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Die Musik ist seine Sprache

Die Musik ist seine Sprache

Seit einem Jahr lebt der luxemburgische Pianist und Komponist David Ianni in Mettendorf. Er komponiert Musik für Klavier und Orchester, aber auch eine Kinderoper und geistliche Chormusik gehören zu seinen Werken. Sein Album "Chant - Amor et Passio", das er zusammen mit den Zisterziensermönchen des Stiftes Heiligenkreuz aufgenommen hat, wurde in Österreich mit Platin ausgezeichnet.

Mettendorf. Augen schließen, zuhören und träumen: Wenn David Ianni an seinem Flügel eine Kostprobe seines Könnens gibt, ist es schwer, sich seiner Musik zu entziehen. Der Pianist und Komponist beschreibt sie selbst so: "Meine Musik ist sehr leicht zugänglich, gleichzeitig aber auch anspruchsvoll komponiert. Jeder kann was darin entdecken, dem Laien gefällt die Melodie, dem Fachmann die komponierte Raffinesse."
Keine musikalischen Wurzeln


Der 36-Jährige lebt seit einem Jahr mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Mettendorf. Davor hat die Familie fast zehn Jahre lang in Geichlingen gewohnt. Geboren wurde er 1979 in Luxemburg, wo auch seine Mutter herstammt. Sein Vater ist Italiener. Bislang findet sich kein Musiker in seiner Familie, doch als ihm seine Großmutter zum dritten Geburtstag ein Keyboard schenkt, legt sich bei David Ianni ein Hebel um. "Ich habe gemerkt, dass die Musik meine Sprache ist - ich war direkt zu Hause", sagt er. So habe seine Mutter immer gerne die Serie "Die Dornenvögel" gesehen. Als er mühelos die Erkennungsmelodie nachspielt, werden die Eltern auf sein Talent aufmerksam.
Mit acht Jahren am Klavier


Mit acht Jahren besucht er das Konservatorium in Esch-sur-Alzette, beginnt dort mit neun Jahren den Klavierunterricht. "Eigentlich viel zu spät. Viele Kollegen, die Karriere machen, haben spätestens mit fünf Jahren angefangen", sagt Ianni und lacht.
Nach der ersten Stunde ist ihm klar, dass er mal professioneller Musiker werden möchte. Im Alter von 15 Jahren schließt er sein Klavierstudium ab. Bei seinem Abschlusskonzert entdeckt ihn ein Manager aus Luxemburg und nimmt ihn unter seine Fittiche.
Mit 16 Jahren gibt er sein Debüt mit Franz Liszts zweitem Klavierkonzert und dem Orchestre Philharmonique de Luxembourg. Er spielt Konzerte in Europa, Japan und Indien. "Ich habe drei Jahre lang Konzerte gegeben, aber immer schon nebenbei komponiert." Stücke, die er heute noch spielt. Er, dem das romantische Repertoire von Chopin und Liszt sehr liegt, der aber auch Beethoven mag, spielt seine eigenen Kompositionen zunächst als Zugaben bei Konzerten.
Obwohl er von den Luxemburgern als Wunderkind gefeiert wird und auch finanziell erfolgreich ist, fehlt ihm etwas. Mit 18 Jahren trennt er sich von seinem Manager. "Ich wurde immer unglücklicher, habe auch spirituell eine Heimat gesucht, mir die Frage nach dem Sinn des Lebens gestellt", erzählt er. Er sucht in der Esoterik-Szene und in indischen Ashrams (religiöse Herbergen), doch nach ein paar Jahren Auszeit besinnt er sich auf seine Wurzeln.
Bei der katholischen Kirche findet er, was er sucht. Sie gibt ihm Halt. 2006 heiratet er seine Freundin Martina, mit der er drei Kinder bekommt. 2010 kommt auch musikalisch der Wendepunkt. Seine erste Solo-CD "Night Prayers" mit eigenen Klavierkompositionen erscheint.
Im gleichen Jahr komponiert und spielt er die Klavierbegleitung für das Album "Chant - Amor et Passio" der Zisterziensermönche des Stifts Heiligenkreuz nahe Wien. Die CD mit den gregorianischen Gesängen wird in Österreich mit Platin (damals für 30 000 verkaufte CDs) ausgezeichnet.
Mehr als 100 Werke hat er schon komponiert. 2014 erscheint sein zweites Solo-Album "Prayers of Silence". Seit zwei Jahren spielt er nur noch seine eigene Musik. "Wenn die Menschen meinen Namen sehen, sollen sie wissen, was sie erwartet", sagt er. Sein oberstes Ziel: "Ich möchte ihre Herzen berühren."
Üben, komponieren, Sport


Und wie sieht ein typischer Tag von David Ianni aus? "Ich stehe früh auf, rasiere mich, dann hänge ich mich zehn Minuten kopfüber an einer Stange auf - das ist gut für die Wirbelsäule - dann meditiere ich und mache anschließend zehn Minuten Fingerübungen am Flügel." Nach dem Kaffee treibt er Sport und widmet sich danach dem Arbeitsalltag: üben, komponieren, Büroarbeiten am Computer.
Dreimal die Woche gibt er Musikunterrichtam Conservatoire de Musique du Nordin Ettelbrück. Nebenbei arbeitet Ianni an einer neuen CD. "Es gibt außerdem ein bereits fertig aufgenommenes Album mit etwas älteren Stücken", sagt er. Beide Alben sollen 2017 erscheinen. Seine jüngsten Werke hat er seinen drei Kindern gewidmet.
Ein lebhaftes Stück - "Passion" - für Antonio (neun Jahre), den "Wilden" mit viel Energie. "Angel Dance" heißt ein träumerisches, ruhigeres Stück für Raphael, der auch den Namen eines Engels trägt, und bunt und fröhlich ist das für seine Tochter Giulia. Spätestens bis 2017 möchte er seine schönsten Lieder als CD herausgeben. "Vom Format sind die Stücke aufgebaut wie ein Poplied, jedoch fest verwurzelt in der klassischen Tradition", sagt der Komponist, der wenig anfangen kann mit atonaler Musik.
"Ich möchte mit meiner Musik viele Menschen erreichen und bin überzeugt, dass ich sowohl ein klassisches als auch ein Pop-Publikum berühren kann."Extra

16 Klaviere, eine Stadt: Zwei Wochen lang ließ Luxemburg etablierten oder Möchtegernmusikern Zeit, ihr Talent zu beweisen. Unter dem Titel "My Urban Piano" hatte die Stadt vom 3. bis zum 19. Juni in den Parks und Stadtvierteln 16 Klaviere aufgestellt und damit die Initiative aus den Jahren 2014/15 wiederholt, die Menschen zum Mitmachen animieren sollte. Das hat den Pianisten und Komponisten David Ianni auf die Idee gebracht, seiner Mama zum Muttertag (den feiern die Luxemburger am zweiten Sonntag im Juni) eine besondere Überraschung zu bereiten. So hat er am Tag zuvor ein Stück komponiert und ist dann zusammen mit seinem Freund, dem Filmemacher Vitùc, in die Stadt gefahren und hat es auf den verschiedenen Klavieren gespielt. Das dabei entstandene Video ist im Internet zu sehen unter <%LINK auto="true" href="http://www.davidianni.com" text="www.davidianni.com" class="more"%> sn