-Meter-Rennen, das nahtlos in einer Schlägerei zur "Rocky"-Titelmusik mündet. Gefolgt vom geblasenen Formel-1-Boxenstopp. Und den Synchronschwimmerinnen in der schönen blauen Donau.
Und dann macht\'s einfach Rums, und ein Bi-Ba-Butzemann tanzt mit Marilyn Monroe, während sieben raue Männerkehlen ein wunderbar zerschmelzendes "Röslein auf der Heiden" zelebrieren - bevor sie es mit der singenden Säge zerlegen. Da wundert man sich schon nicht mehr, wenn Schuberts ehrwürdige Widmung "An die Musik", das Glanzstück jeder Sängervereinigung, auf der Harmonika klein gehäckselt wird.
Auch wenn auf der Bühne gelegentlich Notenblätter verbrennen: Bei aller Comedy bleibt die musikalische Feinarbeit virtuos, bringen selbst vertrackteste Rhythmen das Septett nicht aus dem Rhythmus. Ein tempogeladenes Medley-Feuerwerk als Zugabe, dann eine bildhübsche Version von Carly Simons "You got a friend", zwei Mal Standing Ovations: In Trier hat die Mnozil Brass ihre Freunde längst gefunden.
Am heutigen Samstag, 2. Juli, präsentiert der TV ab 21 Uhr die Barocke Sommernacht im Innenhof des Kurfürstlichen Palais. Zu Gast ist das Bachorchester des Gewandhauses Leipzig mit den "Vier Jahreszeiten" von Vivaldi. Eintrittskarten ab 19 Uhr an der Abendkasse. Wetter-Hotline ab 18 Uhr: 0172/6716000 oder auf www.moselmusikfestival
Bei schlechter Witterung ist St. Maximin die Alternative. Wenn das Konzert im Kurfürstlichen Palais stattfindet, gibt es gegen 23.15 im Palastgarten ein öffentliches Feuerwerk zur Musik von Händel.