Ausstellung: Die Natur der Seele vor der Eifellandschaft

Ausstellung : Die Natur der Seele vor der Eifellandschaft

Der chinesische Maler Zhang Wei stellt seine abstrakten Gemälde in Weidingen aus.

Ein wunderbares Bild von der Natur der Seele inmitten der Natur der Landschaft hat der chinesische Maler Zhang Wei für die alljährliche Sommerausstellung der Stiftung Kunst in Weidingen geschaffen. Lichtdurchflutet und frei hängt das viermal sechs Meter große Ölgemälde auf wertvollem handgeschöpften Xuan-Papier im hohen Galerieraum. Durch dessen verglaste Front führt es einen lebhaften Dialog mit der Landschaft draußen, illuminiert vom wechselnden Licht.

Nicht nur Natur und Kunst haben sich im schönen Ensemble der Stiftung zur Förderung zeitgenössischer Kunst im hoch gelegenen Eifeldorf unweit von Bitburg aufs Beste verbunden, sondern auch gebautes kulturelles Erbe und zeitgenössische Architektur. Ihr verdankt sich auch das Galeriehaus, eine moderne Überschreibung des herkömmlichen Scheunenbaus.

Der in Peking lebende Maler gilt als Pionier der abstrakten Kunst in China und als einer ihrer wichtigen Vertreter im Land. Zur Abstraktion fand der 1952 in der Hauptstadt geborene Maler, der sich bis dahin vor allem mit Landschaftsmalerei beschäftigte, durch ein eindringliches Erlebnis während seiner Arbeit als Designer der Peking Oper. Eine Inszenierung dort bewegte ihn derart, dass er das Bedürfnis hatte, unmittelbar seine Empfindungen im Bild festzuhalten. „Augenblicklich wurde mir klar, dass so etwas nur durch die Abstraktion möglich ist“, erzählt Zhang Wei.

Auch in seinem großformatigen Weidinger Gemälde geht es um Innenschau. Als Ort vielfältiger Energien, veräußert in Farbe und Zeichen, stellt sich die Seelenlandschaft des Malers dar. Einmal mehr verdankt sich das Gemälde einem Schlüsselerlebnis. Nach einer schweren Krankheit konnte der Künstler längere Zeit nicht arbeiten. „Ich habe mich in mein Atelier zurückgezogen“, berichtet der Maler. „Dort war ich ganz bei mir und habe über das Leben und die zwischenmenschlichen Beziehungen nachgedacht“.

Was sich im europäischen Vanitas-Gedanken darstellt, das Wissen um Vergänglichkeit und Nichtigkeit, wurde auch Zhang Wei zur Gewissheit. „Man glaubt immer, man sei so stark, und die Dinge unseres Lebens seien so unangreifbar. Aber in Wirklichkeit ist alles verletzlich und fragil.“ Von solcher Widersprüchlichkeit erzählt auch das Weidinger Gemälde, gleichermaßen in seiner Materialität wie in seiner Farbigkeit und Bildsprache. Da ist zunächst der riesige Papierbogen (eine Rarität allein im Format), den Wei beim Malen auf dem Boden ausbreitet. Bei solchem Zugriff ist man an Pollocks berühmtes Wort erinnert: „Wenn ich in meinem Bild bin.“

Xuan-Papier wird normalerweise als Bildgrund für Wasserfarben benutzt. Wenn Zhang Wei „in seinem Bild ist“, verwendet er hingegen Ölfarbe, die er so leicht und stellenweise transparent aufträgt, als sei sie Aquarellfarbe. Die freie Hängung ermöglicht das Betrachten der Vorder- wie Rückseite. Was auf den ersten Blick als Bild eindeutig scheint, verschwimmt so in der Rückschau zur ungewissen Ahnung.

In Zhang Weis Gemälde verbindet sich die Abstraktion moderner Malerei und die der traditionellen Zeichenwelt chinesischer Kalligraphie zu einer vielfältigen kontrastreichen Bildwelt. Ihre gewaltigen Farbklänge, die feinen Zeichen, Einsprenkelungen und Leerstellen gleichen einer gemalten Tondichtung, in der aus den subtilen Spannungsverhältnissen ihres Innenlebens vieltönender Zusammenklang entsteht.

„Der Berg der Seele“ heißt ein großartiges Buch des aus China stammenden Literaturnobelpreisträgers Gao Xingjian, das von der Reise eines Mannes zu sich selbst erzählt. Auch Zhang Weis Gemälde ist eine solche Reise in die eigene Seelenlandschaft, präsentiert in der gewaltigen Eifellandschaft. Die hatte es dem Künstler gleich angetan. „Der Ort hier hat mir sofort gefallen“, sagt Zhang Wei.

Zur Vernissage machte der schwedische Musiker Mats Gustafsson vor dem Bild die innere wie äußere Landschaft eindrücklich klingen. Neben dem Kolossalformat sind noch einige sehr feine kleine Arbeiten zu sehen. Künftig sollen die Aktivitäten noch erweitert werden, wie Max-Ulrich Hetzler sagt. Der Berliner Galerist hat die Stiftung 2012 mit seiner Frau gegründet.

Die Ausstellung ist bis 31. August täglich von 16 bis 18 Uhr geöffnet.

Mehr Infos zur Ausstellung gibt es online unter www.kunst-in-weidingen.de

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