Die neue CD von Scott Hamilton Quartet: "Danish Ballads ... & More"

Jazz : Der sanfte Klang des Nordens

Er versuche, jeden Abend etwas Neues und Originelles zu machen, sagte Scott Hamilton einmal, um damit jeden Verdacht des Eklektizismus zu entkräften, wurde der 1954 geborene Tenorsaxophonist doch oft als Wiedergänger von Coleman Hawkins, Ben Webster,  Lester Young und anderen Giganten dieses Instruments bezeichnet.  Was allerdings überhaupt nicht negativ gemeint war, sondern sozusagen als multiples Kompliment.

Hamilton versteht sich denn auch ganz und gar nicht als „Revival“-Musiker, der auf den Spuren der großen Vorbilder wandelt, ohne eigene Pfade einzuschlagen. Was ihm oft genug von der Kritik bestätigt wurde: „Hamiltons selbstbewusstes, aber niemals selbstherrliches ,Aus-dem-Bauch-Spiel‘, sein … eigener Dreh in puncto Melodie und Harmonik haben ihn zu einem formidablen Swingsaxophonisten gemacht“ – ein tonmächtiger Sachwalter eines großen Erbes, dem er seinen individuellen Stempel aufdrückt. Dass Hamilton seinem Ruf mehr als gerecht wird und neben den großen Vorläufern als persönliches Kennzeichen die Entwicklung eines kraftvollen, gleichermaßen weichen Tones vorantreibt, beweist er einmal mehr mit seinem jüngsten Album, einer gutgelaunten Kollektion der größten Hits aus dem südlichsten Skandinavien-Land. Titel wie „Forelsket i  København“ (Verliebt in Kopenhagen) oder die unverwüstliche „Alley Cat“ (beides von Bent Fabricius-Bjerre),  „My little Anna“ des Bassisten Niels-Henning Ørsted Pedersen), „Danse Vise“, das „Tanzlied“ des dänischen Jazzpianisten Otto Francker, mit dem das Land 1968 beim „European Song Contest“ angetreten ist,  oder der „Montmartre Blues“ sowie der „Svinninge Blues“ des in seinen späten Jahren in Europa und besonders Dänemark sesshaft gewordenen Bassisten Oscar Pettiford zeigen, dass es die Dänen, was Einfallsreichtum und melodische Gestaltung angeht, durchaus mit ihren amerikanischen Komponistenkollegen aufnehmen können.

Und dass sich die traditionelle Volksmusik allemal für eine ­Verswingung eignet, wird bei  Titeln wie „Det var en lørdag aften“ (An einem Samstagabend)  oder „I skovens dybe stille ro“ (In der Stille des Waldes) deutlich. Das Quartett – neben Hamilton der Pianist Jan Lundgren, der Bassist Hans Backenroth und der Schlagzeuger Kristian Leth – mischt sanft swingende, klar akzentuierte  Melodien, bietet ein perfekt aufeinander austariertes Zusammenspiel und schafft auf diese Weise  ein Hörerlebnis, das einfach für gute Laune sorgt. Könnte man aus Tönen einen Smoothie machen – das Ergebnis dürfte wohl so klingen (und schmecken) wie die „Danish Ballads“. Rainer Nolden

Scott Hamilton Quartet, Danish Ballads ... & More, Stunt Records, STUDCD 18102